Coburg
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Landratswahl Coburg: Warum war die Wahlbeteiligung sehr schlecht?

Die erste Runde auf der Suche nach einem Landrat ist vorüber. Alle Beteiligten rätseln, warum so wenige Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.
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Landratswahl in Coburg: Sebastian Straubel (CSU, links) und Martin Stingl (SPD) stehen sich bei der Stichwahl am 10. Februar gegenüber.Fotos: Ronald Rinklef/Archiv
Landratswahl in Coburg: Sebastian Straubel (CSU, links) und Martin Stingl (SPD) stehen sich bei der Stichwahl am 10. Februar gegenüber.Fotos: Ronald Rinklef/Archiv

Das Potenzial ist da: Weit mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ist am Sonntag bei der Wahl zum Landrat daheim geblieben. Wer die motiviert, kann der neue Coburger Landrat werden. In Zahlen: 38101 von 70879 Wahlberechtigten müssen, können noch überzeugt werden - von Sebastian Straubel (CSU/Landvolk) oder Martin Stingl (SPD), den zwei Kandidaten, die es in die Stichwahl geschafft haben.

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Wähler in den großen Kommunen am Ende höchstwahrscheinlich ausschlaggebend für den Ausgang der Wahl sind. Die fünf größten Stimmbezirke (Neustadt, Rödental, Bad Rodach, Ebersdorf und Weitramsdorf) stellen zusammen weit mehr als die Hälfte der insgesamt Wahlberechtigten. Die Frage ist nur: Wie bringt man sie zur Wahl? In Neustadt lag die Wahlbeteiligung zum Beispiel nur bei gut 40 Prozent, da ist also noch Luft nach oben. Spitzenreiter war Seßlach mit über 70 Prozent Wahlbeteiligung (sicher "dank" der Bürgermeisterwahl) - so hoch wird der Wert in zwei Wochen aber sicher nicht mehr liegen.

"Gerade bei der Wahlbeteiligung spielen sehr viele verschiedene Bedingungen eine Rolle. So kann das Wetter am Wahltag eine Rolle spielen, nicht wählen zu gehen", sagt CSU-Kandidat Sebastian Straubel. Aber auch die Tatsache, dass erst vor wenigen Monaten Landtags- und Bezirkstagswahlen waren, hat nach Straubels Einschätzung nach Einfluss auf die Motivation, schon wieder an einer Wahl teilzunehmen, genommen. Ein "hohes Gut", sagt Straubel, seien freie und unabhängige Wahlen. Deshalb erhofft er sich in zwei Wochen eine möglichst hohe Wahlbeteiligung - damit kann "ein aussagekräftiger Wille der Menschen" ausgedrückt werden.

Auch Martin Stingl (SPD) weiß nicht so recht, wo die Gründe für das Desinteresse der Bevölkerung liegen. Am ehestens kann der Landratskandidat die Zahlen noch daraus ableiten, dass sich nach den zurückliegenden überregionalen Wahlen "eine gewisse Frustration" breit gemacht habe. Aber dass die Menschen beim Landrat, also einem Amt mit hoher lokaler Verbundenheit, ihre Stimme nicht abgeben, ist für Stingl bedauerlich: "Wir sprechen von einer Wahlbeteiligung, die uns nicht zufriedenstellen kann." So ganz überraschend, sagt der dritte Bürgermeister der Stadt Neustadt, sei der Negativtrend aber auch nicht gekommen. Stingl erinnert an die Kommunalwahl 2014, bei der - trotz voller Bandbreite mit Landrats-, Bürgermeister-, Kreistags- und Gemeinderatswahlen - auch nur knapp über 60 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Da kommt Stingls Wunsch zur Wahlbeteiligung am 10. Februar nicht überraschend: "Wesentlich höher als am Sonntag."

Die Sache kommt nicht billig

Auffällig niedrig war die Beteiligung in Dörfles-Esbach: Dort gab nur jeder dritte Wahlberechtigte seine Stimme ab. "Bei unserer Bürgermeisterwahl 2011 lagen wir auch nur bei 34,9 Prozent", erzählt Bürgermeister Udo Döhler (UBV) auf Nachfrage - und man spürt, dass ihn dieses Desinteresse umtreibt. "Die Verbundenheit" ist es, was der Bürgermeister als fehlendes Element ausgemacht hat. Natürlich liege dieses Defizit auch an der Struktur der Gemeinde mit vielen Neubürgern und größeren Block mit vielen Mietwohnungen. Da sei es wohl so, dass sich da nur wenig Interesse am kommunalpolitischen Geschehen entwickele. Beim Blick auf die Stichwahl zum Coburger Landrat ist Udo Döhler auch ganz und gar nicht optimistisch: "Da wird sie noch niedriger als am Sonntag ausfallen. Und ich finde das echt schlimm." Schließlich sei die lokale Ebene für die Menschen noch der Bereich, in dem für die Menschen sichtbare Entscheidungen getroffen werden.

Für den Landkreis Coburg ist die Suche nach einem neuen Landrat übrigens eine finanziell nicht unerhebliche Angelegenheit. Knapp eine Viertelmillion Euro, sagt Pressesprecher Dieter Pillmann nach einem Blick in die Haushaltsunterlagen, sind als Ausgaben für die beiden Wahlgänge eingeplant. Der größte Block dabei ist die Entschädigung für sämtliche Helfer in den 155 Wahllokalen quer durch den Landkreis. Die Höhe des jeweiligen "Erfrischungsgeldes" bestimmen zwar die Kommunen - aber bezahlt werden muss es vom Landkreis. Der ist schließlich "Auftraggeber" der Wahl.

Die Landratswahl - und was noch kommen könnte

Stichwahl Die zweite Runde der Wahl zum neuen Coburger Landrat findet am Sonntag, 10. Februar, statt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Und dann? Sollte Sebastian Straubel als Sieger der Stichwahl hervorgehen, würde die Rechtsaufsicht am Coburger Landratsamt einen Termin für die Wahl zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Lautertal festlegen. Dieser müsste spätestens drei Monate nach dem Ausscheiden des amtierenden Bürgermeisters liegen - also etwa Mitte Mai.

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