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Coburg
Besuch

Margot Käßmann lockt in Coburg mehrere hundert Zuhörer an

"Eine Predigt soll erfreuen, bewegen und unterrichten" - das nahm sich Margot Käßmann am Donnerstag auch bei ihrem Vortrag im Haus Contakt zu Herzen. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende ist zurzeit als "Luther-Botschafterin" unterwegs.
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Margot Käßmann kommt zusammen mit Thomas Radermacher und Heidi Schülke (beide von der gastgebenden Bürgerstiftung "leben + weitergeben") in den vollen Saal des Haus Contakt. Foto: Oliver Schmidt
Margot Käßmann kommt zusammen mit Thomas Radermacher und Heidi Schülke (beide von der gastgebenden Bürgerstiftung "leben + weitergeben") in den vollen Saal des Haus Contakt. Foto: Oliver Schmidt
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Martin Luther und Margot Käßmann haben viel gemeinsam: Beide sind engagiert im Glauben, zugleich streitbar und immer bereit, auch mal unbequeme Dinge zu sagen. Es gibt aber auch einen großen Unterschied zwischen ihnen. So ist überliefert, dass Martin Luther während seines (halbjährigen) Aufenthalts auf der Coburger Veste vor allem gesessen und viel gearbeitet sowie auch ordentlich gelesen und getrunken habe - und deshalb in dieser Zeit auch an Körpermasse zulegte. Die kleine und doch so kraftvolle Margot Käßmann war am Donnerstag hingegen nur am Herumlaufen, als sie der Veste einen (einstündigen) Besuch abstattete.

Großer Andrang im "Contakt"

Margot Käßmann, ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und jetzt Luther-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, kennt die Diagnose, die Luthers Arzt nach dessen Coburg-Aufenthalt erstellt haben soll und
stellte lächelnd fest: "Ja, er hätte sich in Coburg auch mal mehr bewegen sollen!" Andererseits: Luther mag sich nicht so sehr bewegt haben, aber dafür hat er viele andere Menschen und ganz besonders die Kirche bewegt. Genau das verbindet ihn dann auch wieder mit Margot Käßmann. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn ihres Vortrags - der von der evangelischen Bürger stiftung "leben + weitergeben" organisiert worden war - gab es im Saal des Haus Contakt keinen Platz mehr. Käßmann zieht. Und Käßmann sollte die hohen Erwartungen auch erfüllen.

Mal sind es grundsätzliche Dinge, die Margot Käßmann zur Kirche sagt. Zum Beispiel: "Eine Predigt soll erfreuen, bewegen und unterrichten" - drei Vorgaben, die Käßmanns Vortrag voll erfüllt. Mal sind es Anekdoten, die die Zuhörer schmunzeln lassen - einmal sächselt Margot Käßmann dabei, einmal versucht sie sich in Schwyzerdütsch. Mal sind es Thesen, die die Zuhörer nachdenklich stimmen - etwa zum Umgang mit Fundamentalisten.

Antwort auf Fundamentalisten

"Fundamentalisten wollen keine Bildung", sagt sie, deshalb sei dies "die stärkste Antwort da rauf: Du darfst fragen!" Fragen etwa, wie die christliche Schöpfungsgeschichte mit der wissenschaftlichen zusammenpasse.
Für das Reformationsjubiläum, das 2017 ansteht, will Margot Käßmann begeistern. Denn mancher würde fragen, ob eine "Spaltung", wie sie da 1517 erfolgte, überhaupt gefeiert werden dürfe. Doch da hält Margot Käßmann dagegen: "Wir sind geradezu verpflichtet, dieses Jubiläum zu feiern!" Es sollte aber auch genutzt werden, um "Kraft für die Zukunft zu schöpfen".

Bibel von Tchibo und Aldi

Aber wie soll oder kann jeder Einzelne das Jubiläum begehen? Margot Käßmann schlägt vor, gemeinsam in der Bibel zu lesen - "und die Tchibo- oder Aldi-Bibel nicht nur schön im Schrank stehen zu lassen". An die Kirchengemeinden appelliert sie, speziell den 31. Oktober - der Reformationstag wird 2017 offizieller Feiertag sein - zu nutzen. Ein Vorschlag: "Man muss nicht immer nach Jerusalem pilgern - wie wär's mal mit einem Stück auf dem Lutherweg?"

Aus dem Publikum wird gefragt, ob Käßmann 2017 vielleicht wieder die "Lutherstadt Coburg" besuche. Die Theologin verrät: "Ihr Oberbürgermeister hat mich schon zur Eröffnung der Landesausstellung eingeladen." Diese hat die Reformation zum Thema und findet 2017 auf der Veste statt.

SPRÜCHE


"Coburg ist die einzige Lu therstadt, in der ich noch nie war."
Margot Käßmann

"Ich habe mal bei einer Veranstaltung - in Augsburg - gesagt, dass Coburg die bedeutendste Luther-Stadt in den alten Bundesländern ist - seitdem nennen die mich einen Hochstapler."
OB Norbert Tessmer

"Luther soll während seines halbjährigen Aufenthalts auf der Veste rund 500 Liter Wein verbraucht haben - allerdings nicht alleine! So hat er die Große Hofstube oft als Festsaal genutzt."
Klaus Weschenfelder, Leiter der Kunstsammlungen auf der Veste

"Als Martin Luther auf der Veste Besuch von Argula von Grumbach bekam, hat er sich mit ihr über das Abstillen bei seiner Frau unterhalten. Ja, er hat das dann Katharina von Bora sogar in einem Brief mitgeteilt. Das müssen Sie sich mal vorstellen!"
Margot Käßmann

"So, jetzt bin ich so ziemlich überall gewesen, wo auch Luther war."
Margot Käßmann os

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