Coburg
Ausbildung

Lehre und Studium in Coburg verbinden

Handwerkskammer Oberfranken möchte ihren Ausbildungsstandort Coburg nicht ganz aufgeben. Eine Idee: Mit Partnern einen "innovativen Lernort"schaffen.
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Die Hochschule Coburg, die Universität Bamberg und die Handwerkskammer Oberfranken wollen Fachleute der Denkmalpflege ausbilden, die sowohl Theorie als auch Praxis der Denkmalpflege beherrschen. Hier ein Steinmetz beim Scharrieren eines Schmucksteins.CT-Archiv/Ruppert
Die Hochschule Coburg, die Universität Bamberg und die Handwerkskammer Oberfranken wollen Fachleute der Denkmalpflege ausbilden, die sowohl Theorie als auch Praxis der Denkmalpflege beherrschen. Hier ein Steinmetz beim Scharrieren eines Schmucksteins.CT-Archiv/Ruppert

Die Handwerkskammer Oberfranken will sich in Coburg nicht ganz vom Thema Aus- und Weiterbildung verabschieden. Im Frühjahr gab es innerhalb der Kammer erheblichen Ärger, weil das Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) am Floßanger mittelfristig geschlossen werden soll. Hier werden Auszubildende überbetrieblich geschult: Angehende Maurer, Maler, Kfz-Mechaniker, Elektroniker, Friseure, Feinwerkmechaniker, Metallbauer und Bäcker lernen hier. Azubis etlicher anderer Berufe müssen jetzt schon zu weiter entfernt gelegenen überbetrieblichen Ausbildungsstätten fahren.

Vier solche BTZ betreibt die Handwerkskammer in Oberfranken. Das sei eines zu viel, sagt der Bund, der diese BTZ zu 75 Prozent fördert. Fallen soll Coburg, neu gebaut werden in Bamberg.

Dagegen haben einige der hießigen Handwerker Front gemacht, und vor diesem Hintergrund präsentierte Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer bei der Vollversammlung Anfang Juli die Idee eines "innovativen Lernorts" für Aus- und Weiterbildung in Coburg, der von der Handwerkskammer und weiteren Partnern gemeinsam genutzt wird. Außerdem soll dieser Lernort die Möglichkeit bieten, Innungsversammlungen und Gesellenprüfungen abzuhalten. Die Vollversammlung erteilte prompt den Auftrag, ein "langfristig tragfähiges und finanzierbares Konzept für den Standort Coburg" zu entwickeln, wie die Handwerkskammer mitteilt.

Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU), dem diese Idee vorgetragen wurde, griff sie sogleich auf und forderte, dass die Stadt für diesen Lernort ein Grundstück zur Verfügung stellen müsse - und zwar am besten im Bereich ehemaliger Schlachthof/Güterbahnhof. Doch so weit ist die Handwerkskammer offenbar selbst noch nicht. Präsident Thomas Zimmer spricht von "ersten Überlegungen". Derzeit würden Gespräche geführt mit möglichen Bildungspartnern, dem Handwerk vor Ort, möglichen Fördergeldgebern und der Politik.

Nun hat die Handwerkskammer mit dem BTZ Flächen im Floßanger zur Verfügung, die sie dafür nutzen könnte. Dieses Grundstück könnte theoretisch in Frage kommen, sagt Zimmer. "Aber das sind Detailfragen, die erst sehr viel später zum Tragen kommen würden." Entscheidend sei, dass der Standort "ein kreatives und offenes Milieu" habe.

In seiner Rede in der Vollversammlung hatte Zimmer konkret von einer Kooperation mit der Hochschule Coburg gesprochen und als Beispiel die gemeinsame Nutzung von Werkstätten genannt.

Denn auch, wenn der "innovative Lernort" noch Zukunftsmusik ist, werden Hochschule Coburg und Handwerk intensiv zusammenarbeiten: Die Hochschule plant gemeinsam mit der Universität Bamberg und der Handwerkskammer für Oberfranken einen Bachelorstudiengang "Bauerhalt und historische Werktechnik".

"Die Studierenden würden sowohl in Coburg als auch in Bamberg lernen und gemeinsame Werkstätten mit den Auszubildenden der Handwerkskammer nutzen", teilt Madelaine Ruska von der Pressestelle der Hochschule mit. Der Studiengang solle in Kombination mit einer betrieblichen Ausbildung, absolviert werden können ("duales Verbundstudium").

Vom Azubi zum Studierenden

Infrage kommen Ruska zufolge dafür Handwerksberufe, "die mit Fragen der Denkmalpflege, Restaurierung, Bauen im historischen Bestand und so weiter zu tun haben". Die Hochschule wolle dadurch den Austausch mit der Handwerkskammer fördern und den Übergang von der Ausbildung zum Studium erleichtern. "Eine solche Kooperation wäre in unserer Region und vermutlich auch deutschlandweit einzigartig."

Der Güterbahnhof als gemeinsamer Standort für Hochschule und Handwerkskammer würde sehr gut passen, erklärt Ruska weiter. "Auch durch die Nähe zum Campus Design. Dort werden ja bereits zwei Master-Studiengänge - nämlich Digitale Denkmaltechnologien und Denkmalpflege - in Kooperation mit der Universität Bamberg angeboten." Außerdem betreibt die Hochschule Coburg im ehemaligen Schlachthof schon ihre "Creapolis", die ebenfalls Werkstätten vorhält ("Maker Space").

Die Hochschule habe die nötigen Mittel für den neuen dualen Studiengang schon für den Nachtragshaushalt 2019/20 angemeldet. Ruska: "Jetzt hängt es von der Politik ab, ob wir die Unterstützung und nötigen Ressourcen dafür auch bekommen."

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