Neustadt bei Coburg
Erinnerungen

"Malo Schulz" und der "Neustadter Humor"

"Malo Schulz" war er als Symbolfigur des Humors bekannt und festigte den Ruf Neustadts, eine fröhliche Stadt zu sein. Vor 150 Jahren wurde er geboren.
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Das Denkmal für den Malermeister Christian Schulz, der mehr unter dem Namen "Malo Schulz" bekannt ist, im heutigen Zustand an der Ecke Eduardstraße/Schützenplatz in Neustadt bei Coburg Foto: Dieter Seyfarth
Das Denkmal für den Malermeister Christian Schulz, der mehr unter dem Namen "Malo Schulz" bekannt ist, im heutigen Zustand an der Ecke Eduardstraße/Schützenplatz in Neustadt bei Coburg Foto: Dieter Seyfarth
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Jede Zeit und jeder Ort bringt seine "Originale" heraus. Eines der beliebtesten Neustadter Originale der vergangenen 150 Jahre ist sicherlich der Malermeister Christian Schulz, der mehr unter dem Namen "Malo Schulz" vor allem vielen älteren Neustadtern ein Begriff ist. Er ist wohl wie kein anderer für den sprichwörtlichen "Neustadter Humor" bekannt. Geboren wurde er am 18. Februar 1869 in Neustadt. Hier lebte er in der Alfredstraße 6. Es war eine Zeit, in der die meisten Neustadter in ärmlichen und bescheidenen Verhältnissen aufwuchsen. Nicht anders erging es dem Maler Schulz, der trotzdem sein nicht von materiellem Reichtum geprägtes Dasein meisterte. Die bitteren Nöte des täglichen Lebens ließen sich mit Humor und Frohsinn besser ertragen. Das war auch seine Lebensphilosophie! Die Kommunikation fand hauptsächlich in den Neustadter Wirtshäusern statt. Das Stammlokal des Malers Schulz war die "Gaststätte zur Erholung" (Merch'n Laura) am oberen Glockenberg. Taglöhner, Rentner, Spielwarenhersteller, Heimarbeiter, Meister und Gesellen trafen sich fast täglich zur Unterhaltung auf ein Bier. Hier - und wie in vielen anderen Wirtshäusern auch - wurden viele lustige Streiche ausgeheckt, aber auch "Pfeile geschnitzt". Viele Witze sorgten immer wieder für Heiterkeit. Die originellen Einfälle des Malers Schulz, seine humorvolle Schlagfertigkeit und sein Witz waren unübertrefflich und ließen ihn somit zum originellsten Neustadter werden. Damit erfreute er nicht nur die Neustadter, nein, auch in den umliegenden Dörfern war er als Symbolfigur des Humors bekannt und festigte den Ruf Neustadts, eine fröhliche Stadt zu sein.

In dem zu Weihnachten 1939 von dem Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold herausgegebenen Büchlein "Vom Maler Schulz und anderen Leuten - eine kleine Stadt und ihr Humor" ist er wie folgt beschrieben: "Der Malo Schulz ist ein kleiner dicker Herr, klein, dick und rund. Kugelrund. Aber ein rühriger Geist steckt in ihm, ein offener Blick guckt aus ihm heraus und Humor hat er auch noch dazu. Rund heraus gesagt - um im Bilde bleiben zu können - dieser kleine, runde, kugelrunde Maler Schulz ist einer, der in die Welt passt, trotzdem er in dieser Welt mehr Platz braucht als jeder andere von uns." An anderer Stelle heißt es: "Und der Maler Schulz hat schon damals einen guten Meter Stoff mehr zu seinem Anzug gebraucht, wie alle anderen Leute, so dick war er."

"Der verkörperte Humor selbst"

Der Neustadter Hans Schüler schreibt in seiner 1949 veröffentlichten Schriftenreihe "Alte Glockenberger Geschichten": "Die größte Berühmtheit erlangte die Glockenberger-Vereinigung endlich, als der unsterbliche Humorist unserer Stadt, der Maler Christian Schulz, in ihrem Kreis auftauchte. Er ist schon von allen Seiten seines Wesens und doch immer unvollständig zu erfassen versucht worden, man hat ihn karikiert und von Kopf bis Fuß beschrieben. Den echten Neustadtern ist er ein Begriff (...). Der kleine Mann mit seinem unbeschreiblichen Bauch, seinen viel zu kurzen Beinen, den abstehenden Ohren und den Schweinsäuglein war der verkörperte Humor selbst. Noch in hundert Jahren wird Neustadt von ihm zu erzählen wissen (...). Sein Witz ist eine Lebensphilosophie gewesen. Wer ihn traf, wurde gefoppt und belustigt."

Dass zahlreiche lustige Einfälle, Geschichten und Begebenheiten um den Maler Schulz festgehalten worden sind, die heute noch in verschiedenen Schriften nachgelesen werden können, ist dem Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold zu verdanken. In diesen erzählt Herold in seiner unnachahmlichen Weise die Geschichten wie zum Beispiel vom "Olboboch von Korboruoth", in der sich der Maler Schulz an zwei Bekannten rächte, und von der "Birkiger Wundersau", "die net zo teuo war, wenn sa Är lechn tät" (siehe weiter unten) oder "Worüm a Ochs khee Bier trinkt", "Weils a - Ochs is!" Diese und andere Geschichten sind in dem von der damaligen Buchdruckerei Patzschke herausgekommenen Büchlein "Vom Maler Schulz und anderen Leuten" sowie in den mehrbändigen Heften "Lachende Heimat im Tornister" enthalten. Diese Hefte bereiteten während des Zweiten Weltkrieges vielen Neustadtern an der Front manch frohe Stunde, ebenso wie die Feldpostbriefe, in denen sich einige humorvolle Gedichte und Geschichten um den Maler Schulz wiederfanden. So sei zum Beispiel die lustige Begebenheit angeführt, als ihm in der Nachbarschaft bei seinem Freund Fritz, bei dem er am liebsten einkehrt, - versehentlich oder absichtlich sei dahin gestellt - aus einer Flasche Baumöl statt einer Flasche "gut alten Wei" (Rebenblut) ein Glas eingeschenkt wird. Die Reaktion vom Maler Schulz darauf: "Pfui Teufel" Himmelsakrament! A Sort'n, wu khee Teufl khennt! Des Zeug, des schmeckt wie Lawotrraa. Dou gett es Schülzla nümmo naa!!"

Auch der Lustige brauchte ab und zu Trost

Emil Herold schrieb nach dem Tod von Christian Schulz (9. Mai 1940), dass ihm, der in Neustadt für so viel Heiterkeit und Frohsinn sorgte, auch oftmals der Kummer plagte. "Nicht selten sei er bei ihm gewesen, als ihm das Herz voll und schwer war und er ist alleweil getröstet von mir gegangen. So ist im 19. Feldpostbrief Nr. 7/8 von 1941 Folgendes nachzulesen: "Wenn er da über sein Schicksal geklagt hat - und sein kugelrundes Bäuchlein ist ihm wirklich Schicksal, hinderndes Schicksal gewesen - , da hab ich ihn mit ein paar Worten immer wieder aufgerichtet: "Sieh, Freund Christian, den anderen geht's gut. Besser wie uns. Die sollten zu ihrem Geldbeutel unser gutes Herz haben." Da fiel er mir regelmäßig ins Wort: "Mir waarsch schö liewo, wenn mir zu unnon gut'n Harz ihr Geldbeutel hätten. Die teeten ihrn Galdbeutel doch vor ihrn guten Harz vosteckeln." - "Lass sein, Freund Christian. Schau, mitnehmen können sie auch nichts. Die sind tot, wenn sie tot sind. Aber Du, Du lebst immer noch unter uns, wenn du schon lange tot bist. Über deinen Humor werden sie noch nach fünfzig Jahren am Biertisch lachen. Da sitzt du dann als guter Geist unter uns."

Und damit hat Emil Herold recht behalten! Noch heute, nach mehr als 50 Jahren nach seinem Tod, werden bei den verschiedensten Anlässen seine lustigen Geschichten vorgetragen. Der 150. Geburtstag wäre wohl auch ein guter Anlass, beim diesjährigen Neustadter Mundartabend den Maler Schulz wieder etwas hochleben zu lassen!

Das Maler-Schulz-Denkmal

Überlegungen, dem Maler Schulz ein Denkmal zu setzen, tauchten bereits in den 1970er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Glockenberger Kreisen auf. Das war naheliegend, denn das "Neustadter Original" war ja ein "Glockenberger" und verkehrte auch regelmäßig im Stammlokal der Glockenberger, der Gaststätte "Zur Erholung" (Merch'n Laura) am oberen Glockenberg. Als 1985 mit den ersten Vorbereitungen für das 100. Vereinsjubiläum begonnen wurde, griff Steinbildhauermeister Kurt Hartan diese Idee auf. Als begeisterter Glockenberger erklärte er sich bereit, den Maler Schulz in voller Lebensgröße als Denkmal zu schaffen. Ein Modell stellte er in der Mitgliederversammlung am 26. April 1986 vor, welches von den Glockenbergern gutgeheißen wurde. Das Maler-Schulz-Denkmal wurde dann im Rahmen des 100. Jubiläums der Glockenberger-Vereinigung am 27. Juni 1987 anlässlich eines großen Straßenfestes feierlich enthüllt.

Allerdings befindet sich das Denkmal am Rektoratsäckerlein schon seit Jahren in einem erbärmlichen Zustand. Die rechte Hand, die den Spazierstock hielt, ist abgebrochen. Der Spazierstock selbst fehlt. Die Nase ist demoliert und der gesamte Körper ist mit Ablagerungen übersät. Kein schöner Anblick! Dabei ist es anlässlich des 100. Vereinsjubiläums der Glockenberger-Vereinigung im Jahre 1987 vom damaligen Vorsitzenden Ernst Kiesewetter an den seinerzeitigen Oberbürgermeister Hellmut Grempel in die Obhut der Stadt Neustadt übergeben worden. Die Stadt Neustadt wäre somit für die Unterhaltung und Instandsetzung des Maler-Schulz-Denkmals zuständig. Aber auch die Glockenberger-Vereinigung als Stifterin sollte ein besonderes Interesse daran haben, dass das Denkmal und die kleine Anlage dauerhaft in Ordnung gehalten werden. Es wäre doch ein schönes Geschenk für den Neustadter Humoristen, wenn er zu seinem 150. Geburtstag wieder "gesund gepflegt" würde. Verdient hätte er es, der Malermeister Christian Schulz!

Und noch eine kleine Geschichte:

Die Birkiger Wundersau

Damals waren die "edlen" Borstentiere genau so gesucht wie heute. Unheimlich teuer waren die Schweine und nach einem Ei hat man damals stundenweit laufen müssen. Da kommt eine Frau aus Birkig auf den Neustadter Markt. Sie hat Läuferschweinchen zu verkaufen. Aber ein Liebhaber nach dem anderen geht kopfschüttelnd weiter, wenn er den Preis hört. "Das ist viel zu teuer!" sagte eine Frau. "Wo anders kriegt man drei dafür!" - "Ja", sagt die Bauersfrau, "ich khaa des Säula nett billigo vokääf. Des kost mich´s salbo. Des Luder hott mo an Gockel g´frassn unn a Henna!" Der Maler Schulz steht in der Nähe und mischt sich in das Gespräch. "Wenn mo wüsst, Fraa", sagt er, "däss die Sau nocho Aär leg´n teet, nocho waar des Säula nett zu teuer!"



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