Meeder
Verkehrslandeplatz

Meederer Bürgermeister attackiert Coburger IHK

Das Coburger Bündnis "Bürger für ihre Region, gegen den neuen Verkehrslandeplatz" macht den geplanten Bau eines Flugplatzes auf Gebiet der Gemeinde Meeder zum Thema im Kommunalwahlkampf. Deshalb werden in diesen Tagen alle Kandidaten für den Kreistag einen Brief mit "Wahlprüfsteinen" bekommen.
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Der Coburger Verkehrslandeplatz unweit der Veste wird ein brisantes Thema im Kommunalwahlkampf.
Der Coburger Verkehrslandeplatz unweit der Veste wird ein brisantes Thema im Kommunalwahlkampf.
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Der Coburger Martin Weisel ist ehemaliger Pilot und Fluglotse. Und Gegner eines neuen Verkehrslandeplatzes auf Landkreisgebiet. Außerdem ist er jemand, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Deshalb haben sie ihn oben, auf der Brandensteinsebene, zur unerwünschten Person erklärt. Aber es gibt auch Organisationen, wo die Einschätzungen von Weisel willkommen sind - beim Bündnis "Bürger für ihre Region, gegen einen neuen Verkehrslandeplatz" zum Beispiel.

Deshalb saß Weisel gestern mit am Tisch, als Bündnis-Sprecherin Dagmar Escher - an der Seite von Bürgermeister Josef Brunner (SPD) und Tom Konopka (Regionalreferent Oberfranken beim Bund Naturschutz) - die künftige Marschroute im Kampf gegen den bei Neida geplanten Verkehrslandeplatz erläuterte.


Escher und ihre Mitstreiter wollen den Verkehrslandeplatz auf jeden Fall zum Thema beim anstehenden Kommunalwahlkampf machen.
Sie haben deshalb die Kandidaten für den Kreistag sowie für die umliegenden kommunalen Gremien angeschrieben und ihnen einen Katalog mit 19 Fragen zum Verkehrslandeplatz geschickt. "Wir werden die Ergebnisse auswerten und danach an die Öffentlichkeit gehen", kündigte Escher an.

Finanzierung: nur keine Hektik
Im Zentrum der Kritik, wieder einmal: die IHK zu Coburg. Diese hat im vergangenen September zahlreiche politische Entscheidungsträger auf lokaler Ebene angeschrieben und darum gebeten, doch möglichst bald die Finanzierung des Verkehrslandeplatzes auf den Weg zu bringen. Die Hälfte, so vermittelte die IHK den Eindruck, würde vielleicht der Freistaat Bayern zuschießen. Denn Rest könnten/müssten sich die Stadt, der Landkreis und die interessierten Unternehmen aus der Region teilen, hieß es darin. Und auch: Ohne eine gesicherte Finanzierung könne das Planfeststellungsverfahren nicht weitergeführt werden.

Josef Brunner hat diesen vierseitigen Brief von Friedrich Herdan nicht nur gelesen, sondern auch "überprüft". Was dabei herausgekommen ist, hat den Bürgermeister "ziemlich betroffen" gemacht, wie er sagte. Falsche Zahlen und zweifelhafte Argumente seien im IHK-Schreiben, kritisierte Brunner. So habe er sich bei der Staatsregierung erkundigt, ob denn die Finanzierung denn wirklich schon gesichert sein müsse. Da habe er zur Antwort bekommen, dass der Freistaat es sehen wolle, dass die Finanzierung möglich sei. Ein großer Unterschied, sagte der Bürgermeister: "Um zu erkennen, dass die Finanzierung möglich ist, reicht es aus, sich die Gewerbesteuerzahlungen der Coburger Unternehmen anzuschauen." Dass der Freistaat eine 50-prozentige Förderung in Aussicht gestellt habe, sei in München übrigens auch so nicht bekannt.

Wo sind denn die Belege?
Auch Dagmar Escher übte heftige Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der IHK und der Projektgesellschaft. Dass beide schon seit längerer Zeit behaupten, die Bundesrepublik Deutschland habe der Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für die Brandensteinsebene zugestimmt und gleichzeitig den Neubau eines weiteren Verkehrslandeplatzes gefordert, bezeichnete Escher als falsch. Ihr jedenfalls habe noch nie jemand schriftlich belegen können, dass es diese Forderung gebe.

Martin Weisel, der selbst lange Jahre geflogen ist (auch auf die Brandensteinsebene) und immer noch mit vielen Piloten zu tun hat, findet die Argumente in der Diskussion um eine vermeintlich fehlende Zukunftsfähigkeit der Coburger Brandensteinsebene sowieso "völlig nebulös". Ein Ausbau des Geländes droben auf Veste-Höhe ist für Weisel auf jeden Fall möglich, zumal der Start und die Landung von Geschäftsflugzeugen sowieso schon jetzt (und auch in Zukunft) auf der Brandensteinsebene möglich sei. Beim Argument, dass eine technisch mögliche Verlängerung der Startbahn auf rund 1200 Meter für den künftigen Betrieb nicht ausreichen werde, verwies Weisel sogar nur lachend auf den von großen Jets hoch frequentierten Airport "London-City": "Dort ist die Landebahn auch nur 1250 Meter lang und baulich eingeschränkt."

Kuballa und die Krücke
Weisel hat den Eindruck, dass die Brandensteinsebene von der Projektgesellschaft für den Verkehrslandeplatz bewusst schlecht gemacht werden soll. Das beginnt für den ehemaligen Fluglotsen bei der angeblich sicherheitsrelevanten Verkürzung der Startbahn (Weisel: "Die ist nicht verständlich.") und endet bei Aussagen des Geschäftsführers Willi Kuballa. Dieser hatte die Brandensteinsebene vor nicht allzu langer Zeit als "Krücke" für den Flugverkehr bezeichnet. "Ich weiß nicht, wie er auf diese Aussage kommt. Aus Pilotenkreisen kann er sie jedenfalls nicht haben", zeigte sich Weisel überzeugt.

Was denn nun? Verkehrslandeplatz oder Flughafen?

Nachgefragt Ob auf der Ebene zwischen Wiesenfeld und Neida ein Verkehrslandeplatz (wie ihn die Projektgesellschaft bezeichnet) oder ein Flugplatz (wie die Kritiker sagen) entstehen soll, wird schon seit Bekanntwerden der Pläne diskutiert. Dass ein Verkehrslandeplatz nur für ein paar Flüge im Werks- und Geschäftsverkehr steht, trifft nach Angaben von Tom Konopka (Regionalreferent Oberfranken beim Bund Naturschutz) nicht zu. Als Beispiel nannte er den Flugplatz bei Hof, der nach Angaben der dortigen Betriebsleitung ebenfalls als Verkehrslandeplatz gilt. Dort seien aber sehr Starts und Landungen von großen Passagierjets geplant gewesen. Letztlich ist für Konopka die Diskussion um den Begriff sowieso nur ein Nebenkriegsschauplatz: "Flughafen oder Verkehrslandeplatz - den Menschen ist es egal, wie das Ding in der Planungssprache heißt. Sie wollen es einfach nicht."
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