Coburg
Handball

Mit vollem Herzen für den HSC 2000 Coburg

Geschäftsführer Michael Häfner und Trainer Jan Gorr basteln an der Zukunft des HSC Coburg. Im Interview geben sie Einblicke ins "knallharte" Profigeschäft.
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an Gorr (rechts) und Michael Häfner arbeiten nach eigenen Worten mit "vollem Herzen" für den HSC 2000 Coburg.Hagen Lehmann
an Gorr (rechts) und Michael Häfner arbeiten nach eigenen Worten mit "vollem Herzen" für den HSC 2000 Coburg.Hagen Lehmann
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Die Profis des HSC 2000 Coburg stehen seit Donnerstag wieder im Saft. Während die deutsche Handball- Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft um eine Medaille kämpft, bereiten sich die Coburger auf die am 1. Februar mit einem Heimspiel gegen den EHV Aue beginnende Rückrunde in der 2. Bundesliga vor. Aber auch hinter den Kulissen des HSC wird derzeit fleißig geschwitzt, denn personell müssen die Weichen gestellt werden.

Dabei müssen Geschäftsführer Michael Häfner und der in Personalunion tätige Trainer und Sportliche Leiter Jan Gorr vorerst noch zweigleisig planen, denn trotz der hervorragenden Ausgangsposition kann niemand dem derzeit souverän die Liga anführenden Spitzenreiter den heiß ersehnten Aufstieg ins Oberhaus garantieren.

In den verbleibenden drei Wochen bis zum Re-Start stehen nicht nur schweißtreibende Trainingseinheiten auf dem Programm, sondern auch zwei interessante Testspiele gegen die Erstligisten aus Ludwigshafen (Samstag, 18. Januar in der HUK-Arena) und beim SC DHfK Leipzig (Freitag, 24. Januar). Wir haben uns mit den beiden Machern der "Gelb-Schwarzen" unterhalten.

Herr Häfner, der Vertrag von Trainer Jan Gorr gilt noch für die laufende und für die nächste Spielzeit. Haben Sie über eine Verlängerung der dann siebenjährigen Zusammenarbeit nachgedacht?

Michael Häfner: Klar habe ich nachgedacht, wir hatten letztes Jahr erste lose Gespräche über die weiteren Zukunftspläne. Hier haben wir über die Position und Rolle von Jan geredet, seine Ideen, seine Ziele, aber auch über den HSC und seine Zukunftspläne und was wir in den nächsten drei bis fünf Jahren erreichen wollen. Konkreter sind wir in diesen Gesprächen aber noch nicht geworden. Ich denke gerade die Kontinuität auf dieser Position mit ihm in den letzten Jahren hat dem Verein sehr gut getan. Seit 2015 gehören wir zu den besten 22 Vereinen in Handballdeutschland an. Eine Leistung und Entwicklung die sehr viel mit ihm und seiner tollen Arbeit zu tun hat. Aber nicht nur das, sondern auch an der Gesamtentwicklung vom HSC Coburg hat er großen Anteil. Aus dieser Sichtweise heraus ist es mehr als legitim das wir eine weitere Zusammenarbeit mit ihm anstreben. Wir haben noch einige Ziele vor uns die wir hoffentlich gemeinsam erreichen werden.

Herr Gorr, nach so einer langen Amtszeit wäre ein Trainerwechsel nichts Außergewöhnliches. Derzeit läuft es in der 2. Liga optimal, von Abnutzungserscheinungen also nichts zu spüren. Sind Sie bereit für eine neuen Vertrag?

Jan Gorr: Wenn einem der Beruf Freude bereitet ist man selbst doch am meisten daran interessiert, die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen um dadurch besser zu werden. Abnutzungserscheinungen sind dann doch meistens nur eine Alibierklärung für gewünschte Personalentscheidungen.

Was das Thema Zukunft anbetrifft halte ich es mit Michael: wir haben in den letzten Jahren gemeinsam den HSC für die vorliegenden Bedingungen auf sportlich sehr hohem Level stabilisiert. Und mir macht es nach wie vor extrem viel Spaß, meinen Teil dazu beizutragen.

Inwieweit hängt Ihre Entscheidung, den Vertrag noch einmal zu verlängern, vom möglichen Aufstieg in die 1. Bundesliga ab?

Jan Gorr: Die 1. Liga ist toll und da will ich gerne wieder hin. Aber das ist bei weitem nicht das einzige Kriterium, das ich für meine Wahl für einen Arbeitsplatz heranziehe. Ich möchte gerne mit ehrgeizigen und verlässlichen Menschen zusammenarbeiten. Und ich muss für mich die Gewissheit haben, dass es gelingt, aus den vorhandenen Möglichkeiten Maximales herauszukitzeln. Und um wirklich die Voraussetzungen für einen Erstligastandort in Coburg zu schaffen haben wir noch einiges zu tun.

Wie gefällt Ihnen die Stadt Stuttgart? Erstligist TV Bittenfeld sucht für die nächste Saison einen neuen Trainer und soll Interesse an Ihnen haben. Ist da etwas dran?

Jan Gorr: Stuttgart ist eine schöne Stadt. Ich persönlich mag zum Beispiel auch München, Frankfurt oder Berlin sehr gern. Aber im Ernst: welcher Verein momentan Trainer suchen könnte, interessiert mich nicht. Ich bin mit vollem Herzen bei meiner Aufgabe hier in Coburg. Und meine Mannschaft und ich haben aktuell nur die Vorbereitung auf unsere Rückserie im Sinn.

Herr Häfner, Sie waren zwei Tage vor Weihnachten beim Spiel des HC Erlangen gegen Berlin. Welchen Spieler haben Sie denn etwas genauer unter die Lupe genommen?

Michael Häfner: Das stimmt, der Zeitplan hat es einmal zugelassen und ich konnte mir ein sehr spannendes und interessantes Handballbundesligaspiel anschauen was der HCE am Ende völlig verdient gewonnen hat. Ich bin aber aus rein persönlichen Interessen dort hingefahren. Klar ist auch das in beiden Mannschaften sehr gute Spieler sind denen man gerne zuschaut und die natürlich auch Coburg gut zu Gesicht stehen würden, wie Drux oder Wiede. Ich glaube aber nicht das diese nach Coburg wechseln wollen (schmunzelt).

Oder gab es Gespräche mit Adalsteinn Eyjolfsson? Der Erlanger Coach wird nach der Runde frei und wollte ursprünglich zurück in sein Heimatland. Doch jetzt soll der HSC Coburg um den Isländer buhlen! Stimmt das?

Michael Häfner: Ich weiß wer Adalsteinn Eyjolfsson ist, habe bisher aber noch nie ein Wort mit ihm gewechselt. Von daher kann ich die Gerüchte nicht bestätigen.

Mit Max Jaeger, Marcel Timm und Lukas Wucherpfennig verlassen drei wertvolle Spieler den Klub. Bleiben alle anderen Leistungsträger dem HSC treu oder müssen die Fans mit weiteren Abgängen rechnen?

Michael Häfner: Ab- und Zugänge werden in einem Sportverein immer an der Tagesordnung sein. Unsere Aufgabe ist es die Spieler mit denen wir weiterarbeiten wollen frühzeitig davon zu überzeugen hier in Coburg zu bleiben. Bei Marcel und Max hat das leider nicht geklappt da diese sehr gute Angebote von Erstligisten vorliegen hatten. Auf der einen Seite sehr schade, zeigt aber auch dass wir eine gute Adresse für junge Typen sind sich hier in Coburg zu entwickeln um dann ihren nächsten sportlichen und persönlichen Schritt zu gehen. Und der ist für beide in der stärksten Liga der Welt zu spielen und somit verständlich und nachvollziehbar dass beide sich dann nicht gegen Coburg sondern für Erlangen bzw. Lemgo entschieden.

Mit den Spielern deren Verträge zum Saisonende auslaufen sind wir in Gesprächen und loten gerade die Positionen aus.

Auf welchen Positionen erhoffen Sie sich Verstärkungen für die neue Serie? Schließlich werden die Anforderungen, vor allem wenn der Aufstieg gelingt, an Ihr Team noch einmal deutlich höher?

Jan Gorr: Grundsätzlich müssen wir uns als Team natürlich noch bedeutend weiterentwickeln. Ansonsten sind wir aktuell noch auf der Suche nach einem Links- und einem Rechtsaußen. Hier haben wir ja zur neuen Saison Abgänge zu verzeichnen. Auf der Kreisposition haben wir mit Justin Kurch bereits einen sehr talentierten Mann verpflichten können und ich bin sicher, dass uns das auch auf den genannten Positionen gelingt.

Ein Torsteher der Extraklasse ist die halbe Miete. Gibt es Bemühungen, einen solchen Hüter in die Vestestadt zu locken, der dann gemeinsam mit Jan Kulhanek für Furore in der HUK-Arena sorgt?

Jan Gorr: Ich bin der Meinung, dass wir im Augenblick mit unseren drei Torhütern Jan, Konstantin und dem jungen Fabian Apfel ein sehr gutes Torhüterteam haben. Natürlich wird es auch hier wichtig sein, nicht stehen zu bleiben. Denn nirgendwo mehr als im Leistungssport gilt der Grundsatz: "Stagnation bedeutet Rückschritt".

Der Hauptsponsor, die HUK Coburg, hat vor Weihnachten den Sponsorenvertrag verlängert und dem HSC damit Planungssicherheit gegeben. Außerdem soll es Philipp Rebhan (Leiter für Marketing und Vertrieb/Anm. d. Red.) in seinem ersten Amtsjahr gelungen sein, zusätzliche Partnerschaften mit finanzstarken Gönnern zu schließen. Steht dem HSC erstmals wieder ein höherer Etat als im Vorjahr zur Verfügung?

Michael Häfner: Es stimmt, dass durch die Verlängerung mit unserem Hauptsponsor der Verein in gewissem Maße Planungssicherheit hat. Aber wir brauchen keine "Luftschlösser" bauen. Vertrieb und Sponsoring ist ein knallhartes Geschäft. Wir müssen noch viel Vorarbeit leisten und in der Region das Verständnis wecken, dass wir uns hier im absoluten Leistungssport bewegen.

Feiert der HSC 2020 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den Erstliga-Aufstieg?

Jan Gorr: Das wäre herausragend. Natürlich wollen das die anderen Teams aber auch. Von daher machen wir nun als erstes eine gute Vorbereitung und dann werden wir Stück für Stück und in jedem Spiel aufs Neue für unseren Traum kämpfen. Michael Häfner: Sicherlich träumt der ein oder andere davon das wir dieses Jahr zum zweiten Mal in die stärkste Liga der Welt aufsteigen. Bis dahin ist es noch ein harter und steiniger Weg. Die Rückrunde letztes Jahr sollte uns noch gut in Erinnerung (13 Minuspunkte und gerade auswärts die Mannschaft häufig unter ihren Möglichkeiten geblieben ist) sein, denn die Ausgangsituation ist in diesem Jahr ähnlich (letztes Jahr 3 Punkte, dieses Jahr 4 Punkte Vorsprung auf Platz 3). Das bedeutet dass wir uns auf das bisher erreichte keinesfalls ausruhen dürfen sondern das Team in der Vorbereitungsphase im Januar die Grundlagen für die Rückrunde legen muss. Die Jungs müssen heiß sein und darauf absolut brennen dass die Rückrunde am 01. Februar wieder losgeht, wir in einer guten Ausgangsposition sind und diese nicht nur verteidigen sondern ausbauen wollen. Wir haben nach dem Heimspiel gegen Aue in Gummersbach und Nettelstedt-Lübbecke zwei Hammerauswärtsspiele in denen wir aber auch die Chance haben mit unserer vor dem Jahreswechsel gezeigten Leistung in Essen und Emsdetten dort zählbares mitzunehmen. Nach diesen drei Spielen werden wir eine grobe Orientierung bekommen wie sich die Situation in der Tabelle darstellt, wobei die Saison dann noch 13 Spieltage und vieles noch möglich ist. Aber vllt. ist es zum 20 jährigen Bestehen des HSC so dass wir im Juni auf dem Rathausbalkon stehen. Dann hätten wir doppelten Grund zu feiern.

Gerücht

Eyjolfsson: "Es gab keine Gespräche mit dem HSC"

Die Gerüchteküche brodelt. Der HSC Coburg soll Interesse an Adalsteinn Eyjolfsson haben. Der Trainer des Erstligisten HC Erlangen beendet am Ende der laufenden Saison sein Engagement in der Universitätsstadt und ist für eine neue Herausforderung bereit.

"Ich habe mich noch nicht entschieden, doch momentan geht die Tendenz Richtung Heimat", erklärte der Isländer. Kontakt oder gar eine Offerte aus der Vestestadt hätte es bisher noch nicht gegeben. Außerdem habe der HSC Coburg doch mit Jan Gorr einen Trainer, der noch einen Vertrag bis 2021 hat.

Ausschließen will der dreifache Familienvater ein weiteres Traineramt in Deutschland aber keineswegs. Doch das seit Kurzem in Coburg kursierende Gerücht, dass er mit Verantwortlichen der "Gelb-Schwarzen" über eine künftige Zusammenarbeit bereits verhandelt hätte, verweist der 42-Jährige ins Reich der Fabel.

Sein Klub, der HC Erlangen, hat für die nächste Saison den 24-jährigen schwedischen EM-Teilnehmer Simon Jeppsson von der SG Flensburg Handewitt verpflichtet. Der 2,03 Meter große Rückraumspieler wurde in den vergangenen zwei Jahren jeweils deutscher Meister mit Flensburg und spielte drei Jahre lang in der EHF Champions League.

Lichtlein geht nach Minden

Torwart Carsten Lichtlein verlässt den HC Erlangen im Sommer. Der 39-jährige Bundesliga-Rekordspieler schließt sich dann der GWD Minden an. Bei den Ostwestfalen hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben.ct

Jan Gorr als EM-Experte Der Cheftrainer des HSC 2000 Coburg, Jan Gorr, wird für den TV-Sender Eurosport als Co-Kommentator bei ausgewählten Spielen der Handball-Europameisterschaft fungieren. Am Sonntag ist der Coburger Coach zusammen mit Moderator Uwe Semrau bei der Partie des Gastgebers Norwegen gegen Frankreich am Start. "Ich freue mich über die Anfrage, es ist für mich eine tolle Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen der TV-Arbeit zu blicken. Ich hoffe, dass die Zuschauer tolle Spiele sehen und Uwe und ich einen Teil zur Unterhaltung beitragen", sagt Gorr.

"Für uns als Verein ist das eine super Sache, das zeigt, welchen Stellenwert die Arbeit von Jan bei uns in Handball-Deutschland hat", erklärt Vorstandssprecher Stefan Apfel. Gorr war Co-Trainer der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Martin Heuberger.

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