Coburg
Strafprozess

Messer in den Kopf der Ehefrau gerammt

Das Landgericht Coburg muss klären, ob ein 49-jähriger Neustadter in Mordabsicht gehandelt hat oder es sich um versuchten Totschlag handelt.
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Am Mittwoch war der Prozessauftakt wegen versuchten Mordes im Landgericht Coburg. Foto: Gabi Arnold
Am Mittwoch war der Prozessauftakt wegen versuchten Mordes im Landgericht Coburg. Foto: Gabi Arnold
Im Mai des vergangenen Jahres lockt ein 49-Jähriger aus Neustadt seine von ihm getrennt lebende Ehefrau aus der Küche einer Gaststätte im Süden Coburgs. Er rammt ihr mit voller Wucht eine 15 Zentimeter lange Klinge eines Küchenmesser in den Unterkiefer. Das Messer bleibt im Hals stecken. Nur dem beherztem Handeln der Ersthelfer ist es überhaupt zu verdanken, dass die Frau die brutale Messerattacke überlebt. Seit Mittwoch muss sich der Mann wegen versuchten Mordes vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichtes Coburg verantworten.

Das Gericht muss klären, ob der Beschuldigte in Mordabsicht gehandelt hat oder ob es sich um einen versuchten Totschlag handelt. Der 49-Jährige berichtete mit Hilfe eines Dolmetschers aus seinem Leben. Er kam demnach im Jahr 1980 nach Deutschland. Seine erste Ehefrau sei an Krebs gestorben. Nach deren Tod habe er die Nichte seiner Frau geheiratet. Es handelt sich um die 41-jährige Geschädigte.


Streit wegen des Geldes

Oberstaatsanwalt Martin Dippold fragte: "Hatten sie keine Bedenken, die Nichte zu heirateten?" Natürlich, antwortete der Mann, habe er die gehabt. Aber er habe an die Kinder gedacht und auf eine glückliche Familie gehofft. Außerdem habe die 41-Jährige ihn heiraten wollen. Als der Vorsitzende Richter Christoph Gillot fragte, warum seine Frau mit den beiden gemeinsamen Kindern ins Frauenhaus geflüchtet sei, räumte der Beschuldigte Streitigkeiten und Schubsereien ein. "Aber geschlagen habe ich sie nie." Die 41-jährige habe ihr Verhalten nicht geändert und sei immer unzufrieden gewesen, es habe oft Streit wegen des Geldes und seiner Spielsucht gegeben, aus der Schulden resultierten. Der Mann berichtete davon. Er habe sich öfters Geld von seiner Frau geliehen, das er aber immer wieder zurück gezahlt habe, sagte er. "Ich habe zehn bis 15 Mal Geld verlangt, das konnten 100 oder 500 Euro sein."

Auch zur religiösen Erziehung der Kinder habe es unterschiedliche Meinungen gegeben. Nachdem seine Ehefrau im Jahr 2014 mit den beiden gemeinsamen Kindern ausgezogen sei, habe er sehr gelitten. Er habe unter großem Druck gestanden und seine Situation als hoffnungslos empfunden, "Sie hat mir meine Kinder geklaut." Er habe sich von seiner Frau besiegt gefühlt und habe deshalb zurückschlagen wollen. "Es war die Antwort auf das, was sie mir getan hat." Richter Gillot fragte, welche Fehler er gemacht habe. "Mein Fehler war, die falsche Person in mein Leben zu lassen", so formulierte es der Angeklagte. Am Tattag habe er ein Messer aus der Küchenschublade genommen, aber ohne zu wissen, was er tun werde. "Ich wollte sie nicht umbringen, ich wollte mich besser fühlen, weil ich auch was getan habe." Er habe sich nach der Tat wirklich besser gefühlt, sagte er, betonte aber: "Wenn ich sie hätte töten wollen, dann hätte ich das an einem ruhigen Ort, zum Beispiel nachts auf einem Parkplatz, gemacht."

Am Tattag habe er an der Küchentür geklopft, das Messer hätte er hinter seiner rechten Körperseite verborgen gehabt. Als seine Frau aus der Küche gekommen sei, habe er ihr das Messer sofort in den Unterkiefer gerammt, wo es steckengeblieben sei.

Der Beschuldigte entfernte sich darauf sofort und wurde an seiner Arbeitsstelle verhaftet. Er habe darauf vertraut, dass seiner Frau geholfen werde, außerdem sei das Krankenhaus in der Nähe, sagte er, als Gillot fragte, warum er sich nicht um seine verletzte Frau gekümmert habe.

Im Zeugenstand berief sich die 41-jährige (Noch)-Ehefrau auf ihr Aussageverweigerungsrecht und machte keine Angaben. Wie der Rechtsmediziner Professor Peter Betz ausführte, wäre sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verstorben, wenn es ihr gelungen wäre, das Messer herauszuziehen. "Sie wäre schnell verblutet oder erstickt. Da nützt kein Krankenhaus in der Nähe." Dass dies passiert ist, konnte durch Menschen, die Erste Hilfe geleistet haben, verhindert werden. Die Verletzungen waren Betz zufolge im höchsten Maße gefährlich, die Frau musste ins künstliche Koma versetzt und mehrfach notoperiert werden. Nur so konnte ihr Leben gerettet werden.

Eine Ermahnung musste Richter Gillot eine Zuhörer erteilen, der lautstark die angeblich schlechte Übersetzung eines Dolmetschers kritisierte. "Sie sind jetzt nicht dran. Die beiden Dolmetscher sind vereidigt."

Die Verhandlung wird am Mittwoch, dem 31.Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.
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