LKR Coburg
Protest

Mit dem Taxi nach Berlin - ein Coburger kämpft für die Branche

Taxifahrer sehen ihren Berufsstand in Gefahr, wenn eine geplante Gesetzesänderung unverändert eingeführt würde.
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Tausende Taxifahrer demonstrierten in Berlin. Mitten unter ihnen Taxiunternehmer Michael Höllein aus Coburg. dpa
Tausende Taxifahrer demonstrierten in Berlin. Mitten unter ihnen Taxiunternehmer Michael Höllein aus Coburg. dpa
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"Mit dem Taxi nach Paris" sang Felix Deluxe Anfang der 80er Jahre und schwamm damit auf der Neuen Deutschen Welle. Michael Höllein fuhr mit dem Taxi nach Berlin - mit seinem Taxi. Zusammen mit Tausenden anderer Taxifahrer wollte er deutlich machen, dass dieses Gewerbe mit einem Gesetzentwurf aus dem Haus von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) alles andere als einverstanden sind.

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen hatte zur Sternfahrt in die Bundeshauptstadt aufgerufen. Der Gesetzentwurf, eigentlich erst einmal ein Positionspapier, bedroht die Existenz des gesamten Gewerbes, fürchtet der Verband. Michael Höllein, Sprecher der Coburger Taxiunternehmen, weiß, dass die Probleme am stärksten die Großstädte treffen. Er weiß aber auch, dass es selbst in Coburg bereits Beförderungsangebote neben den Taxis gibt.

"Uns wird gern vorgeworfen, dass wir nicht bereit sind mit der Zeit zu gehen. Das stimmt nicht. Wir haben auch keine Angst vor Konkurrenz - aber die muss auf Augenhöhe stattfinden", sagt er.

Vorteile ohne die Nachteile

Warum diese Augenhöhe nicht gegeben ist, wenn Unternehmen wie Uber und Co auf den Markt drängen und nun durch gelockerte Gesetze noch bevorteilt werden sollen, liegt für Michael Höllein auf der Hand. Die Zahl der Taxis wird von den Kommunen begrenzt. In Coburg fahren 31 Wagen. Für Anbieter von Mietwagen mit Fahrer gilt das nicht.

Sie müssen sich auch nicht an die Tarife halten, die Taxiunternehmen von der Stadt vorgegeben bekommen. Ein Vorteil für die Kunden? Nicht immer. Bei normalen Zeiten orientieren sich die Wettbewerber an den Taxitarifen. Sind die Wagen knapp, verlangen sie nach Michael Hölleins Kenntnis oft deutlich mehr Geld.

Feste Vorgaben

Taxifahrer müssen ihren Dienst rund um die Uhr anbieten, die Wettbewerber nicht. Sie haben auch keine Beförderungspflicht. Daher können sie beispielsweise eine Fahrt ablehnen, weil ihnen die Entfernung zu kurz und damit nicht lukrativ genug ist.

"Oft wird darauf hingewiesen, dass es modern ist, einen Wagen per App zu bestellen. Das gibt es bei Taxis schon seit fünf Jahren", stellt Michael Höllein einen weit verbreiteten Irrtum klar. Er erinnert aber auch daran, dass es vor allem ältere Leute sind, die oft kein Smartphone besitzen oder mit Apps umgehen können oder wollen. "Die träfe es am härtesten, wenn die Taxis verschwinden würden", ist er überzeugt.

Mit der Gesetzesänderung soll das Rückkehrgebot fallen. Es zwingt Mietwagen bisher, nach einer Fahrt zu ihrem Standort zurück zufahren - wenn es nicht direkt eine Anschlussfahrt gibt. Sich in der Stadt aufstellen oder kreisen, um nach neuen Fahrgästen zu suchen, dürfen diese Wagen nicht.

Fällt dieses Gebot, würde der Druck auf die Taxiunternehmen größer - deren Reglementierung und strenge Kontrolle würde aber auf die Mitwagen nicht ausgedehnt. Auch nicht die Kennzeichnungspflicht oder die Ortskenntnisprüfung, die Taxifahrer ablegen müssen, ehe sie ihren Beruf ausüben dürfen. "Oft steigen Leute ein, die nennen keine Adresse als Fahrziel, die das Navi kennt", erklärt Michael Höllein, dann ist der Taxifahrer gefragt, der mit eingebürgerten Stadtteilnamen, wie "Gräfsblock" oder "Demo" etwas anfangen kann.

Nähe zu den Kunden

Patienten zu Kliniken zu fahren oder dort abzuholen, gehört zum Geschäft. "Da holt der Taxifahrer den Patienten halt oft auch im Zimmer ab und trägt ihm den Koffer", sagt Michael Höllein und hat so seine Zweifel, dass das Mietwagenfahrer auch tun. Die seien übrigens alle selbstständig. Daher würden sie oft unter Mindestlohn arbeiten.

Um zu zeigen, dass er und seine Berufskollegen bereit sind, für das seriöse, kontrollierte und reglementierte Taxi-Gewerbe zu kämpfen, fuhr Michael Höllein nach Berlin. "Der Minister hatte wohl ein paar Hundert Autos erwartet, aber es waren einige Tausend", berichtet er von der Sternfahrt, die zum Brandenburger Tor und der Siegessäule führte. "Der Zusammenhalt war gigantisch", zeigt er sich beeindruckt. Und: "Sogar die Fahrgäste und die Autofahrer zeigten weitgehend Verständnis."

Beeindruckt war auch Andreas Scheuer. Der Minister zeigte sich gesprächsbereit. Ob das auch dazu führen wird, dass der Gesetzentwurf deutlich abgeändert wird, muss die Zukunft zeigen, wenn die Große Koalition die Änderung in den Bundestag bringt.



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