Coburg
Sanierung

Mit "Spüli" an der Kirchendecke von St. Moriz

In der Morizkirche werden derzeit die Decken und Wände gesäubert und die Elektroanlage erneuert. Gute Aussichten gibt es auch für das Epitaph. Den Altarraum soll Werner Mally neu gestalten.
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Jörg Czura reinigt die Decke und den Stuck mit Schwamm, Wasser und Spülmittel. Fotos: Helke Renner
Jörg Czura reinigt die Decke und den Stuck mit Schwamm, Wasser und Spülmittel. Fotos: Helke Renner
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Sibylle Fugmann gerät ins Schwärmen, wenn sie über das Epitaph spricht. "Bis oben ist dort jede Einzelheit ausgearbeitet", sagt sie. Die Architektin vom Coburger Hochbauamt ist Bauleiterin für die Sanierung der St-Moriz-Kirche. Gab es im Vorfeld noch Diskussionen darüber, ob sich die Stadt als Eigentümerin des Kirchenbaus eine gründliche Säuberung des Epitaphs leisten kann - erste Kostenvoranschläge gingen von 350000 Euro aus -, so ist die Angelegenheit jetzt geklärt. "Wir haben eine Schadenskartierung anfertigen lassen. Die ist jetzt fertig", erzählt Sibylle Fugmann. Das Epitaph ist eingehaust und über ein Gerüst kommt man nah an alle Figuren heran. "Es ist alles durch alten Staub und Flusen verschmutzt. Vor allem die horizontalen Flächen sind total verdreckt. Das muss alles durchgereinigt werden." Eine Firma, die auf solche Arbeiten spezialisiert ist, habe das Ganze aufgenommen. "Die Kostenschätzung liegt jetzt bei 150 000 Euro." Nicht alle Schäden an den Figuren werden aber beseitigt, nur die im unteren, sichtbaren Bereich.
Hochbauamtsleiter Ullrich Pfuhlmann weist aber darauf hin, dass der finanzielle Aufwand für das Epitaph nicht Bestandteil der Gesamtkosten für die Kirchensanierung ist. "Das ist ein neues Projekt, für das wir noch nach Fördermöglichkeiten suchen müssen", ergänzt er. Aber die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz habe schon signalisiert, dass sie die Reinigung des Epitaphs für förderwürdig hält. Ob die aber bis zur angepeilten Wiederöffnung der Kirche Ende Oktober 2015 zu schaffen ist, könne er nicht sagen. "Da gibt es eventuell noch Verzögerungen."

Bildhauer entwirft Altarraum neu

Alles andere aber, was im Verantwortungsbereich von Sibylle Fugmann liegt, geht gut voran, wie sie nicht ohne Stolz betont. Im Altarraum wurde die Brüstung vor der Treppe abgerissen, so dass die Stufen in der Breite nun wieder durchgängig sind. Ganz links an den Rand wird eine Rampe für Rollstuhlfahrer gebaut. Die überflüssige und nicht mehr intakte Schwalbenorgel hat eine Spezialfirma entfernt und mitgenommen. "Die können wenigstens die Orgelpfeifen noch gebrauchen."
Mit der Neugestaltung des Altarraums wird die Gemeinde St. Moriz einen Bildhauer beauftragen. In dieser W oche haben sich vier Künstler vorgestellt. Der Kirchenvorstand hat sich für den im tschechischen Karlovy Vary geborenen und in München lebenden Werner Mally entschieden, der viel mit Holz arbeitet.

Gestaltung des Eingangs unklar

Noch keine Entscheidung gibt es für die Gestaltung des Eingangsbereichs. Die große Pforte ist undicht. Sie könnte restauriert oder ausgetauscht werden. "Die Tür stammt aus dem Jahr 1935. Das heißt, es wäre denkbar, sie durch eine neue zu ersetzen", ist Sibylle Fugmann überzeugt. Ullrich Pfuhlmann weist aber darauf hin, dass für den Denkmalschutz auch eine Tür aus den 1930er Jahren schützenswert sein könnte. Hier müsse noch nach einer Lösung gesucht werden.
Momentan sind Arbeiter damit beschäftigt, die Decke und die Wände der Morizkirche abzuwaschen. Jörg Czura steht ganz oben auf dem Gerüst und bearbeitet den Stuck vorsichtig mit einem Schwamm. Ist es möglich, die dicke Schmutzschicht einfach so mit Wasser zu beseitigen? "Da ist Spüli drin", sagt Jörg Czura lachend und macht sich auch schon wieder ans Wischen - vorsichtig, damit nichts beschädigt wird. Ein Stück weiter vorn im Langschiff, über der Eingangstür, haben drei weitere Kollegen schon viel geschafft. Ein Teil des Kreuzrippengewölbes mit den Wappen an den Scheitelpunkten ist schon sauber. Nach der Decke kommen die Wände und die Säulen an die Reihe.
Darauf wird neu gestrichen - nicht mehr im Rosa-Ton wie bisher, sondern eher beige und grau. "Auf jeden Fall wird es heller", erläutert Sibylle Fugmann. Die Marmorierung der Säulen wird erneuert - nach Vorgabe durch den Denkmalschutz -, aber aus gestalterischen und finanziellen Gründen wird die Bemalung dezenter gehalten. Neben der Säuberung von Wänden und Decke werden derzeit die Elektroleitungen neu gelegt. Die Beleuchtung der Zukunft sieht so aus: Zwei Radleuchter hängen von den Deckenrosetten herunter, in die Brüstungen wird eine indirekte, bei Bedarf herausklappbare Beleuchtung eingebaut und die Seitenschiffe werden durch Strahler ausgeleuchtet - vieles davon in sparsamer LED-Technik. Darüber hinaus gibt es eine neue Anlage zur Beschallung.

Schuke-Orgel wird überwacht

Die während der Sanierung eingehauste wertvolle Schuke-Orgel wird akribisch überwacht. "Wir messen ständig die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. Sollte die Luftfeuchtigkeit auf 75 Prozent steigen, dann wird ein Entfeuchter in Gang gesetzt, den wir gleich mit eingebaut haben", erzählt die Bauleiterin. Mit der Temperatur habe es in dem bisher milden Winter noch keine Probleme gegeben. Notfalls komme dort aber ein Heizgerät zum Einsatz. Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten werde die Orgel neu gestimmt.
Ziel ist es, die Morizkirche am Reformationstag 2015 wieder zu öffnen. Sibylle Fugmann ist zuversichtlich, dass dieser Termin zu halten ist.


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