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Coburg
Jubiläum

Mit "Gemini" ins zweite Jahrhundert

Der Maschinenhersteller Waldrich ist bei großen Spezialmaschinen ein Weltmarktführer. Aber inzwischen setzt das Unternehmen auch auf Serienmaschinen.
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Die Taurus 30 Gemini soll im November präsentiert werden. Bislang gibt es nur Zeichnungen.  Abbildung: Waldrich Coburg
Die Taurus 30 Gemini soll im November präsentiert werden. Bislang gibt es nur Zeichnungen. Abbildung: Waldrich Coburg
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Seit 100 Jahren gibt es die Maschinenfabrik Waldrich in Coburg. Hubert Becker, ehemaliger Geschäftsführer und inzwischen Chef der Holding, hat mehr als die Hälfte dieser Zeit miterlebt: Am 2. September 1968 fing er bei Waldrich als Maschinenbaulehrling an. Am Montag hielt er die Festrede zum Jubiläum.

Gefeiert wurde im Europäischen Museum für modernes Glas bei Schloss Rosenau. Nicht zufällig: Ohne den langjährigen Inhaber und Geschäftsführer von Waldrich, Otto Waldrich, gäbe es dieses Museum nicht. 2017 war Otto Waldrich gestorben. "Ich bin mir sicher, er schaut von oben zu", merkte Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer an, der namens der lokalen Politik zum Jubiläum gratulierte.

Otto Waldrich hatte mit seinem Schwager Bernhard Kapp die Führung des Unternehmens übernommen, nachdem sein Vater und Gründer Adolf Waldrich am 5. März 1950 einem Schlaganfall erlegen war. Adolf Waldrich hatte 1919 zusammen mit dem Ingenieur Emil Hardt eine kleine Fabrik mit 20 Beschäftigten in der Coburger Gerbergasse übernommen. Von dort aus gründeten sie am 10. Februar 1920 die "Globuswerke". 1926, nach dem Umzug in den Hahnweg, schied Hardt aus, und das Unternehmen hieß fortan Maschinenfabrik Adolf Waldrich. Der Siegener stammte aus einer Unternehmerfamilie - er war vorher Teilhaber der Firma H.A. Waldrich gewesen. Die Entwicklung des ölhydraulischen Antriebs brachte der Firma den Durchbruch; Folge war die Entwicklung der Führungsbahn-Schleifmaschinen, erläuterte Hubert Becker.

Immer größere Maschinen

Mit der Übernahme durch Otto Waldrich begann die zweite Epoche bei Waldrich: Fräsmaschinen wurden entwickelt, das Unternehmen wuchs, in den 70er-Jahren wurden die ersten Großfräsmaschinen mit numerischer Steuerung ausgeliefert. 1985 hatte Waldrich rund 1050 Mitarbeiter, und Otto Waldrich verkaufte das Unternehmen an die Ingersoll-Gruppe, zu der auch die H. A. Waldrich in Siegen gehörte. "Ich sehe heute noch die Mitarbeiter mit Tränen in den Augen vor mir stehen", sagte Becker. "Von da an ging es 20 Jahre bergab. In Coburg wurden keine strategischen Entscheidungen mehr getroffen." 2003 meldete die amerikanische Ingersoll Konkurs an, Waldrich wurde von der Herkules-Gruppe (Siegen) ersteigert. Doch "Siegen ist weit weg, und wir hatten ein fremdes Produkt", sagt Becker.

Übernahme durch China

Als Retter erwies sich im Oktober 2005 eine Kooperation in China, die Waldrich 1984 eingegangen war: Bejing No. 1 übernahm den Maschinenbauer. "Die Chinesen haben uns versichert: Waldrich Coburg bleibt Waldrich Coburg", sagte Becker. "Wir konnten die Firma führen wie ein traditionelles deutsches Maschinenbau-Unternehmen."

Der Umsatz stieg von 180 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 250 Millionen im Jahr 2007; dank der Bestellungen war Waldrich teilweise drei Jahre im Voraus ausgelastet. Am Standort wurde investiert, insgesamt 60 Millionen Euro, wie Becker zusammenfasste. Bis 2012 dauerte diese Hochphase, dann gingen die Aufträge zurück. Waldrich, das bislang fast jede Maschine für den Kunden individuell geplant und gebaut hatte, orientierte sich um und entwickelte die "Taurus", die 2016 präsentiert wurde. "Es gibt keine bessere und schönere Fünfachsenfräsmaschine", schwärmte Becker. "Wenn es die Taurus nicht gegeben hätte, wäre Waldrich nicht mehr da." Trotzdem musste 2016 neu strukturiert werden, Personal wurde abgebaut. Heute hat Waldrich weltweit 540 Mitarbeiter, nach eigenen Angaben rund 500 am Standort Coburg.

2019 sei eine Schwarze Null geschafft worden, sagte Becker. Für 2020 stimmt ihn optimistisch, dass im November die "Taurus Gemini" präsentiert werden soll. "Das wird eine hervorragende Maschine und wäre ein toller Start ins zweite Jahrhundert von Waldrich Coburg." Gleichzeitig bleibe Waldrich Hersteller mit der größten Maschinen der Welt und Weltmarktführer bei Maschinen zur Dieselmotorenbearbeitung.

IHK-Präsident Friedrich Herdan lobte die mutigen unternehmerischen Entscheidungen bei Waldrich, von der Gründung in Coburg in unsicheren Zeiten (Coburg war seinerzeit ein eigener Freistaat, und die Entscheidung über einen Anschluss an Thüringen oder Bayern war noch nicht gefallen) bis zur Neuausrichtung: Klassischer Maschinenbau, Standardmaschinenbau und Service sind heute die drei Säulen. Daneben stehe Waldrich mit der Förderung von Kultur und Sozialem auch für gesellschaftliche Verantwortung, sagte Herdan.

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