Coburg
Auftritt

Lisztomania in Coburg: Hexenmeister und Poet am Flügel

Lang Lang scheint Konkurrenz aus eigenen Landen zu bekommen! Mit einem reinen Liszt-Abend gastierte Ziyu Liu in Coburg.
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Der junge Klaviervirtuose Ziyu Liu gastierte mit einem virtuosen Programm bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg.Foto: Jochen Berger
Der junge Klaviervirtuose Ziyu Liu gastierte mit einem virtuosen Programm bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg.Foto: Jochen Berger

Ein reiner Liszt-Abend! Der verlangt virtuose Technik bis an die Grenzen des Möglichen, Kraft und Durchhaltevermögen, aber auch Sinn für Poesie und gefühlvollen Anschlag. Alles dies und noch mehr brachte der junge Ausnahme-Pianist Ziyu Liu bei seinem Coburg-Gastspiel im HUK-Foyer mit - ein echtes Klavierwunder aus China!

Einen Großteil des pianistischen Schaffens von Franz Liszt nehmen Paraphrasen über Lieder oder Opernmelodien anderer Komponisten ein. Hiermit wollte er sich keinesfalls mit fremden Federn schmücken, sondern seiner Verehrung für jene Ausdruck verleihen und für ihre Bekanntheit zu sorgen. Drei solcher Paraphrasen hatte Ziyu Liu im ersten Teil auf dem Programm. Technisch noch relativ harmlos ging es in dem Schubert-Lied "Litanei" zu, wo zwar in jeder Strophe Steigerungen stattfanden, aber doch eine lyrische Grundstimmung vorherrschte, welcher der Pianist durch sensible Anschlagskultur und deutliches Hervorheben der Melodie Rechnung trug.

"Du meine Seele"

Schon wesentlich größere Anforderungen stellte die Schumann-Paraphrase "Widmung" ("Du meine Seele, du mein Herz", Text von Rückert), deren gewaltige Steigerungen mit überlegener Treffsicherheit bewältigt wurden. Technisch und umfangmäßig wieder eine Stufe höher waren die "Réminiscenses á Don Juan" von Wolfgang Amadeus Mozart, mit denen Ziyu Liu seinerzeit in Coburg Furore machte. Mit wahrem Feuer und Leidenschaft, brillanter Oktav- und Arpeggientechnik sowie atemberaubenden Läufen stürzte er sich in dieses pianistische Abenteuer, aus dem er abermals siegreich hervorging.

Völlig neue Wege

Eine besondere Herausforderung wartete nach der Pause noch auf den Pianisten - die h-Moll-Sonate von Liszt, die in den Jahren 1849-53 entstand. Sie gehört mit den Sonaten von Reubke und Draeseke zu dem großen Dreigestirn der deutsch-romantischen Klaviersonaten. Formal geht Liszt hier völlig neue Wege in Richtung Fantasie. Höchst beeindruckend war, wie der junge Pianist das Riesenwerk wie aus einem Guss gestaltete und sowohl die Kraft und Technik für die immensen Anforderungen mitbrachte, als auch die lyrischen Passagen mit poetischem Ausdruck gestaltete.

Wer geglaubt hatte, der Pianist wäre am Ende seiner Kräfte angelangt, wurde bei der sogenannten "Zugabe" eines Besseren belehrt.

Es folgte quasi ein dritter Konzertteil mit zunächst einem technisch noch schwierigerem Werk in Gestalt des von Ravel eigenhändig für Klavier bearbeiteten Orchesterwerks "La Valse", das mit frappierender Eleganz und pianistischer Meisterschaft dargeboten wurde, gefolgt von einer atemberaubenden Darbietung der Etüde C-Dur von Chopin.

Ziyu Liu kam, sah und siegte! Begeisterter Beifall und zahlreiche Hervorrufe für den viel versprechenden, bescheiden auftretenden jungen Künstler.

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