Coburg
Interview

Musik baut Brücke von Coburg nach London

Wie sich das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg unter seinem Leiter Roland Kluttig auf sein Konzert in der Cadogan Hall vorbereitet.
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Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig probt mit dem Philharmonischen Orchester für das London-Gastspiel des Landestheaters.Foto:_Jochen Berger
Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig probt mit dem Philharmonischen Orchester für das London-Gastspiel des Landestheaters.Foto:_Jochen Berger
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Ein spannendes Auslandsgastspiel wartet auf das Philharmonische Orchester des Landestheaters und seinen Generalmusikdirektor Roland Kluttig . Am Samstag wird das Orchester ein Konzert in der Cadogan Hall in London geben - künstlerischer Beitrag zum Jubiläum 200 Jahre Queen Victoria und Prinz Albert. Im Gespräch verrät GMD Kluttig, was die besondere Herausforderung bei diesem Gastspiel ist..

Das Programm beim Gastspiel des Landestheaters in der Cadogan Hall in London enthält fast ausschließlich Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy. Wie ist die Auswahl zustande gekommen?

Roland Kluttig: Mendelssohn ist der Komponist der Epoche, der die engsten Beziehungen zu Victoria und Albert pflegte, mehrere Treffen sind überliefert und seine "Schottische" Sinfonie ist Queen Victoria gewidmet. Außerdem ist er der Komponist, der am stärksten nach Händel die Verbindung von Deutschland und Großbritannien verkörpert. Seine Reisen dorthin waren prägend und viele Werke, wie die genannte "Schottische", die "Hebriden" Ouvertüre oder auch "Elias" - der in Birmingham in englischer Sprache uraufgeführt wurde - resultieren aus dieser Verbundenheit mit dem Land. Insbesondere der "Elias" ist für die englische Chortradition eines der prägenden Stücke geworden.

Die spezielle Auswahl jetzt kam so zustande, dass ich nach einem Programm gesucht habe, bei dem man die Musikalische Leitung des Programms teilen kann. Hier kam Richard Cooke ins Spiel, der musikalische Leiter der Royal Choral Society, der von Anfang an hinter dem Projekt stand und ohne den es diese Konzerte jetzt nicht geben würde. Von ihm kam dann auch noch der Vorschlag das in England sehr beliebte "Hör mein Flehen" und als besondere Referenz das "Ständchen" von Prinz Albert quasi als Geburtstagsständchen für den 200. Geburtstag von Victoria - der am Vortag liegt - mit einzubauen.

Inwiefern unterscheidet sich die Vorbereitung auf dieses Konzert von der Vorbereitung eines normalen Sinfoniekonzerts?

Ich habe mit der Bekanntgabe des Programms für unser 6. Sinfoniekonzert gewartet, bis das England-Gastspiel einigermaßen gesichert erschien. Die "Reformationssinfonie" hatten wir ja vor 2 Jahren schon im Programm eines unserer Sinfoniekonzerte - damals aufgezeichnet von Deutschlandfunk Kultur. Insofern wird diese Sinfonie jetzt aufgefrischt. Die "Lobgesang" Sinfonie hat das Orchester im vergangenen Jahr mit dem Bachchor in der Morizkirche aufgeführt. Richard Cooke ist schon in dieser Woche vor unserer Reise nach Coburg kommen, um das Werk mit dem Orchester und den Gesangssolisten vom Landestheater einstudieren.

Wieviel Zeit bleibt dem Philharmonischen Orchester und den Solisten, sich auf die akustischen Bedingungen der Cadogan Hall einzustellen?

Wie häufig bei solchen Chorkonzerten erfolgt das Aufeinandertreffen der beiden Parteien erst kurz vor dem Konzert, sprich in einer Nachmittagsprobe am Tag des Konzertes. Das ist nicht so ungewöhnlich, verlangt aber ein besonders schnelles aufeinander Eingehen.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit diesem Gastspiel?

Ich freue mich vor allem darauf, dass es mit großer Unterstützung aus der Stadt und auch vom Freistaat Bayern gelungen ist, das Gastspiel zustande kommen zu lassen. Die organisatorischen Anforderungen waren immens, da ja auch immer noch der Brexit drohend im Raum stand. Ich hoffe einfach, dass unsere Musikerinnen und Musiker diese Reise trotz der Kürze und des Stresses auch genießen können, das die Begegnung und Zusammenarbeit mit den Sängerinnen und Sängern der Royal Choral Society eine fruchtbare wird und wir Coburg und sein Orchester und Theater dort bekannter machen können. Die Royal Choral Society bewirbt das Konzert in London unter dem Titel "The Coburg Connection" und in dem Wiederaufnehmen dieser "connection" dient es ja vor allem. Ebenso spannend wie das Londoner Konzert wird der Gegenbesuch und die Aufführung von Ralph Vaughan Williams "Sea Symphony" am 8.Juli in Coburg, gemeinsam mit der Royal Choral Society, dem Opernchor und dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg unter der Leitung von Richard Cooke. Die Fragen stellte Jochen Berger.

Rund um das London-Gastspiel des Landestheaters

Samstag, 25. Mai Gastkonzert des Philharmonischen Orchesters Landestheater Coburg in der Cadogan Hall London gemeinsam mit der Royal Choral Society London (Leitung: Richard Cooke), Solisten: Laura Incko, Francesca Paratoro (Sopran), Peter Aisher (Tenor), Gesamtleitung Roland Kluttig

Programm Mendelssohn "Hear My Prayer", 5. Sinfonie "Reformationssinfonie", 2. Sinfonie "Lobgesang", Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha "Ständchen"

Cadogan Hall Die Cadogan Hall in London, Heimstatt des Royal Philharmonic Orchestra, ist eine Konzerthalle mit 950 Plätzen. Das Gebäude, 1907 vollendet und zunächst als Kirche konzipiert, wurde 2004 in einen Konzertsaal verwandelt.

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