Coburg
Analyse

Michelbachs Triumphzug im Frankenwald

So knapp sich Hans Michelbach in der Stadt Coburg durchgesetzt hat, so deutlich fiel sein Sieg im Landkreis und in Kronach aus. Norbert Tessmer konnte sich noch nicht einmal über seinen Vorsprung in der SPD-Hochburg Tettau freuen.
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Bereits beim Kronacher Freischießen hatte Hans Michelbach (links) gut gelaunt mit dem Bürgermeister von Steinwiesen, Gerhard Wunder (rechts), angestoßen. Und auch gestern Abend dürfte den beiden CSU-Politikern zum Feiern zumute gewesen sein. Foto: FT
Bereits beim Kronacher Freischießen hatte Hans Michelbach (links) gut gelaunt mit dem Bürgermeister von Steinwiesen, Gerhard Wunder (rechts), angestoßen. Und auch gestern Abend dürfte den beiden CSU-Politikern zum Feiern zumute gewesen sein. Foto: FT
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Sehr, sehr viele Coburger mögen "ihren" Norbert Tessmer - und hätten ihn trotzdem gerne nach Berlin geschickt, weil es der SPD-Politiker ja selbst gerne so gewollt hätte. Doch außerhalb der Vestestadt konnte der "Residenzler" so überhaupt nicht bei der Bevölkerung punkten. CSU-Mann Hans Michelbach setzte sich in allen 17 Kommunen des Landkreises Coburg durch, und im Landkreis Kronach lag er in 16 von 18 Kommunen vorne.

Zunächst der Blick in den Frankenwald: Das mit Abstand beste Ergebnis holte Michelbach in der Gemeinde Wilhelmsthal mit 71,4 Prozent, Tessmer musste sich dort mit 15,5 Prozent begnügen. Ähnlich deutlich die Ergebnisse in Steinwiesen (69,2 zu 17,9) und Pressig (64,3 zu 19,6). Stark auch die 57,5 Prozent von Michelbach in der Stadt Kronach (Tessmer: 24,6). Insgesamt konnte sich Michelbach im Frankenwald mit 56,5 Prozent noch einmal um drei Prozentpunkte gegenüber der vergangenen Wahl steigern.

Norbert Tessmer konnte lediglich in zwei Kommunen gewinnen, aber diese Siege hatten dann auch jeweils noch einen Haken. So lag Tessmer zwar in Tettau mit 44,8 Prozent klar vor Michelbach (34,6 Prozent), doch mit Blick auf das Zweitstimmenergebnis von 48,8 Prozent für die SPD wäre in der "roten Hochburg Tettau" für Tessmer deutlich mehr drin gewesen. Tja, und dann durfte sich Tessmer noch über einen Sieg in Reichenbach freuen - doch weil es sich dabei nur um einen 800-Seelen-Ort handelt, bedeutet der in Prozentpunkten noch recht deutliche Vorsprung gegenüber Michelbach (42,3 zu 39,9) in absoluten Zahlen gerade mal ein Plus von zehn Stimmen.

Und damit zu Michelbachs Triumphzug im Landkreis Coburg: Am besten schnitt er in der Stadt Seßlach mit 60,1 Prozent ab. Kleiner Trost für Tessmer: Seine 21,6 Prozent in Seßlach waren immer noch besser als die 15,34 Prozent, die vor vier Jahren sein Parteifreund Carl-Christian Dressel in Seßlach holte. Noch am besten schnitt Tessmer jetzt in der Gemeinde Weitramsdorf mit 37,1 Prozent ab.

Auch in den beiden größten Städten des Landkreises war es eine klare Sache für Michelbach: In Rödental kam er auf 47,5 Prozent (Tessmer: 33,9 Prozent), in Neustadt auf 49,5 Prozent (Tessmer: 32,9 Prozent).

Das Gesamtergebnis für den Landkreis Coburg sieht so aus, dass Hans Michelbach mit 49,1 Prozent sein Ergebnis von vor vier Jahren um dreieinhalb Prozentpunkte verbessern konnte - und Norbert Tessmers 33,8 Prozent waren immerhin acht Prozentpunkte mehr als 2009 Dressel erreichte.

Und in der Stadt Coburg? Hier gab es gestern bis zum Schluss ein spannendes Kopf-an Kopf-Rennen. Tessmer lag lange Zeit vorne, dann holte Michelbach auf. Als 56 von 60 Wahllokalen ausgezählt waren, betrug Tessmers Vorsprung noch exakt eine Stimme. Die war schließlich dahin, als die Ergebnisse aus den Briefwahlbezirken eintrudelten. Am Ende lag Michelbach 0,16 Prozentpunkte vorne - das waren 34 Stimmen.

Fulminant schnitt Norbert Tessmer in den beiden Wahllokalen im Coburger Stadtteil Wüstenahorn ab: Er holte 49,3 ("Zur Einkehr 1") beziehungsweise sogar 51,7 Prozent ("Zur Einkehr 2"), während sich Hans Michelbach mit 27,3 und 23,3 Prozent zufrieden geben musste. Erstaunlich stark im Coburger Westen auch die Linken: Im Wahllokal "Zur Einkehr 2" holte René Hähnlein fast zehn Prozent der Erststimmen, und bei den Zweitstimmen schafften die Linken gar 11,4 Prozent.

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.
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