Eisfeld
Grenzanlagen

Mauersegmente aus Berlin stehen jetzt in Eisfeld

Drei Teile der Berliner Mauer stehen nun auf Initiative eines Rödentaler Unternehmers in Eisfeld und zeigen die Wucht der trennenden Elemente.
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Ein Teil der Berliner Mauer steht dank des Engagements von Horst-Ludwig Weingarth (Dritter von links) jetzt am ehemaligen Grenzübergang Eisfeld/Rottenbach. Mit einer kleinen Feierstunde wurden die Segmente gestern offiziell präsentiert. Dank sagten dem Initiator (von links) Bernd Höfer, Landrat Sebastian Straubel, Sven Gregor, Karl Kolb, Norbert Tessmer und Nina Brückner.  Foto: Martin Rebhan
Ein Teil der Berliner Mauer steht dank des Engagements von Horst-Ludwig Weingarth (Dritter von links) jetzt am ehemaligen Grenzübergang Eisfeld/Rottenbach. Mit einer kleinen Feierstunde wurden die Segmente gestern offiziell präsentiert. Dank sagten dem Initiator (von links) Bernd Höfer, Landrat Sebastian Straubel, Sven Gregor, Karl Kolb, Norbert Tessmer und Nina Brückner. Foto: Martin Rebhan
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Es war der Rödentaler Unternehmer Horst-Ludwig Weingarth, der mit dem Kauf des ehemaligen Grenzübergangs Rottenbach/Eisfeld den Grundstein dafür legte, dass eine Gedenkstätte im dortigen Wachturm entstehen konnte, die die Erinnerung an die unmenschliche Grenze mahnend wach hält. Für Weingarth war damit sein Engagement um die Gedenkstätte noch nicht zu Ende. Seit vielen Jahren hegte er den Wunsch, auch ein Stück der Berliner Mauer nach Eisfeld zu bringen.

Lange waren seine Bemühungen nicht von Erfolg geprägt. Aber wer Horst-Ludwig Weingarth kennt, weiß, dass es nicht in seiner Natur liegt, schnell aufzugeben. So bekam er "Wind" davon, dass Mauerelemente, die bei deutschen Botschaften standen, wieder zurück nach Berlin kommen sollten. Weingarth wurde tätig, und tatsächlich gelang es ihm, drei Segmente zu erwerben, die in der Botschaft in Griechenland aufgestellt waren. Offizieller Käufer der Erinnerungsstücke war dann die Horst-Ludwig-Weingarth-Stiftung.

Mauerstücke waren kein Schnäppchen

Zum Kaufpreis wollte sich Weingarth nicht äußern. Seinen Andeutungen zufolge war dies alles andere als ein kostengünstiger Einkauf. Von Berlin wurden die drei jeweils 3,5 Meter hohen, 1,2 Meter breiten und vier Tonnen schweren Mauerteile dann nach Eisfeld transportiert.

Am Sonntag wurden sie offiziell der Öffentlichkeit präsentiert. An der kleinen Feierstunde nahmen Bernd Höfer, der Bürgermeister von Meeder, Landrat Sebastian Straubel, Sven Gregor, der Bürgermeister von Eisfeld, Karl Kolb, der Bürgermeister von Lautertal, Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer und Nina Brückner vom Kulturamt der Stadt Neustadt, teil. Horst-Ludwig Weingarth betonte, dass die Segmente von 1961 bis 1989 am Potsdamer Platz standen. Ein Zertifikat dokumentiert die Echtheit der Ausstellungsstücke. Am geschichtsträchtigen Jahrestag, als vor genau 30 Jahren am Grenzübergang eine wahre Völkerwanderung stattfand, erinnerte Horst Weingarth daran, wie unmenschlich die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war. "Von DDR-Grenzern bin ich einmal vier Stunden wegen nichts gefilzt worden", ließ Weingarth wissen und ergänzte mit einem Unterton der Zufriedenheit: "Zwei Jahre später habe ich den Grenzübergang gekauft."

Dank sagte der Unternehmer der Stadt Eisfeld, die für die Fundamente gesorgt hat, damit die Mauersegmente einen festen Stand bekommen. Sven Gregor betonte, dass es eine richtige und wichtige Entscheidung gewesen sei, die Gedenkstätte in dem ehemaligen Wachturm einzurichten. Nach seinen Worten wird die Einrichtung sehr gut angenommen. So hätten in den vergangenen fünf Jahren über 15000 Besucher registriert werden können.

Aber es nicht alles im Reinen

An Weingarth gerichtet betonte Gregor: "Es ist dein Verdienst, dass Teile der Berliner Mauer hier stehen." Auch er sehe, dass 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht alles im Reinen ist. "Wir müssen miteinander reden, um die Probleme der Zeit zu lösen", betonte Gregor. Norbert Tessmer rief den Juni 1973 in Erinnerung, als der Grenzübergang Eisfeld/Rottenbach, als Folge des von Willy Brandt initiierten "Grundlagenvertrags" eröffnet wurde. "Der erste Grenzgänger war ein Hase", berichtete Tessmer, der damals als Beamter des Bundesgrenzschutzes vor Ort war. Sebastian Straubel dankte Horst-Ludwig Weingarth für dessen Engagement um die Gedenkstätte. Mahnend meinte Straubel angesichts der Geschehnisse vor 30 Jahren: "Die Freiheit ist nicht selbstverständlich."

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