Rödental
Einweihung

Mitten in der Stadt Rödental zu Hause

Die neu errichtete Pfarrer-Fritz-Anke-Kindertagesstätte knüpft im Zentrum von Oeslau an ihre 110 Jahre währende Tradition an.
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Lotte (5) nahm den symbolischen Schlüssel für die neue Kita entgegen (von links): Architekt Roland Schultheiß, Bürgermeister Marco Steiner und die Leiterin der Einrichtung, Heidi Ludwig.Rainer Lutz
Lotte (5) nahm den symbolischen Schlüssel für die neue Kita entgegen (von links): Architekt Roland Schultheiß, Bürgermeister Marco Steiner und die Leiterin der Einrichtung, Heidi Ludwig.Rainer Lutz
Die fünfjährige Lotte war es, die am Freitag den symbolischen Schlüssel für die neue Pfarrer-Fritz-Anke-Kindertagesstätte entgegennahm. Architekt Roland Schultheiß überreichte ihr das kleine Kunstwerk zur Einweihung. Lotte und alle anderen Kinder haben sich schon längst dort eingelebt, als die Erwachsenen die Fertigstellung der Einrichtung feiern. Dass sie, und nicht etwa die Leiterin der Kita, Heidi Ludwig, den Schlüssel bekam, sollte unterstreichen, für wen Planer und Arbeiter in den vergangenen Monaten gerackert haben: die Kinder.
Bürgermeister Marco Steiner (FW) war es wichtig, zu betonen, dass nur das Gebäude neu ist, nicht der Kindergarten. Den gibt es schon seit 110 Jahren. Er wurde seinerzeit als Stiftung des Annawerks ganz in der Nähe der Fabrik gebaut. Dass zu Kaisers Zeiten manches schon ganz ähnlich war wie heute, fand Diakon Günther Neidhardt heraus. Er hatte, wie Steiner, in alten Aufzeichnungen geblättert. Die erste Leiterin, Fräulein Bockelberg, notierte 1908, im Kindergarten werde Sticken, Stricken, Bauen und Falten vermittelt und zwar so oft wie möglich im Garten. Dagegen freut sich die Kindergartenleitung 1918, dass es durch eine Spende möglich wurde, "für alle Buben Helm und Gewehr anzuschaffen."


Wechselnde Träger

Der Kindergarten wurde zunächst als Stiftung getragen. 1942 wurde er von der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt übernommen, ging nach dem Krieg an das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und wurde Eigentum des Landes Bayern. Wenig später gründete Pfarrer Fritz Anke einen Kindergartenverein, der schon bald den Kindergarten übernehmen konnte. Heute ist die evangelische Kirchengemeinde Träger der Einrichtung. Baulastträger ist die Stadt Rödental.
Der Stadtrat musste daher entscheiden, was mit dem alten Fritz-Anke-Kindergarten geschehen sollte. "Ein Neubau am alten Standort wäre nicht möglich gewesen", stellte Marco Steiner fest. Denn es gab keine Ausweichmöglichkeit für den Betrieb während der Bauarbeiten. Gebraucht wurde die Kita aber. Nicht nur das, sie musste sogar wachsen, von zwei auf drei Gruppen plus Krippe. Also wurde nach einem neuen Grundstück gesucht, das nahe der Mittelschule gefunden wurde. Ein Ort, der Pfarrer Jörg Mahler an das Jesus-Zitat "Lasset die Kinder zu mir kommen" erinnerte. Denn: "Wir schieben die Kinder nicht ab, sie sind mitten in der Stadt", betonte er bei der Einweihung, die er zusammen mit seinem katholischen Kollegen Peter Fischer vornahm.


Klare Konzeption

Das Konzept, das Architekt Roland Schultheiß bei seiner Planung verfolgte, konnten sich die Gäste bei einem Rundgang anschauen. "Ich wollte helle Räume, von denen aus immer der Blick ins Grüne möglich ist", erklärte er. Das wurde möglich durch einen überdachten Bereich vor den Fenstern. So kann selbst bei Sonneneinstrahlung darauf verzichtet werden, die Fenster zu verdecken. Im Freien gibt es zudem so immer einen Bereich, der Schatten oder Regenschutz bietet, damit die Kinder jederzeit nach draußen können. Kindergarten und Krippe sind im Inneren getrennt - draußen ergibt sich dafür wieder Raum für Begegnung. Ehe er seine Pläne umsetzen konnte, musste aber die Finanzierung geklärt werden. Dazu gab es ein ersten Gespräch bei der Regierung von Oberfranken im November 2016, wie Marco Steiner berichtet. "Es sollte nur ein Vorgespräch sein, war aber gleich so konstruktiv, dass es nie eines weiteren Gespräches bedurfte", schildert er die gute Zusammenarbeit mit der Regierung.
Dass die Fördermittel in Höhe von 1,44 Millionen Euro dann nicht von der Regierung von Oberfranken kamen, sondern vom Freistaat Bayern, stellten die beiden Landtagsabgeordneten Jürgen W. Heike (CSU) und Susann Biedefeld (SPD) unisono fest. Bei beachtlichen Baukosten von rund 1,75 Millionen Euro blieb der Anteil der Stadt auf etwas mehr als 300 000 Euro begrenzt. Das änderte sich auch nicht wesentlich während der Bauzeit.
Das ehemalige Gebäude des Kindergartens ist inzwischen an die evangelische Kirchengemeinde zurückgegangen, wie Rainer Mattern seitens des Dekanats bestätigte.
Landrat Michael Busch (SPD) betonte, dass der Landkreis Coburg in Bayern bei der Beschäftigungsquote von Frauen Spitze ist. Das sei nicht zuletzt dadurch möglich, dass der Kreis auch bei der Kinderbetreuung spitze sei.
Die Probleme der Erwachsenen interessierten die Kinder wenig. Sie sind begeistert von den toll ausgestatteten Räumen und warten voll Vorfreude darauf, dass auch die Spielgeräte draußen aufgebaut werden.


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