Weidhausen bei Coburg

Möbel aus dem Landkreis Coburg: Nachhaltigkeit hat ihren Preis

Polstermöbel von "F+S" sind laut Zertifikat frei von Emissionen . Kann dies ein Erfolgsrezept für einen Hersteller im Hochlohnland Deutschland sein?
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Echte Handarbeit: Bei der Firma "F+S"  achten Helmut Zethner (links) und Geschäftsführer  Torsten  Nagat  auf Qualität bei der Arbeit  - aber auch darauf, dass  von den  Polstermöbeln   keinerlei schädliche Stoffe  in die Raumluft gelangen.Foto:_ Berthold Köhler
Echte Handarbeit: Bei der Firma "F+S" achten Helmut Zethner (links) und Geschäftsführer Torsten Nagat auf Qualität bei der Arbeit - aber auch darauf, dass von den Polstermöbeln keinerlei schädliche Stoffe in die Raumluft gelangen.Foto:_ Berthold Köhler

Die große Herausforderung, die den Betrieb komplett auf den Kopf gestellt hat, war das Emissionslabel der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) für "Fischer + Schreiner" nicht. Das liegt am "Goldenen M" - einem sowieso schon anspruchsvollen Gütesiegel, was Qualität, Sicherheit und Gesundheit/Umweltschutz angeht. Sich über das bekannte "Goldene M" hinaus für das Emissionslabel zertifizieren zu lassen, war für Geschäftsführer Torsten Nagat nur ein logischer Schritt nach vorne: "Nachhaltigkeit haben wir eh schon länger auf dem Schirm."

Nachfrage nach dem Emissionslabel

Ob es der gesamten Polstermöbelbranche so geht, da ist sich Nagat dagegen nicht so sicher. Immerhin: Eine Nachfrage, ob "F+S" das Emissionslabel hat, kam bei Torsten Nagat schon mal an. Sie stammte aus einem Möbelhaus. Ob der Vorstoß dort von einem Endverbraucher ausgelöst wurde, weiß der "F+S"-Geschäftsführer nicht. Aber es würde ihn nicht wundern: "Im gesamten Möbelmarkt ist Nachhaltigkeit noch nicht das große Thema." Wobei Torsten Nagat das "noch" bewusst betont.

Verstärkt umweltbewusst produzieren

Seit die Sache mit dem Emissionslabel angefangen hat, macht sich Torsten Nagat verstärkt Gedanken, wie das Unternehmen seine Polstermöbel umweltbewusster produzieren kann. Dass das alles nur Sinn macht, wenn die Polstermöbel dann auch über einen höheren Preis verkauft werden können, ist klar.

Da kommt dann der Handel ins Spiel. Weil von dort bislang nur selten Wünsche nach nachhaltig produzierten Möbelstücken kommen, wundert sich der 35-Jährige schon ein bisschen. Er kann es sich jedenfalls nicht vorstellen, dass Endkunden in der heutigen, umweltbewussten Zeit der ökologische Aspekt völlig egal ist.

Solaranlage auf dem Dach

Nichtsdestotrotz denkt man bei "F+S" schon wieder weiter. Sich als Unternehmen mit klimaneutraler Produktion zertifizieren zu lassen, ist das, was man in Weidhausen derzeit durchspielt. Beim internen Betriebsablauf sieht Torsten Nagat gar nicht mal das große Problem: Auf dem Dach läuft seit Jahren eine Solaranlage, die Beleuchtung wurde schon lange auf LED-Technik umgestellt, auf grünen Strom wechseln ginge auch.

Doch zu anerkannt klimaneutralen Produkten gehört die gesamte Wertschöpfungskette, also auch die Auslieferung der Möbel per Spedition und Lkw. Und da verhagelt der Dieselverbrauch halt gewaltig die CO2-Bilanz.

Der Preis kann nicht alles sein

Nichtsdestotrotz: Mit klimaneutralen Produkten könne sich ein deutscher Hersteller schon deutlich von der Billigkonkurrenz aus dem (europäischen) Osten abheben, glaubt der "F+S"-Geschäftsführer. Aber das gehe halt nur, wenn auch der Handel mitspiele.

Den ökologischen Aspekt bei der Möbelherstellung in den Vordergrund zu stellen, wäre für die heimischen Unternehmen mit langer Erfahrung und gut ausgebildeten Mitarbeitern kein Problem, versichert Nagat: "Wir als Hersteller können alles machen - wenn man es uns bezahlt." Denn so schön Gütesiegel, Emissionslabels und "Blaue Engel" auch sind - rechnen müssen sie sich für die Betriebe immer noch.

Nicht gerüttelt wird im Weidhäuser Familienunternehmen an der Philosophie, so weit irgendwie möglich auf regionale Lieferanten zu setzen. Da sehe er sich ein Stück weit auch in sozialer Verantwortung sagt Torsten Nagat und schätzt, dass der Radius, in dem sich seine Zulieferer befinden, bei gerade mal 50 Kilometern liegt. Mit zwei Ausnahmen: Stoffe und Metallbeschläge. Da ist der Markt in Deutschland seit Jahren quasi nicht mehr existent.

Nicht nur über den Preis definieren

Für die Zukunft wünscht sich der Geschäftsführer vom Endkunden, dass dieser seinen Möbelkauf nicht bloß über den Preis definiert. "Einfach den Berater fragen, ob er nicht was aus der Region hat", rät Nagat den Kunden. Dann komme man fast automatisch bei langlebigen und nachhaltig produzierten Möbeln raus. Und nicht bei der Angebotsgarnitur von irgendwo.

Den Verbraucherschutz-Vorschriften sei Dank, müssen Möbelkäufer inzwischen im Gegensatz zu früher nachvollziehen können, wo ihre Sofas und Einrichtungsgegenstände herkommen. "Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, als Firma auf einem Etikett erkenntlich zu sein", erklärt Torsten Nagat. Das liegt an der neuen Gesetzeslage, nach der es für Käufer bei Beschwerden und Reklamationen möglich sein muss, sich direkt an den Hersteller zu wenden.

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