Coburg
Umweltschutz

Leise surrt er durch die Stadt - E-Bus-Test in Coburg

Die Städtischen Werke Coburg testen einige Tage lang einen Elektro-Stadtbus. Am Sonntag sind die Fahrten gratis.
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Mit den geladenen Gästen gab es am Freitagvormittag im Solaris-E-Bus eine Tour durch die Innenstadt. Am Steuer saß SÜC Fahrdienstleiter Hubert Dehler.  Foto: Christoph Winter
Mit den geladenen Gästen gab es am Freitagvormittag im Solaris-E-Bus eine Tour durch die Innenstadt. Am Steuer saß SÜC Fahrdienstleiter Hubert Dehler. Foto: Christoph Winter

Nur das Abrollgeräusch der Reifen verkündet: Hier kommt ein Bus. Die üblichen Motorengeräusche des Diesel- oder Erdgasaggregats gibt es bei dem Solaris-Stadtbus aus polnischer Fertigung nicht, ebensowenig ein Ruckeln, wenn das Getriebe in einen höheren Gang schaltet. Der Bus fährt mit Elektroantrieb.

Am Freitag hat die SÜC "Elektromobilität greifbar" gemacht, so Geschäftsführer Wilhelm Austen. Der Solaris Urbino 12 electric fährt seit vergangenem Mittwoch auf der Linie 1 und am Samstag auf der Linie 5. Am Sonntag kann jeder E-Mobilität erleben - und zwar gratis. Der E-Bus fährt zu verschiedenen Zeiten auf unterschiedlichen Linien. Beim Zustieg in den E-Bus erhalten die Fahrgäste ein kostenloses E-Bus-Ticket, welches in jedem anderen SÜC-Bus für die Heimfahrt gilt.

Die sechs Verkehrsunternehmen in den Städten Aschaffenburg, Bamberg, Bad Reichenhall, Passau, Landshut und Coburg haben sich für die Erprobung von E-Bussen zusammengetan, um gemeinsam den Öffentlichen Personennahverkehr klimaneutral und nachhaltig zu gestalten. Dazu aber sind nach den Worten von Raimund Angermüller, dem Leiter der SÜC-Verkehrsbetriebe, Fördermittel unabdingbar. "Nur mit entsprechender Förderung kann die Finanzierung der hohen Investitionen zum Einstieg in die Elektromobilität im ÖPNV geschaffen werden." Der dafür notwendige "finanzielle Kraftakt" sei von kleinen und mittleren Verkehrsbetrieben nicht zu stemmen. Angesichts des Klimawandels und Dieselskandals mit geschönten Messwerten würden sich die Stadtwerke einem umweltfreundlichen ÖPNV nicht verschließen. Die SÜC forcierten in Coburg eine nachhaltige Mobilität. "Früher wurde das Augenmerk auf die Kosten, den Treibstoffverbrauch und die Reichweite gelegt. Heute stehen die ökologischen Aspekte im Vordergrund."

Der Fuhrpark des Versorgungsunternehmens umfasst bislang 20 E- und Hybridfahrzeuge. Den ersten elektrisch betriebenen Kleinwagen beschaffte die SÜC im Jahr 2011, "und er fährt immer noch", so Raimund Angermüller. Stadtbusse wie der Solaris Urbino sind nach den Worten des Verkehrsbetriebsleiters bislang mit Einschränkungen im täglichen Linienverkehr einsetzbar. In der kalten Jahreszeit werden rund 40 Prozent für die Heizung gebraucht. Schließlich entweicht Wärme aus dem Fahrzeug beim Stopp an jeder Haltestelle. Auch die Topografie, also wie hügelig die Strecke ist, hat Auswirkungen auf die Reichweite. Ob der Bus in der Wartung im Vergleich zu den Diesel- oder Erdgas getriebenen Fahrzeugen günstiger ist, wird die Erprobung in den sechs Verkehrsbetrieben zeigen.

"Eine Vorbildfunktion"

Bürgermeister Thomas Nowak erklärte, auch im Namen von Landrat Sebastian Straubel, die SÜC nehme bei der emissionsfreien Mobilität eine Vorbildfunktion ein. Staatliche Mittel seien nötig, um die Energiewende zu bewältigen.

Die Stromspeicher werden nach den Worten von Raimund Angermüller immer leistungsfähiger und vertragen auch höhere Ladekapazitäten. "Heute sind 300 Kilowatt normal, Schnellladesäulen haben eine Kapazität von 600 Kilowatt." Allerdings belasteten diese Leistungen die Batterien. Eine Entwicklung ziele auf E-Mobilität, wobei die Batterien ständig mittels einer Brennstoffzelle nachgeladen werden. Das schaffe Alltagstauglichkeit.

Der E-Bus wurde mit einem Tieflader vor einigen Tagen aus Wien nach Coburg gebracht.

Der Solaris-E-Bus - technische Daten

Aufladen Mit einem externen Ladegerät sind die Akkumulatoren in etwa 2,5 Stunden wieder voll, einen halben Tag dauert es mit dem fahrzeugeigenen Ladegerät.

Reichweite zwischen 100 und 200 Kilometern Fahrstrecke bei einer Höchstgeschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde

Gewicht Der E-Bus bringt 2,5 Tonnen mehr auf die Waage als die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Fahrgäste 64: 80 bis 90 Fahrgäste sind im Diesel- oder Erdgasbus möglich.

Kosten Der in Coburg fahrende E-Bus kostet rund 550 000 Euro, ein Stadtbus mit einem Dieselmotor der Schadstoffklasse 6 ist für 210 000 Euro zu haben. cw

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