Tambach
Konzert

Matthias Reim in Tambach: Verdammt, er kann's noch!

Der 61-jährige Sänger Matthias Reim rockte beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer den Tambacher Schlosshof. Er bewies, dass er mehr kann als nur Schlager.
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Matthias Reim beim Konzert in Tambach - natürlich sang er auch seinen größten Hit "Verdammt, ich lieb Dich"Foto: Marieke Fiala
Matthias Reim beim Konzert in Tambach - natürlich sang er auch seinen größten Hit "Verdammt, ich lieb Dich"Foto: Marieke Fiala
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"Ich nehme euch mit auf eine Reise in die wunderbare Psyche des Mannes", sagt Matthias Reim und schreitet entspannt über die Bühne. Wer, wie eine Besucherin aus Coburg in der großen Menge am Donnerstag im Tambacher Schlosshof, gedacht hatte, Reim liefere nur das aktuell übliche Party-Schlagergeduddel, der liegt falsch: Selbstverständlich geht es umfassend um Herzschmerz und große Liebe, aber Matthias Reim versteht durchaus, tiefer unter die Haut zu gehen, manchmal mit flotteren Rhythmen, manchmal ganz ruhig. Eingängige Melodien, gesungen mit angenehm dunkler Stimme und abwechslungsreich instrumental begleitet von seiner versierten Band. Da wünscht man sich seine bessere Hälfte zum Kuscheln herbei - wer sie nicht sowieso schon mitgenommen hat. Das Publikum ist voller Pärchen, die sich bei Reims Liedern romantisch in die Augen schau en, umarmen, sich küssen.

Leidenschaftliche Rocker

Aber Reim kann auch anders. Nicht umsonst singt er "Mein Leben ist Rock'n'Roll". Das lässt uns auch seine Band spüren. Vor allem der Gitarrist zu Reims Linker, Michael "Bretti" Brettner, ist mit voller Leidenschaft dabei. Man sieht es an seinem Gesichtsausdruck, wenn er die Augen konzentriert zusammenkneift oder einfach nur fröhlich lacht, während er auf seiner Gitarre - man muss es wirklich so sagen - abrockt. Mit seiner blauen Weste und dem roten Kopftuch bringt er außerdem etwas Farbe in die sonst ganz schwarz gekleidete Band.

Neben Matthias Reim selbstverständlich. Der sticht im weißen Tanktop heraus, fast wie ein Engel. Klar, sein Logo ist ja auch ein großes "R" mit Engelsflügeln.Passend dazu kehrt er nach einer zehn-minütigen Pause mit chorischen "Hallelujah"-Klängen zurück auf die Bühne. Und jetzt geht's erst richtig los. Das Licht wechselt von kühlem Blau zu warmem Orangerot, als würde ein Feuer entfacht. Es wird heiß, es wird laut - auch im Schlosshof. Die Hände schwingen nach oben, es wird geklatscht und mitgesungen.

Heiß und "Eiskalt"

Nur ein Lied kann keiner mitsingen. Ein ganz neues. Im Oktober wird nämlich sein nächstes Album veröffentlicht. Zwölf Monate habe er daran gearbeitet und er ist sich sicher: Es ist das schönste, das er je gemacht hat. Die neue Single sei genau wie er selbst, sagt er: "Eiskalt".

Auf seinen größten Hit, den aber garantiert jeder mitsingen kann, muss das Publikum hingegen lange warten. Aber dann, endlich: Als allerletzten Song spielen Reim und seine Band "Verdammt, ich lieb' dich" und lassen die Menge noch einmal richtig toben.

Wobei die Zuschauer allgemein sehr textsicher sind - eine Überraschung für den Sänger, der bisher nur selten in Bayern aufgetreten ist. "Ich hab ja immer gedacht, ihr kennt mich hier gar nicht". Entsetzte Rufe aus dem Publikum beweisen sofort das Gegenteil. Doch die über 1500 Zuschauer überzeugen ihn: "Jetzt, wo ich sehe, wie viele gekommen sind, denke ich nur noch: Wow!"

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