Neustadt bei Coburg
Verhandlung

"Mister Drogenkommandant" hatte mit der jungen Neustadter Dealerbande zu tun

Ein Mann aus den Niederlanden hatte Abnehmer im gesamten Bundesgebiet, auch die sechs jugendlichen Dealer aus Neustadt gehörten zu seinem Kundenkreis. Die Ermittler berichten vor Gericht, wie das Ganze abgelaufen ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Päckchen mit Kokain, vom Zoll beschlagnahmt Symbolbild: Alex Heimken/dpa
Päckchen mit Kokain, vom Zoll beschlagnahmt Symbolbild: Alex Heimken/dpa
Zu seinen Kunden zählten auch die sechs jungen Drogendealer aus Neustadt, deren Strafverfahren vor kurzem endete und das im Fokus der Berichterstattung stand. Die Aussagen der angeklagten Jugendlichen vor Gericht führten letztendlich zu dem 30-jährigen Mann aus den Niederlanden, der sich nun wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln im großen Stil vor dem Coburger Landgericht verantworten muss.

Der Mann, der im Darknet als "Mister Drogenkommandant" auftrat, hat die ihm zur Last gelegten Taten bereits gestanden; immerhin umfasst die Anklageschrift 20 Seiten. Am dritten Verhandlungstag berichteten die Beamten die Bundeskriminalamtes (BKA) aus Wiesbaden, wie sich der Zugriff in einem Einkaufsmarkt in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) abspielte. Der Mann versuchte demnach filmreif , mit dem Auto zu flüchten, wobei es zu einer Kollision mit den Fahrzeugen der Beamten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) kam. Mit der Art seiner Festnahme war der Angeklagte nicht einverstanden. "Meiner Meinung nach hätte die Festnahme anders ablaufen können, ich wurde doch bereits observiert”, kritisierte er am Donnerstag.


Betäubungs- statt Lebensmittel

Wie die BKA-Beamten weiter berichteten, wurden in der Wohnung des Mannes in den Niederlanden 80 Kilogramm an unterschiedlichem Rauschgift sichergestellt, darunter Ecstasy, Heroin, Kokain und Cannabis, außerdem auch mehrere Laptops. Auch im Kühlschrank hätten sich anstelle von Lebensmitteln Betäubungsmittel befunden, führte eine BKA-Kripo-Beamtin aus. "Es war mehr Arbeitsstätte mit Logistikzentrum und Platz zum Verpacken der Drogen als eine Wohnung", erklärte die Beamtin. Ebenso seien im Haus der Mutter des Angeklagten Drogen, Laptops und eine Geldzählmaschine sichergestellt worden. Insgesamt soll mit Drogen in einer dreistelligen Kilogramm-Größenordnung gehandelt worden sein. Vermutlich mit einer weiteren Person und seiner Mutter hat der Angeklagte im gesamten Bundesgebiet gewinnbringend in großem Umfang die Drogen vertickt. Von seinem Wohnsitz in der Niederlanden aus richtete er über das TOR-Netzwerk eine illegale Plattform im Darknet ein, wo er unter dem Pseudonym "Mister Drogenkommandant" Betäubungsmittel vornehmlich an deutsche Abnehmer verkaufte, zu denen auch die Jugendlichen aus Neustadt gehörten.


Eine Rekordmenge

An die Neustadter "Kids” verkaufte er unter anderem 42 Kilogramm Marihuana und 100 Gramm lupenreines Kokain und damit die größte Menge im Coburger Polizeibezirk. Letztendlich brachte die Aussage der Jugendlichen das BKA auf die Spur des Hintermanns aus Holland. Die Betäubungsmittelgeschäfte liefen so ab, dass die Verkäufer über die Plattform bestellten und vorab in Bitcons bezahlten. Der Angeklagte gab das Rauschgift versandfertig in verschiedenen Postfilialen auf oder er übergab es persönlich. Er mietete sich in Hotels in ganz Deutschland ein, auch im Coburger Raum, wo er die Deals mit den Neustadter Jugendlichen abwickelte.
Wie Richter Klaus Halves ausführte, sei es an den ersten beiden Verhandlungstagen sehr schnell zu einem Rechtsgespräch gekommen. "Es ist hervorzuheben, dass sich der Angeklagte einer Drogenentbindungstherapie unterziehen möchte", sagte Halves. Wie Richter Halves zusammenfasste, habe der Angeklagte die ersten Jahre seiner Kindheit mit seiner Mutter in Deutschland gelebt. Der Mutter sei mit dem Kind über Großbritinnen geflüchtet und schließlich in den Niederlanden gelandet, nachdem ihr angedroht worden sei, der Junge werde in ein Kinderheim gegeben. Seit seinem 16. Lebensjahr ist der Mann drogenabhängig. Das Urteil wird am Dienstag, 17.Juli, erwartet.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren