Coburg
Kirche

Licht, Holz und ein besonderes Fenster im Heimatring

Die Katharina-von-Bora-Gemeinde hat umgebaut. Das Ergebnis ist im Gottesdienst am 14. Dezember zu bewundern.
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Fundraiserin Patricia Keim, Pfarrer Detlev Juranek, Diakon Rainer Mattern und Textilkünstlerin Birgit Bossert (von links) bewundern den Altar.Fotos: Ulrike Nauer
Fundraiserin Patricia Keim, Pfarrer Detlev Juranek, Diakon Rainer Mattern und Textilkünstlerin Birgit Bossert (von links) bewundern den Altar.Fotos: Ulrike Nauer
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Den Altar noch etwas weiter nach links. Die Leuchten vielleicht noch ein paar Zentimeter höher, schließlich soll das flache, breite Wandkreuz aus Blattgold auch richtig zur Geltung kommen. Von Gold ist allerdings an diesem Freitagmorgen im Kirchenraum der Katharina-von-Bora-Gemeinde im Heimatring noch nichts zu sehen. Doch die blauen Klebestreifen auf den Klinkersteinen - als Markierung für den Vergolder - und der Plan, den der Bildhauer und Künstler Hannes Arnold auf dem Boden ausgebreitet hat, lassen die Dimensionen des Kreuzes schon erahnen. "Die ungewöhnliche Form erinnert an die ausgestreckten Arme Christi", beschreibt Pfarrer Detlev Juranek begeistert. "Sie umfassen quasi die Gemeinde", ergänzt Hannes Arnold.

Seit Mai diesen Jahres ist das Haus der Katharina-von-Bora-Gemeinde Baustelle. Die für das "Demo" so typische Beton-Architektur galt beim Bau Anfang der 70er Jahre als modern, entsprach heute aber längst nicht mehr den Anforderungen. Es gab keinen ordentlichen Eingangsbereich und keine behindertengerechte Toilette. Vor allem aber hatte die Gemeinde - laut Diakon Rainer Mattern "als einzige in Bayern" - keinen eigenen Gottesdienstraum.

"Denkt ein bisschen größer!"

In den letzten Jahren wurde deshalb der Wunsch immer lauter, dass der bis dato genutzte, schlichte Gemeindesaal mehr gottesdienstlichen Charakter erhalten solle. Als sich die Verantwortlichen damit an die Landeskirche wandten, dachten sie eigentlich an einen neuen Altar, ein neues Kreuz, einen neuen Taufstein. Doch die Landeskirche überraschte die Bittsteller: "Denkt ein bisschen größer!" habe man ihnen dort gesagt. Größer, das bedeutet: ein Foyer im Glaskubus, der auf den einstigen Betonblumenkübeln thront, Barrierefreiheit, Licht.

Das Licht fällt nun durch ein ganz besonderes Fenster direkt auf das Goldkreuz und den Taufstein. Die schmalen Glasschlitze an der Ostseite des Gebäudes zur Treppe hin sind Geschichte. Eine große Glasscheibe in Gelb- und Orangetönen holt jetzt die Sonne in den Raum. Die neun bunten Felder nehmen aber nicht nur die Form des Kreuzes auf, sie sind auch übersät mit dem Schriftzug "Vivit" (Zu Deutsch: Er, sie, es lebt).

Das besondere: Der Schriftzug ist in über 300 verschiedenen Handschriften geschrieben. Gegen eine kleine Spende oder eine Dienstleistung konnte jeder sein ganz persönliches "Vivit" auf einen Block schreiben. Hannes Arnold ordnete die Schriften dann kunstvoll an und bannte sie schließlich mit einer sogenannten fototechnischen Sandstrahltechnik aufs Glas.

Wie ein Fels aus Eiche

Hannes Arnold und seinen Kompagnon Klaus-Dieter Eichler hatte die Landeskirche empfohlen. Die beiden Künstler, die gemeinsam das Atelier Arnold und Eichler ("Kunst + Bauen") führen, können 20 Jahre Erfahrung mit weltlichen und sakralen Bauprojekten vorweisen.

Von ihnen stammt auch der Entwurf für den neuen Altar und den Taufstein. Wichtig war Juranek und seinem Team, dass der Altar "Wort und Sakrament vereint". Die Künstler beherzigten diesen Wunsch und setzten das abgeschrägte Rednerpult direkt an die Ecke des Altars. Arnold verwendete für das 500-Kilo-Ensemble Eichenholz - "ausschließlich Stirnholz", wie er betont. Dadurch verschmilzt der Altar, der unregelmäßig wie ein Felsen geformt ist, regelrecht mit dem Boden, der aus ähnlichem Holz besteht.

Damit ist auch gleich der zweite Wunsch erfüllt: Der Liturg sollte den Zuhörern nicht übergeordnet erscheinen, sondern ihnen auf einer Ebene begegnen. "Die Gemeinde schätzt eben die Nähe", sagt Juranek schmunzelnd. Die Kanzel über dem Altar wäre aber schon baulich gar nicht machbar gewesen.

In wenigen Tagen können sich die Gemeindemitglieder ihr eigenes Bild machen - beim Gottesdienst am 14. Dezember. Allerdings müssen die Besucher dann noch auf den alten blauen Stühlen sitzen. Fundraiserin Patricia Keim: "80 neue Stühle - das ist dann auch schon unser nächstes Projekt."
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