Coburg

Mozart-Begeisterung wird in Coburg zur Musik

Eine interessante Programmauswahl verspricht das Konzert des Coburger Bachchors am Karfreitag in St. Moriz.
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Peter Stenglein bei der Probenarbeit mit dem Coburger Bachchor. Für das Karfreitagskonzert in St. Moriz studiert Coburgs Kirchenmusikdirektor das Miserere von E.T.A. Hoffmann und César Francks "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" ein.Foto: Archiv/Jochen Berger
Peter Stenglein bei der Probenarbeit mit dem Coburger Bachchor. Für das Karfreitagskonzert in St. Moriz studiert Coburgs Kirchenmusikdirektor das Miserere von E.T.A. Hoffmann und César Francks "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" ein.Foto: Archiv/Jochen Berger
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Mit dem Coburger Bachchor begibt sich Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein wieder auf Entdeckungsreise durch die Geschichte der Sakralmusik. Für das Konzert am Karfreitag in St. Moriz bereitet er das Miserere von E.T.A. Hoffmann und "Die Sieben Worte Jesu am Kreuz" von César Franck vor.

E.T.A. Hoffmanns "Miserere", 1809 in Bamberg entstanden, ist noch immer ein selten gespieltes Werk. Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden? Was war der Auslöser für die Wahl dieses Stückes?
Peter Stenglein: Tatsächlich kenne ich das "Miserere" bereits seit dem Studium. Wir beschäftigten uns im Dirigierunterricht damit. Über viele Jahre hatte ich es dann fast vergessen. Es kam mir wieder in den Sinn bei der Suche nach einem Karfreitagsprogramm, das jenseits der großen barocken Passionen beispielsweise von Bach oder Telemann liegt.
 
Hoffmanns großes Vorbild war Mozart, dessen zweiten Vornamen der malende Dichter-Komponist übernahm. Wie spiegelt sich diese Mozart-Begeisterung im "Miserere" wider?
Die Begeisterung Hoffmanns für Mozart lässt sich im "Miserere" nicht leugnen. Angefangen von der Orchesterbesetzung, die fast identisch ist mit derjenigen in Mozarts Requiem, über Melodik und bestimmte harmonische Wendungen: Mozart ist (fast) allgegenwärtig. Und dennoch: Hoffmann schreibt nicht einfach eine Kopie im Stile Mozarts. Es gelingt ihm, ein eigenständiges Kunstwerk zu Papier zu bringen, das wohl durch Mozart beeinflusst ist, aber nicht lediglich ein Plagiat darstellt.

Welche weiteren stilistischen Einflüsse sind aus Ihrer Sicht wichtig?
Allein durch die Auswahl des Textes gibt es große Vorbilder für Hoffmann: So haben Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Gregorio Allegri den Text des "Miserere" vertont. Zu Allegris doppelchöriges "Miserere" gibt es eine Legende, die wiederum zu Mozart führt: Angeblich hat Mozart im Alter von 14 Jahren das Stück nach nur einmaligem Anhören des Werks aus dem Gedächtnis fehlerfrei niederschreiben können. Hoffmanns Musik steht am Übergang zwischen Wiener Klassik und Frühromantik. Ein eher klassischer formaler Aufbau wird immer wieder mit Harmonien angereichert, die in die Romantik voraus weisen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Hoffmanns Musik bei der Probenarbeit gemacht? Wie hat sich Ihr Blick auf Hoffmanns Musik eventuell verändert?
Hoffmann schreibt in sehr unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: Das etwa 45-minütige Werk besteht aus zwölf meist eher kurzen Sätzen. Es gibt einige Teile, die leicht zu überblicken sind, es gibt aber auch zwei große Chorfugen, die es durchaus in sich haben. Hin und wieder schreibt er unerwartete und ungewöhnliche Wendungen, die sich nicht auf den ersten Blick ein prägen, die aber sehr reizvoll klingen. Eine Herausforderung ist es, sich schnell auf den Charakter des jeweiligen Satzes einzustellen.

César Francks "Sieben Worte Jesu am Kreuz" ist ein ebenfalls selten zu hörendes Werk. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, Franck und Hoffmann zu kombinieren?
Ich wollte gerne Gegensätze und Gemeinsamkeiten in dieses Konzert hineinbringen. Deutschland - Frankreich; Frühromantik - Hochromantik, evangelisch - katholisch, das sind einige der Gegensatzpaare. Gleichzeitig sind beide Stücke wunderbare Karfreitagsmusiken, beide werden in lateinischer Sprache gesungen, beide sind etwa gleich lang. Ich denke, dass uns mit diesem Programm eine sehr gute Annäherung an das unglaubliche Geschehen am Karfreitag gelingen kann: Der Bußpsalm, der vom eigenen ich hin zum Karfreitagsgeschehen auf Golgatha führt.

Was reizt Sie an Francks Passionsmusik?
César Franck ist in meinen Augen ein überragender Komponist von erstklassiger Orgelmusik. Auch seine Symphonie in d-Moll halte ich für ein sehr gelungenes Werk - auch wenn diese Symphonie sich nicht aufs erste hören erschließen mag. In seinen "Sieben Worten" schreibt Franck - ähnlich wie Hoffmann - relativ überschaubare Sätze, die aber sehr individuell gearbeitet sind. Die musikalische Erfindung reicht vom "ausharmonisierten gregorianischen Choral" bis hin zu opernartigen Chören. Es gibt Passagen von milder Harmonik und geradezu süßlichen Melodien, die man für den Karfreitag vielleicht nicht erwartet. Interessant finde ich, dass Franck den eigentlichen "Sieben Worten Jesu" betrachtende Texte gegenüberstellt und somit die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten vielfältiger gestalten kann.

Wo siedeln Sie das Werk stilistisch an?
Francks "Sieben Worte" sind ein Mittelding zwischen liturgischer Musik und Oratorium, musikalisch stehen sie zwischen schlichter Kirchenmusik und opernhafter Dramatik.



Musica Mauritiana




Konzert-Tipp Karfreitag, 30. März, 17 Uhr - E.T.A. Hoffmann "Miserere" b-Moll, Cesar Franck "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" - Coburger Bachchor, Vokalsolisten, Philharmonisches Orchester, Leitung: Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein

Kartenvorverkauf Tourist-Information Coburg, Herrngasse 4, Restkarten an der Tageskasse ab 16 Uhr

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