Mittelwasungen am Berg

Mittelwasungerin bei Wirtschaftsminister Altmaier zu Gast

Weil ihm sein Porträt von Yvonne Engel so gut gefallen hat, lud Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Mittelwasungerin zu sich auf einen Kaffee ein.
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Yvonne Engel mit Wirtschaftsminister Peter altmaier in dessen Büro. Foto: Matthias Engel
Yvonne Engel mit Wirtschaftsminister Peter altmaier in dessen Büro. Foto: Matthias Engel
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8. November, kurz vor 14 Uhr, Innenhof des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Yvonne und Matthias Engel aus Mittelwasungen stellen ihr Auto neben jenes von Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Im Auto liegen ein Porträt von Angela Merkel, eines von Konrad Adenauer und ein Gemälde zum Mauerfall vor 30 Jahren, die Yvonne Engel gemalt hat. Außer dem Ehepaar ist der großzügige Innenhof des 1748 eingeweihten ehemaligen Invalidenhofs menschenleer. Wie kamen sie dahin?

Sie sind beeindruckt und nervös. In wenigen Minuten werden sie den Minister treffen. Engel ist Kunstlehrerin am Arnold-Gymnasium in Neustadt. "Ich male in der Schule mit den Kindern, ich male zu Hause", sagt sie. Dass sie nach Berlin eingeladen wurde, bezeichnet sie als Ehre. Möglich gemacht hat das ihre Kunst.

Ein besonderes Geschenk

Denn als Peter Altmaier im Zuge der Diskussion um eine weitere Stromtrasse durch den Landkreis in Neustadt war, hatten sich der damalige Landrat Michael Busch (SPD) und sie ein besonderes Geschenk für den Minister überlegt. Denn auch wenn Engel ganz und gar nicht gegen die Energiewende ist, möchte sie nicht, dass sie die Menschen belastet.

Sie selbst und ihre Familie trifft diese Wende persönlich. Aus dem Haus, das sie buchstäblich mit ihren eigenen Händen gebaut haben, müssen sie möglicherweise aus gesundheitlichen Gründen ausziehen. Die Lehrerin lässt diesen Aspekt aber beiseite. Immer wieder kehrt sie zur Kunst zurück und betont, dass ihr Zugang zur Energiepolitik vor Ort keine generelle Ablehnung der Notwendigkeiten sei.

Als Präsent malte sie also ein Porträt von Altmaier, das ihm während seines Besuchs im Landratsamt Coburg überreicht wurde. Für Engel bedeutet ihre Kunst, einen anderen Zugang zu Themen zu finden als den politischen, oft allzu eindeutigen. Mehr noch: "Das Kunstprojekt ist etwas, um von zu Hause abzulenken. Das ist etwas, was einem guttut."

Erster Eindruck mit Folgen

Wie die Künstlerin später erfuhr, soll der Minister gesagt haben, das wäre das schönste Bild, das er je bekommen hätte. Ein Eindruck, dem Altmaier bald Taten folgen ließ. Yvonne Engel hat die E-Mails aus dem Wirtschaftsministerium, mit denen das Treffen sich anbahnte, auf ihrem Handy gespeichert. Am Tag vor Christi Himmelfahrt dann der Anruf. Trotz des Sturzes von Altmaier eine Woche zuvor, wollte er den Termin mit dem fränkischen Ehepaar wahrnehmen.

Für den Minister war es kein Pflichttermin. Das merkte das Ehepaar schnell. Im Vorzimmer waren sie noch nervös, machten sich Gedanken. Doch die verflogen nach der Begrüßung. "Wir waren angenehm überrascht", sagt Engel. Schnell sei es so gewesen, als ob man sich schon ewig kennen würde, sagt Engel.

Dort übergab sie ihm dann auch das Bild vom Jubiläum des Mauerfalls. Altmaier habe sich wirklich für das Bild interessiert, schaute auch im Gespräch immer wieder rüber und hob das Rot in der Bildmitte, in den Umrissen der Bundesrepublik hervor. "Das wird einen Ehrenplatz im Ministerium kriegen", habe der Minister gesagt.

"Er hat ein sehr gutes Kunstverständnis", meint die Kunstlehrerin. Unterhalten wurde sich aber nicht nur über Kunst. Altmaier fragte nach der persönlichen Geschichte, die im Falle Engels auch eine Grenzgeschichte ist. Auch deswegen ist ihr das Porträt des vereinten Deutschlands wichtig. Da ist er wieder, ihr persönlicher Zugang, dem sie mit ihrer Kunst Ausdruck verleiht und damit auch für den Betrachter zugänglich macht. Ganz ähnliches hat sie auch mit ihrem nächsten Projekt vor.

Mit ihren Schülern will sie, wenn alles klappt, die Energiewende zum Thema machen. "Energiewende abstrakt" nennt sie die Reihe an zehn Bildern. Dabei will sie mit ihren Schülern auf von recycelten Solarrahmen eingefassten Furnierhölzern einen künstlerischen Zugang zur aktuellen Diskussion schaffen.

Ob diese Bilder es ins Wirtschaftsministerium schaffen, wie die Lehrerin hofft, ist noch offen. Der Minister verwies auf die in einem solchen Fall notwendige Ausschreibung. Allerdings wolle er den Kontakt zu Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble herstellen. Vielleicht, so die Hoffnung von Yvonne Engel, würden die Bilder im Reichstag ausgestellt werden.

Was aus einem schönen Porträt und einer Stunde Kaffee mit dem Minister alles folgen kann.

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