Coburg
Premiere

Mein Held, mein Ritter, mein Heldritter

Sprachwitzig, schauspielerisch mitreißend und musikalisch zum Dahinschmelzen: So startete die neue Sommeroperette auf der Waldbühne.
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Die Landstreicher (Agnes Palmisano und Harald Wurmsdobler) im Glück, das ihnen allerdings schnell streitig gemacht wird. Carolin Herrmann
Die Landstreicher (Agnes Palmisano und Harald Wurmsdobler) im Glück, das ihnen allerdings schnell streitig gemacht wird. Carolin Herrmann
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Sei gepriesen, du lauschige Nacht, hast viele Herzen so glücklich gemacht - auf der Waldbühne Heldritt, die erste Nacht der neuen Sommeroperette. Wenn die ganze Bagage in Carl Michael Ziehrers musikalischer Komödie "Die Landstreicher" endlich beim Wirt Gratwohl sitzt und erleichtert ins Finale fällt, da weiß man, es ist geglückt. Begeisterter Beifall der zum Auftakt schon recht zahlreichen Besucher.

Aber schließlich fasst die überdachte Tribüne der Waldbühne 800 Leute. Nach der Premiere dieser entzückenden, in Kooperation mit der Pramtaler Sommeroperette entstandenen Produktion (einfallsreiche Regie Manuela Kloibmüller) darf man zuversichtlich sein, dass die Ränge bald wieder gänzlich gefüllt sein werden. So viel Spaß spricht sich doch herum.

Nach Wegzug und Zusammenbruch der früheren Coburger Sommeroperette herrscht wieder Operettenseligkeit auf dieser wunderbaren kleinen Naturbühne, beschert von einem neuen Verein, der gestützt wird vom Heimatverein Heldritt und der Stadt Bad Rodach. Plus einer Reihe engagierter Sponsoren.

Was sonst pures Ritual ist, die Begrüßung namhafter Vertreter aus Politik und Gesellschaft, war zur Premiere am Freitag ein wichtiges Signal: Bürgermeister, Landrat, Bundestags- und Landtagsabgeordnete vor Ort, das steht für den - hoffentlich dann auch praktizierenden - Willen, die fast 25 Jahre lang gepflegte Sommeroperette im Bad Rodacher Stadtteil weiter leben zu lassen. Und außerdem hats der Rodacher Nachtwächter gleich treffend bereimt und betutet. So etwas wirkt bestimmt.

Nostalgisch und heutig zugleich

Die Landstreicher sind ein herziges Paar, Berta und August Fliederbusch, das aus den Büschen purzelt und, obwohl dieses eigentlich wüste Nummernding von Ziehrer ziemlich alt ist, von 1899, sehr heutig menschlich uns sofort zu Herzen geht, zwischen Freiheitswillen und Bequemlichkeitsbedürfnis, zwischen großmäuliger Geste und zerlöcherten Socken.

So munter wirbeln Agnes Palmisano und Harald Wurmsdobler auf die Bühne und in deren Gesellschaft. Die ist, wie sie ist, voller egoistischer, mehr oder weniger gut meinender Leute, so lange alles in den gewohnten Bahnen verläuft. Dahergelaufene allerdings, Landstreicher, Flüchtlinge, Asylanten gar, die brauch mer net. Doch Berta und August wissen sich den "Zauber der Montur", so der berühmteste Song aus dieser kaum mehr bekannten, aber in der neu strukturierten Fassung von Bernhard Maxara witzigen Operette, zunutze zu machen.

Es kommt zu Verwicklungen; kleine Szenen und Kabinettsstückchen werden genüsslich gepflegt, selbst wenn sie gar nicht sein müssten. Ha, mensch Leute, das ist ein Spaß, manchmal klamaukig, allerdings auch intelligent angereichert mit vielerlei Seitenhieben aufs Heutige.

Alle Achtung, wie der Wirt Gratwohl, Karl E. Glaser, allein vor der Zuschauermenge in der Tradition von Nestroy und anderen mit seinem Couplet in unseren heutigen Wahn führt, von der lebensfremden Schule bis zum Alter, das abgeschafft wird. "Immer falsch und keck, ist der Lebenszweck."

Überhaupt, es wird ja viel gequatscht und gescherzt. Warum sollte man einen guten Witz auch vermeiden. Doch kommen wir zum Musikalischen. Und da kriegen wir ohne langes Rumgetue die herrlichsten Melodien, so schöne Duette, geliefert von diesem Ziehrer (1843 - 1922).

Operettenseligkeit

Die werden vom Ensemble der Pramtaler Sommeroperette, alles namhafte Sängerinnen und Sänger samt Coburgischer Ergänzung, auf hohem Niveau entfaltet, immer wieder zum Dahinschmelzen: neben der akrobatisch dudelnden Agnes Palmisano und dem warmen Buffotenor Harald Wurmsdobler die ja vielen durchaus bekannte Eva-Maria Kumpfmüller als operettige Sängerin Mimi, die erfrischende Christine Ornetsmüller als Anna, Erich Langwiesner als Fürst Adolar, der quickige Michael Zallinger und Philipp Gaiser als eigentlich überflüssige, zum Amüsement aber unerlässliche Leutnants, die ungarische Eifersuchts-Knallcharge Lajos von Stephan Ignaz, den wieder gern gesehenen Wolfgang Krautwig als Diener, nicht zuletzt der hier wieder gern erlebte Coburger Christian-Andreas Engelhardt als Gerichtsrat.

Und ochgoddla, der Tobias Engelhardt, schon von Kind an bei der Sommeroperette, diesmal der versoffene Gerichtsdiener Kampel. Was der uns für ein Kabarettla liefert, jetzt in unnerm Dialegd, wo es sonst ziemlich wienerisch zugeht, aber nicht nur. Bei denna red' doch jeder, was er will, odder?

Orchestral getragen wird das Ganze - und erst das macht den Schmarrn zum Eigentlichen in lauschiger fränkischer Nacht - vom Orchester der Sommeroperette Heldritt, was eigentlich das Salonorchester siNNfonietta aus Oberösterreich ist, unter Leitung von Reinhard Schmidt, dem Mitbegründer der früheren und nun wieder der neuen Sommeroperette. Im Vorspiel dürfen wir das exquisite kleine Orchester mit voller Aufmerksamkeit genießen, das gleich burlesk den leicht springenden Ton dieser Operette anschlägt, mühelose Taktwechsel, um immer mal wieder im Walzer zu schwelgen. Reinhard Schmidt lässt den kleinen naiven Einschlag zu, der durchaus auch kurz im Melancholischen landet, um dann mit der ersehnten Operettenfröhlichkeit davon zu galoppieren. - So muss es sein, in lauschiger Heldritter Waldbühnen-Nacht.

Sommeroperette Heldritt "Die Landstreicher" - Operette von Carl Michael Ziehrer auf der Waldbühne Heldritt. Koproduktion mit der Pramtaler Sommeroperette, geleitet von Harald Wurmstobler. Textfassung Bernhard Maxara, Regie Manuela Kloibmüller, Ausstattung Daphne Katzinger. Musikalische Leitung Reinhard Schmidt. Mit dem Salonorchester siNNfonietta.

Darsteller Agnes Palmisano, Harald Wurmsdobler, Eva-Maria Kumpfmüller, Erich J. Langwiesner, Christine Ornetsmüller, Christian Engelhardt, Philipp Gaiser, Michael Zallinger, Tobias Engelhardt, Karl Glaser, Stefan Ingnaz, Wolfgang Krautwig

Weitere Termine 10., 16., 17. August, 19.30 Uhr, 11. und 17. August, 15 Uhr, 18. August, 16 Uhr; Matinee "Alte Hüte", 18. August, 11 Uhr Vorverkauf Sommeroperette Heldritt, Hauptstraße 9, Bad Rodach (Telefon: 09564/ 800441) oder über www.waldbuehne-heldritt.de

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