Coburg
Aktion

Mahnwache: Ein Hundeleben gegen 50 Euro

Tierfreunde in rund 40 deutschen Städten und in ganz Europa organisieren am 8. März Mahnwachen und Lichterketten gegen das Geschäft mit dem Hundemord in Rumänien. Auch Coburger beteiligen sich daran.
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Wer in Rumänien einen Straßenhund einfängt und in sogenannten Tierheimen, die eher Hundebeseitigungsanlagen sind, bekommt eine Prämie von 50 Euro. Foto: dpa
Wer in Rumänien einen Straßenhund einfängt und in sogenannten Tierheimen, die eher Hundebeseitigungsanlagen sind, bekommt eine Prämie von 50 Euro. Foto: dpa
Es wird Jagd auf sie gemacht - aus Profitgründen. Rumänische Straßenhunde haben ein gefährliches Leben. Sie werden eingefangen, in sogenannte Tierheime gebracht und dort getötet, wenn sie nicht innerhalb von 14 Tagen abgeholt werden. Denn einige von ihnen sind gar keine Streuner, sondern haben Besitzer. Die rumänische Regierung zahlt ein Kopfgeld für jeden eingefangenen und abgegebenen Hund. Die offizielle Begründung: Die Hunde seien eine Bedrohung. Am 2. September 2013 wurde ein vierjähriger Junge in Bukarest von einem Hund getötet. Seitdem werden die Straßenhunde gejagt. Und das ist offenbar ein gutes Geschäft. "50 Euro pro Tier bekommen die Hundefänger", erzählt Sabine Bernhardt. Sie hat 2013 von dieser Praxis durch den Bericht der Fernfahrerin Tamara Raab erfahren. "Sie hat eine Spendenaktion organisiert, um den Hunden irgendwie helfen zu können. Und ich wollte so etwas hier auch machen."


Sichtbar ein Zeichen setzen

Bei ihrer Recherche, unter anderem über Facebook, ist sie auf die "Aktion Fair Play Coburg" gestoßen, die unter dem Dach der europaweit tätigen Gruppe "Yes! We Care! Protect the romanian dogs - Schützt die rumänischen Straßenhunde!" agiert. Um auf das Leid der rumänischen Straßenhunde aufmerksam zu machen, das massenweise Töten zu stoppen und die EU zu veranlassen, tätig zu werden, gibt es am Samstag, 8. März, eine europaweite spektakuläre Aktion - auch in Coburg: Von 14 bis 18 Uhr wird beim Stadtcafé eine Mahnwache mit Lichterkette stehen - organisiert durch die "Aktion Fair Play Coburg".

"70 Leute haben sich bisher schon angemeldet", sagt Sabine Bernhardt und hofft darauf, dass sich noch mehr beteiligen. Es soll ein Zeichen gesetzt werden, das auch bei der EU ankommt. Denn die Europäische Union subventioniert indirekt den Hundemord mit. Auf der Homepage von Animal Report ist dazu zu lesen: "Mit bis zu 250 Euro pro Hund fördert die EU die Versorgung rumänischer Straßenhunde. Doch das Geld landet bei korrupten Politikern, die die Hunde töten lassen. Viele Hunde werden auch in Tierhei men untergebracht, um Nachwuchs zu produzieren. Das Geld aus Brüssel soll weiter fließen."

Um möglichst viel Geld mit den Tieren verdienen zu können, werden eingesperrte Hunde zum Teil auch wieder freigelassen, um sie erneut einzufangen und dafür zu kassieren. Dass dies unter anderem mit der schwierigen finanziellen Situation der Menschen in Rumänien zu tun hat, ist auch Sabine Bernhardt klar. Deshalb geht es ihr und den Mitstreitern der Coburger Aktion auch nicht um Bestrafung, sondern um Hilfe für die Tiere. "Man kann eine Patenschaft für einen Hund übernehmen, einen adoptieren oder Futter spenden. Das geht dann mit einer Spedition aus Nürnberg direkt nach Rumänien."


Hilfe für rumänische Tierschützer

Denn auch dort gibt es Tierschützer, die sich für die Straßenhunde einsetzen. Zum Beispiel das Tierheim Smeura. Dort werden die Hunde gefüttert, entwurmt, geimpft, kastriert und auch anderweitig medizinisch versorgt. Das ist teuer. Das heißt, Smeura benötigt auch finanzielle Unterstützung.

Auf all das soll am 8. März hingewiesen werden. "Wir haben Plakate und Flyer vorbereitet und werden Unterschriftenlisten auslegen", erläutert Sabine Bernhardt. "Wir wollen die Menschen für das Leid sensibilisieren." Gefordert wird unter anderem der Stopp von Tötungsaktionen, die Abschaffung von Fangprämien, der Aufbau von Kastrationsprojekten, einheitliche europäische Gesetze und die Kontrolle, dass sie auch eingehalten werden.

Und wie steht der Tierschutzverein Coburg zu der Aktion am 8. März? "Wir sehen das durchaus positiv und einige von uns werden auch an der Mahnwache teilnehmen", sagt die Vorsitzende Sigrid Ott-Beterke. Aber rumänische Hunde aufnehmen könne das Tierheim nicht. Dazu fehle einfach die Kapazität. "Wir haben aber die Poster und Handzettel bei uns ausgelegt."
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