Meschenbach

Munitionssuche bei Meschenbach ist beendet

Die Suche nach Munition in der Itz bei Meschenbach (Gemeinde Untersiemau, Landkreis Coburg) ist abgeschlossen. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Wochen über 500 Kilo gefährliche Gegenstände gefunden. Einschränkungen auf der B4 wird es aber zumindest noch am Freitag geben.
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In der rechten Hand hält Bürgermeister Rolf Rosenbauer eine deutsche Handgranate, in der linke eine amerikanische. Heinrich Bernhard Scho ist froh, dass er in Untersiemau endlich Fertig ist.
In der rechten Hand hält Bürgermeister Rolf Rosenbauer eine deutsche Handgranate, in der linke eine amerikanische. Heinrich Bernhard Scho ist froh, dass er in Untersiemau endlich Fertig ist.
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Nicht nur Bürgermeister Rolf Rosenbauer (CSU) war die Erleichterung deutlich anzusehen. "Auf diesen Anblick habe ich jetzt zehn Tage sehnsüchtig gewartet", sagte Rosenbauer, als er auf der Eselsbrücke gestern Nachmittag die Suche nach Weltkriegsmunition in der Itz bei Meschenbach (Landkreis Coburg) für beendet erklärte. Zehn Tage waren Sprengmeister Heinrich Bernhard Scho und sein Team dort im Einsatz, rund eine halbe Tonne Munition, Sprengmittel und Waffen zogen sie dabei aus dem Fluss.

Heinrich Bernhard Scho musste erst einmal seinen Einsatz-Ordner aus dem Auto holen, ehe er mit der Statistik dieses Einsatzes beginnen konnte. Gefunden hat er mit seinen Kollegen der Firma HBS alles, was bei einem militärischen Einsatz verwendet wird: Patronen, Handgranaten (gleich 80 Stück), Panzerabwehrwaffen, Panzerminen (drei), Pistolen, Schrotflinten, Revolver. Sogar die Überreste einer Glasmine. "Davon wurden im Zweiten Weltkrieg nur 130 000 Exemplare hergestellt", erklärte Waffenexperte Scho zum Glasminenrest, den der Laie eher für ein XXL-Einweckglas halten würde.

Granaten, die auf die Nerven gingen

Und nicht zu vergessen bei dieser Aufzählung: die Phosphor-Nebeltöpfe. Diese Granaten aus amerikanischer Hersteller, 20 Stück ander Zahl, raubten den Autofahrern auf der Bundesstraße 4 in den vergangenen Wochen die Nerven, weil sie mehrfach sie Auslöser für Vollsperrung waren. Brannte nämlich so eine Granate ab, qualmte es ganz gewaltig. Um Unfälle zu vermeiden - nicht wegen etwaiger Umwelt- oder Gesundheitsgefährdung, wie Rolf Rosenbauer ausdrücklich betonte -, durfte dann kein Auto mehr an der Eselsbrücke vorbei fahren.

Der Bürgermeister nutzte den letzen offiziellen Arbeitstag bei der Kampfmittelräumung, um auf den enormen Aufwand der ehrenamtliche Kräfte im Hintergrund hinzuweisen. So leistete die BRK-Bereitschaft Itzgrund mit Bernd Müller und weiteren elf Aktiven über den Daumen gepeilt rund 300 Dienststunden. Stefan Malicke, Kommandant der Meschenbacher Feuerwehr, berichtete, dass in den vergangenen 14 Tagen rund 50 Feuerwehr-Aktive aus dem gesamten Gemeindegebiet an der Brücke zur Absicherung im Einsatz waren. Und offensichtlich war dieser Dienst dringend notwendig, wie der gleich mehrfach als "Blitzableiter" für genervte Radfahrer im Einsatz befindliche Malicke erzählte: So besuchte nicht nur Anfang dieser Woche ein Biber die abgesperrte Baustelle, sondern auch jede Menge (nächtliche) Neugierige und sogar ein übereifriger Wünschelrutengänger.

Heinrich Bernhard Scho war es wichtig, dem BRK und Feuerwehr für die Unterstützung zu danken. "Von der Verpflegung bis zu Zusammenarbeit zwischen den Organisation war hier alles vom Feinsten", sagte der Sprengmeister. Ein paar Kollegen von Scho werden auf jeden Fall heute noch an der Brücke im Einsatz sein. Gemeinsam mit Baggerfahrer Ingo Lamm werden sie das ausgebaggerte Erdreich und die großen Steine wieder in den Fluss einbauen. "Sie werden auch nachkontrollieren, damit wirklich alles sicher ist", sagte Scho. So lange wird die B 4 auch auf eine Fahrspur in beiden Richtung reduziert.

Nur wenig Aufklärung brachte die Munitionssuche in der Gerüchteküche, was denn da alles noch unter der Eselsbrücke liegen müsste. Vom legendären Brückenstein gab es überhaupt keine Spur, nur ein paar einzelne Sandsteinfragmente hat der Bürgermeister mit ins Rathaus genommen. Eines könnte sogar eine Inschrift haben - sie konnte aber noch nicht entziffert werden. Die inzwischen legendäre "Meschenbacher Panzerkette" wurde gleichfalls nicht gefunden. Ein Glied einer Kette, ja - das war es dann aber schon.

Gut 30 Meter ist der Suchbereich, der von Schos Firma HBS in insgesamt zehn Einsatztagen geräumt wurde. Ob sich insbesondere flussabwärts noch weitere Munition im Fluss befindet - darüber wollte der Sprengmeister nicht spekulieren. Funde in der Größenordnung von Meschenbach seien in Deutschland auf jeden Fall keine totale Ausnahme. "Gegen Ende des Krieges wurde viel Munition verklappt. Auch an Stellen, an denen man es nicht vermutet", sagte Scho. Eine Sache allerdings stimmte den Bürgermeister optimistisch: Die Munition unter der Brücke wurde tief "eingebacken" (Rosenbauer) im Schlick gefunden. Deshalb ging der Bürgermeister davon aus, dass nur wenige Teile der schweren Munition in den vergangenen sieben Jahrzehnten abgetrieben wurden. Zudem habe man in der jüngeren Vergangenheit ja nie etwas von angetriebener Munition auf den Itzwiesen unterhalb von Meschenbach gehört.

Die Feuerwehr passt auf

Damit allzu Neugierigen in den kommenden Tagen nicht gleich wieder die Itz unsicher machen, hat die Gemeinde Untersiemau noch einige Vorkehrungen getroffen. So bleibt die Eselsbrücke bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt, außerdem wird die Feuerwehr Meschenbach in unregelmäßigen Abständen Kontrollfahrten zur Brücke unternehmen.

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