Ebersdorf
Berufswahl

Leon Grundig hat als Hahn im Korb Freude an der Arbeit in einem "Frauenberuf"

Immer mehr junge Frauen und Männer entscheiden sich für typische Berufe des anderen Geschlechts. Leon Grundig wird Zahnmedizinischer Fachangestellter.
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Leon beim Zurechtlegen der Instrumente für seinen Chef, den Zahnarzt Foto: Alexandra Kemnitzer
Leon beim Zurechtlegen der Instrumente für seinen Chef, den Zahnarzt Foto: Alexandra Kemnitzer

Der 17-jährige Ebersdorfer Leon Grundig startete in diesem Monat in sein zweites Ausbildungsjahr zum Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA). Und viele Patienten finden es gut, dass es in der Ebersdorfer Zahnarztpraxis einen Jungen gibt, der sich für den Beruf des ZFA entschieden hat. Wie seine Kolleginnen hat auch Leon einen "Draht" zu den Patienten.

Weil er gerne etwas mit Menschen machen wollte, war sein eigentliches Berufsziel Erzieher. Durch ein Praktikum bei seinem heutigen Chef Gabriel Hannig schnupperte er aber "Zahnarztpraxis-Luft". "Schon alleine vom Zuschauen fand ich diesen Beruf superinteressant", erinnert sich der junge Mann noch genau an die Praktikumstage. Als diese zu Ende waren, füllte Gabriel Hannig den Bogen für die Schule aus und kreuzte an, dass der Jugendliche gute Chancen hätte, wenn er sich bei ihm um einen Ausbildungsplatz bewerben würde. Diese Perspektive nutzte Leon und bewarb sich.

"Im Praktikum waren wir von Leons Interesse und Einsatzfreude recht angetan. Deshalb hat es für mich keine Rolle gespielt, dass er männlich ist", erklärt Gabriel Hannig.

Nach dem Einstellungsgespräch bekam Leon die Zusage und musste somit nur eine Bewerbung schreiben. "Das war quasi der Jackpot für mich", betont der 17-Jährige. Auch wenn seine Freunde es sich nicht vorstellen können, als ZFA tätig zu sein, wirbt Leon eifrig für dieses Tätigkeitsfeld: "Für mich sind die Zähne das Interessante an diesem Beruf." Was alles im Mund vor sich geht, fasziniert ihn, auch das Zahnziehen. Schließlich gehört nicht nur die Sauberkeit der Zähne oder die Mundhygiene zu den Aufgaben eines ZFA, sondern beispielsweise auch die Assistenz bei einer Wurzelbehandlung, beim Bohren oder Füllen eines Zahns.

Die Arbeit macht ihm Spaß

Nachdem ein weiterer Auszubildender zum Zahnmedizinischen Fachangestellten vor einigen Monaten die Segel gestrichen hat, ist Leon in seiner Berufsschulklasse der einzige Schüler. Dort ist er zwischenzeitlich "angekommen", denn anfänglich war für ihn die Situation ungewohnt, obwohl er sich sonst gern mit dem "weiblichen Geschlecht" unterhält. Seinen Entschluss hat er nicht bereut, denn die Arbeit macht ihm Spaß. "Auch beim Zahnarzt gibt es oftmals etwas zu lachen, wenn ich zum Beispiel als Hahn im Korb bezeichnet werde", erklärt Leon mit einem breiten Grinsen. Auch im Praxisteam ist der Ebersdorfer voll eingebunden und kann sich über seine Kolleginnen nicht beschweren.

Um seine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, muss der Ebersdorfer viel lernen und sich unter anderem mit zahlreichen lateinischen Begriffen auskennen oder seinem Chef die richtigen Instrumente, die er für die Behandlung benötigt, hinlegen. Zudem ist ein zuverlässiges Arbeiten unerlässlich, denn wenn der Chef beispielsweise einen Zahn gefüllt hat, muss das, wie alle anderen Behandlungen auch, in die Patientenkartei eingetragen werden. Ein schlampiges oder unzuverlässiges Arbeiten ist hier nicht akzeptabel.

Stark variierende Gehälter

Trotz all der vielen schönen Facetten des Berufs hat sich Leon Gedanken über das Finanzielle gemacht, nachdem er von vielen Seiten darauf angesprochen wurde, dass damit keine Reichtümer zu verdienen seien. Hinzu kommt, dass es für ZFA in Bayern keinen Tarifvertrag gibt. Das Gehalt variiert deshalb nach der Ausbildung stark. Auch wenn sich viele Zahnärzte an den tariflichen Vergütungen anderer Bundesländer wie zum Beispiel Hessen orientieren, müssen sie das nicht. Eine einheitliche Regelung wäre deshalb sinnvoll. Schließlich ist die Differenz der Gehälter beachtlich: Zwischen den verschiedenen Bundesländern gibt es Unterschiede von bis zu 25 Prozent. Hinzu kommt, dass im Tarifvertrag nicht nur das Einstiegsgehalt abgebildet ist, sondern auch die Gehaltsentwicklung nach den geleisteten Berufsjahren beziehungsweise den absolvierten Weiter- oder Fortbildungen.

Weiterqualifizierung im Sinn

Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel würde sich eine einheitliche Regelung positiv auswirken, denn ein Abwandern der ZFA in andere Bundesländer aufgrund des dort besseren Gehalts wäre dann nicht mehr notwendig.

Nach seiner Ausbildung will Leon der Sparte treu bleiben, sich aber weiterqualifizieren und in einer zweijährigen Ausbildung Zahntechniker werden.

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