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Coburg
Begegnung

Masken, Puppen und bunter Beton im Coburger Kunstverein

Der Coburger Kunstverein lädt ein zum deutsch-deutschen Dialog: Gudrun Brüne trifft Matthias Dämpfle.
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Gudrun Brüne: "Puppen, Masken, Lebensspiele" (Mischtechnik auf Hartfaserplatte, 2006). Foto: Jochen Berger
Gudrun Brüne: "Puppen, Masken, Lebensspiele" (Mischtechnik auf Hartfaserplatte, 2006). Foto: Jochen Berger
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Der Kontrast verbindet zwei Künstlerleben, die scheinbar so gar nichts verbindet: Gudrun Brüne und Matthias Dämpfle. Die 1941 in Berlin geborene Brüne und der 1961 in Müllheim/Baden zur Welt gekommene Dämpfling - sie scheinen weiter voneinander entfernt als jene zwei Jahrzehnte, die sie unwiderruflich trennen. Eine deutsch-deutsche Begegnung, die die Besucher ab Samstag im Coburger Kunstverein erleben können.

Wer gerne in Klischees denkt, wird sie auf den ersten Blick bestätigt finden in diesen zwei Ausstellungen. Hier die im Bann der Leipziger Schule aufgewachsene Ost-Künstlerin, dekoriert mit diversen Auszeichnungen der untergegangenen DDR. Dort der in der Bundesrepublik zu Zeiten des kalten Kriegs geborene Bildhauer, der sich der plakativen, politisch missbrauchbaren Botschaft verweigert.


Wer freilich nicht das Offensichtliche sucht, wird vielleicht auf einer abstrakten Ebene doch interessante Verbindungen finden können zwischen Gudrun Brünes Gemälden und Zeichnungen, die das Obergeschoss des Pavillons im Hofgarten füllen, und Matthias Dämpfles ungewöhnlichen Betonarbeiten.

Suche nach Wahrheit

Denn das Werk dieser beiden Künstler zeigt bei allen offenkundigen Unterschieden durchaus das gemeinsame Interesse am Spiel mit der Erwartungshaltung des Betrachters. Gewiss: Manches der bevorzugt großformatigen Gemälde von Gudrun Brüne, zumeist in Mischtechnik auf Hartfaser ausgeführt, wirkt zunächst plakativ in der Botschaft. Und nicht hinter jeder plakativen Fassade ist dann tatsächlich eine irritierende und damit lohnende zweite Ebene zu entdecken.

Dennoch scheint Gudrun Brüne in ihren für Coburg ausgewählten Arbeiten, die zumeist aus den letzten fünf bis zehn Jahren stammen, immer wieder auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem schönen Schein. Immer wieder tauchen auf ihren Bildern Masken auf, immer wieder finden sich Puppen - oftmals freilich zerbrochene Puppen.

Regelrechte Zerstörungs-Szenarien baut sie in den letzten Jahren in ihren Bildern auf - eine Mahnung an Massenmord und kriegerische Gewalt. Die Besucher des Pavillons im Hofgarten können mit Gudrun Brüne eine Künstlerin entdecken, die viele Jahrzehnte im Schatten ihres Ehemanns Bernhard Heisig stand und dennoch - bei aller Prägung durch die Insignien der Leipziger Schule - eine eigene Handschrift entwickelte.

Matthias Dämpfle wiederum, dessen Arbeiten im Studio gezeigt werden, ist ein Virtuose im Spiel mit den Erwartungshaltungen des Betrachters. Beton - wer wollte schon als Künstler mit diesem unscheinbaren, spröden, schmucklosen Werkstoff arbeiten. Dämpfle aber demonstriert, dass sich auf Beton tatsächlich malen und vor allem zeichnen lässt.

Mit Hilfe eines Kristallbohrers verwandelt er die polierte Oberfläche des Betons in einen Bildträger. Das Resultat ist verblüffend. Mit feinsten Schattierungen wachsen Zeichnungen aus dem Beton - wenn man als geduldiger Betrachter endlich den richtigen Blickwinkel mit der passenden Beleuchtung gefunden hat.

Raffinierte optische Täuschung

Wenn Dämpfle auf Beton zeichnet, wirkt das Resultat zweidimensional. Andererseits treibt er auf der polierten Betonoberfläche sein Spiel mit der optischen Täuschung. Denn aus der Fläche lässt er zum Beispiel in seiner "Zugang" genannten Arbeit die Illusion einer nach oben führenden Treppe erwachsen.
In immer neuen Kombinationen verbindet er bildhauerisches und zeichnerisches Arbeiten, schafft Skulpturen, deren Wirkung sich aus der Ferne durch die zeichnerisch geformte Oberfläche ergibt. Dämpfle und Brüne - eine spannende deutsch-deutsche Begegnung im Coburger Kunstverein.


Malerei, Zeichnungen und Skulpturen



Kunstverein Coburg Gudrun Brüne - Malerei (Eröffnung: Samstag, 16 Uhr; bis 10. August); Matthias Dämpfle - Betonskulpturen "Concrete" (Eröffnung: Samstag, 16 Uhr; bis 10. August). Musik: Internationale Draeseke Gesellschaft
Öffnungszeiten täglich außer Montag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr -
Kataloge: Gudrun Brüne, 14 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, zwei Euro; Matthias Dämpfle "Dekade", 80 Seiten, gebunden, 20 Euro
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