"Eines Tages ist Schluss, das muss man dann auch anerkennen." Für Krimhilde Oscar aus Ebersdorf kam dieser Moment vor etwas mehr als zwei Jahren. "Alleine in einem Haus zu leben - das ist nicht so einfach, wie es sich anhört", erklärt die 88-Jährige. Es wurde zu anstrengend - und das BRK-Haus für Betreuung und Pflege in Ebersdorf ihr neues Zuhause: "Mir gefällt es hier nach wie vor."

Ob die Bewohner sich wohlfühlen, bezeichnete die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml (CSU), als "Visitenkarte" eines Pflegeheimes. Auf Einladung des Coburger CSU-Landtagskandidaten Martin Mittag war sie für einen Besuch ins Ebersdorfer Altenheim gekommen. Das Haus wurde 1994 eröffnet - und heißt bewusst nicht Seniorenresidenz oder Altenheim: "Wir wollten uns da namentlich etwas absetzen", erklärte Siegfried Wölki, Vorsitzender des Coburger BRK-Kreisverbandes, vor Ort.

Das Konzept des Hauses war damals sehr ungewöhnlich: "Es wurden Wohngruppen geschaffen. Etwas, das sich dann auch woanders durchgesetzt hat", sagt Wölki. Die Bewohner leben in Wohngruppen von acht bis zehn Personen zusammen. Die Zimmer sind immer in unmittelbarer Nähe eines Gemeinschaftsbereiches angelegt. "Deswegen haben wir hier nicht die langen Flure, wie in einer Kaserne oder im Krankenhaus", sagt Heimleiter Gunter Weiß. "Da haben wir schon etwas besonderes, hier in unserem Ebersdorf!" Die Raumaufteilung steigere die Wohn- und Lebensqualität der Bewohner - auch wenn das Konzept für das Personal nicht nur Vorteile hat: "Man hat dafür nicht den schnellen Überblick." Melanie Huml lobte die Idee: "Das ist ein spannendes Wohnkonzept. Es hebt sich einfach von anderen Heimen ab."

Eher außergewöhnliche Entscheidungen werden in Ebersdorf auch weiterhin gerne getroffen. So kommen zum Beispiel täglich (außer freitags) örtliche Schulkinder zum gemeinsamen Mittagessen mit den Senioren vorbei. Das sorgte bei der Ministerin für Begeisterung: "Ich finde es sehr wichtig, dass ein Pflegeheim ein offener Raum ist und dadurch zu einer Art Anlaufpunkt für die Generationen im Quartier wird."

Bezahlung besser als ihr Ruf

Immer wieder versuchte die Ministerin mit den Menschen im BRK-Haus ins Gespräch zu kommen - mit den Bewohnern, aber auch mit dem Personal. "Ich freue mich immer, wenn ich mit Praktikern sprechen kann."

Mit Blick auf die Bewohner sagte sie, es sei wichtig, gleichzeitig ambulante Pflegeangebote zu fördern und den Menschen die Angst vor dem Leben im Heim zu nehmen: "Es ist wichtig, die Sorgen abzubauen und zu vermitteln: ,Auch hier kann ich wohnen und leben'."

BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Benninga nutzte die Gelegenheit, um an die Politik zu appellieren. Wenig Gehalt in der Pflege sei ein Stück weit ein Mythos, der durch wiederkehrende Forderungen nach höheren Löhnen seitens der Politik zustande gekommen sei. "Schlechte Bezahlung ist bei weitem nicht der Fall", sagte er. Dieser Ruf erschwere aber die Suche nach Nachwuchskräften. Ministerin Huml ruderte in Sachen Bezahlung zwar nicht zurück, ergänzte aber: "Es geht um mehr Wertschätzung. Und Wertschätzung sind wir alle. Wir müssen den Leuten zeigen, wie wichtig ihre Aufgabe ist."

Verbesserungen für die Attraktivität der Pflege als Ausbildungsbereich erhofft sich Huml vor allem vom neuen Pflegeberufegesetz von 2017. Die Ausbildungen zum Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger werden ab 2019 zu einer Ausbildung zusammengefasst. "Ich halte das für einen Vorteil, weil man im Praktikum auch die anderen Bereiche kennenlernt", sagte Huml. "Das bedeutet später mehr Möglichkeiten."