Coburg
Stadtentwicklung

Möglichst schnell ins Gebäude 9

Die ehemalige Schlachthof-Direktorenvilla hat neue Nutzer. Doch wie geht es mit dem Rest des früheren Coburger Schlachthofs weiter?
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Villa links ist schon nutzbar, aber wann und wie das ehemalige Kühlhaus ("Gebäude 9", links im Bild) für das Projekt Creapolis der Hochschule zur Verfügung steht, ist offen. Am 28. Juni soll der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht. Foto: Simone Bastian
Die Villa links ist schon nutzbar, aber wann und wie das ehemalige Kühlhaus ("Gebäude 9", links im Bild) für das Projekt Creapolis der Hochschule zur Verfügung steht, ist offen. Am 28. Juni soll der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht. Foto: Simone Bastian
+12 Bilder
Professorin Susanne Aileen Funke möchte gewiss nicht unbescheiden klingen, aber: "Hier haben wir nur wenig Platz." Ihr Blick geht durchs Fenster der ehemaligen Direktorenvilla am Schlachthof hinüber zum früheren Kühlhaus ("Gebäude 9") an der Itz, das möglichst bald ebenfalls für die Creapolis der Hochschule zur Verfügung stehen soll. Dort wäre Platz genug für den Makerspace, eine öffentlichen Werkstatt mit Maschinen und Werkzeug zum Basteln, Ideen finden, Prototypen herstellen. Funke ist die zuständige Professorin für die Creapolis, die mit 6,5 Millionen Euro vom Bund gefördert wird.

Vorderhand entsteht der Makerspace in der Villa, in den ehemaligen Wasch- und Umkleideräumen der Schlachthofmitarbeiter. Der 3-D-Drucker läuft schon, weitere Maschinen sind bestellt, wie Creapolis-Projektleiter Markus Neufeld sagt.

Wie schnell es mit der Creapolis im Schlachthof weitergehen kann, hängt vom Stadtrat ab. Die Wifög, die das Areal betreut, hat vorgeschlagen, die Konzepterstellung samt Baumaßnahmen auszuschreiben. Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn verspricht sich davon einen Zeitgewinn. "Wenn die Stadt plant und baut, sind wir frühestens 2020 fertig, und 2022 läuft die Förderung für Creapolis aus."

Ausgeschrieben werden soll ein Konzept für den Bereich, auf dem noch ehemalige Schlachthofgebäude stehen. Die sind zum Teil denkmalgeschützt, wie eben die Villa. Die Entscheidung, ob Konzeption und Umgestaltung des früheren Schlachthofs ausgeschrieben werden, soll in der Stadtratssitzung am 28. Juni fallen.

Ersten groben Schätzungen zufolge dürfte allein die Umgestaltung von Gebäude 9 fünf Millionen Euro kosten, sagt Horn.

Der Rest des Güterbahnhofsgeländes muss ebenfalls neu überplant werden. Der vorhandene Rahmenplan ging davon aus, dass das Gebiet von Süden her entwickelt würde: Die Firma Ros feiert im Juli offiziell Eröffnung, ein Parkhaus für Brose-Mitarbeiter ist in Planung. Dann sollte es Zug um Zug in Richtung Norden weitergehen, vorbei an der alten Pakethalle bis zum Schlachthof.

Doch das Hochschulprojekt Creapolis im Schlachthof im Norden und die Entscheidung, im Süden des Güterbahnhofareals einen Kulturtempel, das "Globe" zu errichten, machen diesen Rahmenplan hinfällig. Unter anderem deshalb hat auch die Coburg Globe GmbH, getragen von den Unternehmen Brose, HUK-Coburg und Kaeser, angekündigt, einen Entwurf für die Gestaltung des Güterbahnhofareals vorzulegen.

Auch das Coburger Designforum Oberfranken und das Stadtumbau-Management haben Ideen erarbeitet, die bei den Designtagen ausgestellt waren. Die Stadtumbau-Manager Stephanie Pettrich und Torsten Zink sollen weitere Anregungen und Vorschläge sammeln, "damit auch die Bürger das als ihr Gelände begreifen", wie Torsten Zink sagt.

Das Stadtumbau-Management ist einer der drei Mieter in der ehemaligen Villa, neben der Hochschule und dem Digitalen Gründerzentrum Zukunft.Coburg.Digital. Letzteres wird im Obergeschoss einen Co-Working-Space einrichten, und jeden Mittwoch wird das Stadtumbau-Management einen der Schreibtische belegen.

Fest vergebene Büros oder Arbeitsplätze gibt es in dem Co-Working-Space nicht. Dafür können die Mieter aber auch die Küche und die Besprechungszimmer nutzen. Zehn Arbeitsplätze sollen entstehen, sagen Eric Rösner und Domenique Dölz von Zukunft.Coburg.Digital. Für diese Plätze gibt es weit mehr Interessenten, aber bislang keine Mietverträge. Noch sind ja nicht einmal die Möbel für das Obergeschoss vorhanden.

Alexander Gleußner von der Wifög, der am Donnerstag das Gebäude an die künftigen Mieter übergab, sprach denn auch vom "Charme des Unfertigen". Immerhin ähnelt die alte Villa jetzt wieder ihrem ursprünglichen Zustand: Soweit vorhanden, wurden die alten Holzböden wieder freigelegt. Neu ist dagegen die Elektroinstallation. Sie machte allein die Hälfte der rund 120 000 Euro Umbaukosten aus, wie Gleußner berichtete. "Unsere Mieter brauchen den Glasfaseranschluss dringender als fließend Wasser und Heizung".

Und der Umbau ging schnell vonstatten: Mitte Januar begannen die Planungen, im März die Arbeiten. Mit Johannes Wenzel und Simon Huffer wurden zwei junge engagierte Architekten gewonnen, wobei Wenzel einen Teil seines Studiums in Coburg absolviert hat.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren