Unwirtliche Witterung, fast noch ein bisschen früh am Mittwochabend - und doch ist die Kultur- und Sporthalle proppenvoll. Einen erfahrenen CSU-Strategen wie Michael Möslein überrascht das nicht: "Wenn schon mal der bayerische Ministerpräsident ins Coburger Land kommt, erwarte ich nichts anderes." Die Wahlkampfhilfe aus München für CSU-Landratskandidat Sebastian Straubel funktioniert, ein auffällig gut gelaunter Markus Söder begeistert sein Publikum.

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Und der Ministerpräsident bringt sogar ein Angebot an den Landkreis Coburg mit. Das 365-Euro-Ticket für ein Jahr im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist eines der Ziele, die Söder mit der neuen Landesregierung umsetzen möchte. Mit entsprechender Förderung durch den Freistaat Bayern sollte dieses seiner Meinung machbar sein, auch in ländlichen Gebieten. Deshalb schlägt Söder seinem Parteifreund Straubel, den Sieg bei der Landratswahl mal locker-flockig vorausgesetzt,vor, im Coburger Land den modernen und günstigen Nahverkehr als Modellregion auszutesten. Denn nur Angebote wie das 365-Euro-Jahresticket, da ist Söder überzeugt, seien das richtige Signal für den wohl zwingend notwendigen Umstieg vom Auto in Bus und Bahn. Deshalb will der Freistaat Bayern seine Fördermittel in diesem Bereich auch deutlich ausbauen.

Wider die Populisten

Aber die eingangs vom Musikverein Grub-Ebersdorf unterhaltenen Zuhörer bekommen auch einen nachdenklichen Ministerpräsidenten zu sehen. Mit Blick auf die im Frühjahr anstehende Europawahl wirbt Söder nicht einmal zwingend für seine eigene Partei, sondern für alle europafreundlichen Demokraten. Denn den designierten CSU-Chef beschleichen "ernsthafte Sorgen", dass Nationalisten und Populisten das jetzige Europa in Wanken geraten lassen. "Je kleiner wir werden, desto schwächer werden wir", sagt der Ministerpräsident mit Blick auf die USA und China, wo sich gewaltige Wirtschaftsmächte zusammengeballt haben.

Hoffnung dürfen sich die Menschen im Coburger Land bei einem Thema machen, das in den kommenden Jahren das kommunalpolitische Geschehen prägen wird: die Zukunft des Coburger Klinikums samt dem Klinikverbund Regiomed. Der Ministerpräsident kündigt nämlich an, dass die Landesregierung die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen noch stärker als bisher finanziell unterstützen will. Das freut den CSU-Landratskandidaten, denn der weiß: "Zur Zukunft des Coburger Klinikums und des Neustadter Krankenhauses brauchen wir sofort schnelle Antworten." Da dürfe man nach der Wahl nicht viel Zeit verlieren.

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Sebastian Straubel nutzt den stimmungsvollen Abend noch einmal, um seine CSU-Mannschaft auf den 27. Januar einzuschwören. Der Lautertaler Bürgermeister weiß, dass dies nicht einfach ist, schließlich liegen hinter den vielen ehrenamtlichen Helfern bereits neun Monate anstrengender Landtagswahlkampf. Aber wenigstens auch erfolgreicher Wahlkampf, sagt Straubel und zeigt auf seinen Weggefährten, Martin Mittag, den neuen Landtagsabgeordneten. "Uns ist der Generationswechsel gelungen", sagt der Landratskandidat. Einmal noch das Pedal durchdrücken und Vollgas geben - das müsse man jetzt, motiviert Straubel seine Parteifreunde.

Was? Nur ein leerer Krug?

Bürgermeister Bernd Reisenweber, der in Ebersdorf immer mit Rückendeckung der CSU bei den Kommunalwahlen angetreten ist, darf nach dem obligatorischen Defiliermarsch die Begrüßung des Ministerpräsidenten übernehmen. Wie es sich für einen Politiker des Coburger Landes gehört, erinnert er den Ehrengast aus München an die Tatsache, dass die Coburger dank des Volkes Entscheid aus dem Jahr 1919 die einzigen freiwilligen Bayern sind. "Wir haben uns damals richtig entschieden, auch wenn wir die Neustadter da mitnehmen mussten" - für Sätze wie diesen erntet Reisenweber Lacher und Applaus, selbst von Ex-MdL Jürgen W. Heike und dessen starker Mannschaft aus der Puppenstadt. Einen Wunsch an den Ministerpräsidenten hat Bernd Reisenweber aber schon: ein bisschen Geld aus München. Das könnte die Gemeinde Ebersdorf gut gebrauchen, wenn die dringend notwendige Sanierung der Kultur- und Sporthalle in Angriff nehmen muss.

Aber der Bürgermeister muss auch einstecken. Zwar nimmt Markus Söder Reisenwebers Dank für bayerische Finanzmittel mit Genugtuung zur Kenntnis: "Das Lob ist angemessen." Aber beim Bierkrug als Gastgeschenk neben einer Ortschronik und dem Stoff-Eber haut der Ministerpräsident dann doch einen raus: "Ein leerer Krug... Da gibt es sicher viele davon im Keller. Deshalb musste er wohl raus."