Rödental
Interview

Landkreis Coburg: Eine starke Frau mit einem großen Ziel

Miriam Krug kommt aus Rödental und will die CrossFit-Welt erobern.Obwohl sie täglich sehr hart trainiert, hat sie nicht nur Sport im Kopf.
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Miriam Krug Felix Hoffmann / www.felixsamuelhoffmann.com
Miriam Krug Felix Hoffmann / www.felixsamuelhoffmann.com
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Mit ihren gerade mal 25 Jahren kann Miriam Krug bereits einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen. Aufgewachsen im Rödentaler Stadtteil Waldsachen (Landkreis Coburg), machte sie Abitur am Arnold-Gymnasium Neustadt und studierte in Hamburg Sport- und Eventmanagement. Sie sammelte Erfahrungen als Trainee beim HSC 2000 Coburg, schnupperte als Praktikantin journalistische Luft in der Redaktion des Coburger Tageblatts und arbeitete bis Juli 2018 für das CrossFit-Onlinemagazin "Boxrox". Nach einem Auslandssemester in London und einer Tätigkeit in der Eventagentur von Adidas hat sie nunmehr ihren Bachelor in der Tasche. Seit August arbeitet sie als Sales-Manager bei Barebells Functional Fitness Foods in Berlin. Doch die Arbeit ist nur der eine Teil von Miriam Krugs Leben - der andere ist der Sport.

Coburger Tageblatt: Sie haben 16 Jahre lang Fußball gespielt, erst in Eicha, dann in Reitsch. Heute stemmen und wuchten Sie Gewichte. Wie kam es zum Wechsel zu CrossFit?
Miriam Krug: Ich habe auch schon früher regelmäßig Krafttraining gemacht. Ich hatte da oft das Gefühl, mental und körperlich an meine Grenzen zu stoßen, was wiederum sehr mit der Intensität zu tun hatte. Das war für mich eine Herausforderung! Eines Tages bin ich in eine CrossFit Box in Bamberg gegangen, und es hat mir sofort gefallen. Mir macht es Spaß, mich zu verausgaben! Es ist mir schwer gefallen, als ich Anfang 2017 mit dem Fußball aufgehört habe. Aber ich wollte mich auf eine Sache konzentrieren.

Vermutlich hätten Sie auch kaum mehr Zeit für Fußball, denn für Cross-Fit trainieren Sie sehr viel.
Ja. Seit dem Frühjahr 2017 trainiere ich sechsmal in der Woche. Montag bis Freitag stehe ich um 4.45 Uhr auf, um vor der Arbeit noch im Studio meine zweistündige Einheit absolvieren zu können. Zweimal in der Woche lege ich auch immer noch eine zweite Trainingseinheit ein. Donnerstags wird gelaufen. Nur samstags erlaube ich es mir, morgens etwas länger zu schlafen - trainiert wird dann später, außerdem gehe ich noch schwimmen. Sonntag ist Restday - Ruhetag!

Als Fußballerin spielten Sie in einem Team. Wie schwer war die Umstellung auf einen Einzelsport, noch dazu auf so einen speziellen?
Stimmt, das war eine komplette Umstellung. Und sie ist mir am Anfang auch nicht leicht gefallen. Denn bei CrossFit stößt man extrem schnell an seine Grenzen. Ich war oft frustriert, und es sind auch Tränen geflossen. Aber inzwischen weiß ich, wenn ich einen schlechten Tag habe, dass ich mich auf meine langfristigen Ziele konzentrieren und einfach immer weitermachen muss.

Wie hat Ihr Umfeld auf diesen Wandel in Ihrem Leben reagiert?
Ich bin sehr froh, meinen Bruder zu haben, weil er ähnliche Ziele im Bodybuilding verfolgt und wir uns oft gegenseitig motivieren. Mein Papa versteht zwar nicht so ganz, was ich da mache - aber es ist schön für mich zu sehen, dass er versucht, mich zu unterstützen und immer nachfragt. Ich kenne viele, bei denen die Eltern nicht verstehen, was wir machen und es sie auch nicht interessiert, obwohl es das ist, das den größten Teil in unserem Leben einnimmt.

Was stößt auf Unverständnis?
Viele meinen, dass es doch für eine Frau nicht gut sein könne, so schwere Gewichte zu heben. Andere können nicht verstehen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke oder mein Essen ganz genau checke.

Was bedeutet "Essen checken"?
Ich wiege mein Essen und achte auf die richtige Zufuhr von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Außerdem nehme ich pro Tag nie mehr an Kalorien zu mir als ich am selben Tag beim Sport verbrenne - in der Regel sind das 3000 Kalorien. Also muss ich genau rechnen. Aber ganz egal, was andere sagen und denken: Ich ziehe das durch!

Woher nehmen Sie den Ehrgeiz, das alles durchzuhalten?
Ich habe ein Ziel, und das will ich erreichen: Ich will in CrossFit eines Tages zu den Besten in Deutschland gehören. Aber nochmal zum Essen: Klar, ich esse sehr viel Obst und Gemüse sowie Reis und Fisch. Und kaum Milchprodukte. Aber Fleisch gibt es schon auch mal. Grundsätzlich versuche ich, verarbeitete Lebensmittel zu vermeiden. Aber bei mir gilt vor allem die 80-20-Regel. Die besagt, dass man am Tag 80 Prozent gute und nährstoffreiche Lebensmittel zu sich nehmen sollte. Dann dürfen die anderen 20 Prozent auch nicht so gut sein.

Oh, für was nutzen Sie das dann aus? Für eine Coburger Bratwurst?
Ja, auch die gönne ich mir mal, wenn ich zu Besuch in der Heimat bin. Aber ansonsten auch gerne Eis oder Schokolade.

Frauen setzen oft auf eine Diät, um ihren Körper in Form zu bringen.
Ich bin der Meinung, man sollte nicht in diese Falle geraten, einfach nur weniger zu essen. Das hat negative Folgen für den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt.

Ihr Körper hat sich seit Ihrer Zeit als Fußballerin - im wahrsten Sinne des Wortes - kräftig verändert. Wie zufrieden sind Sie damit, und wie hat auch darauf wiederum Ihr Umfeld reagiert?
Ich habe durch CrossFit meinen Körper besser kennen und endlich lieben gelernt. Die Gesellschaft hat leider ein bestimmtes Bild, wie eine Frau aussehen sollte: dünn - und zu viele Muskeln gelten bei Frauen als hässlich. Deshalb bin ich auch schon oft angeeckt.

Wie zum Beispiel?
Leute sagen, dass ich wie ein Mann aussehe. Oder dass mein
Bizeps ja größer sei als bei einem Mann. Und manche fragen, ob ich wohl Testosteron nehme. Das hat mich anfangs sehr geärgert, aber inzwischen stehe ich darüber. Mein Köper hat mit harter Arbeit zu tun. Und es ist extrem viel Geld für Essen drauf gegangen, um so auszusehen!

Außerdem hilft das große Ziel?
Ja, wir Menschen brauchen doch alle ein Ziel im Leben. Denn: Wir leben nur einmal! Ich habe ein Ziel, und ich ziehe es durch. Und ich habe Kontrolle über die Dinge wie Ernährung und Training, die meine Leistung extrem beeinflussen, also gebe ich hier 100 Prozent, um mir am Ende keine Vorwürfe machen zu können, wenn es nicht geklappt hat.


Hintergrund CrossFit


Die Sportart Miriam Krug macht sich nichts vor: "Viele denken, dass es bei CrossFit nur darum geht, Gewichte herumzuschmeißen." Dabei ist CrossFit letztlich ein abwechslungsreicher Mix aus sehr vielen anderen Sportarten ist. Es gehört auch Gewichtheben dazu - aber eben auch Elemente aus der Leichtathletik oder dem Turnen. Hinter CrossFit steht eine gleichnamige Firma aus den USA, die CrossFit sowohl als "Fitnesstrainingsmethode" vertreibt als auch Wettkämpfe organisiert. Grundsätzliches Ziel von Cross-Fit ist es, den jeweiligen Sportler in verschiedenen Fitnessdisziplinen ausgewogen zu entwickeln. Dazu zählen etwa Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Balance.

Die Wettkämpfe Jeder Wettkampf ist anders. Der Ausrichter gibt eine Mischung aus Herausforderungen vor. Als Miriam Krug jüngst ihren ersten Wettkampf in der Elitekategorie absolvierte, standen am ersten Tag zum Beispiel ein Zwei-Kilometer-Lauf sowie 700 Meter Schwimmen auf dem Programm. Am zweiten Tag folgten unter anderem Gewichtheben und Hochklettern an einem Seil. Übrigens: Miriam Krug belegte unter 30 Teilnehmern den sechsten Platz.

Die Folgen Miriam Krug ist begeistert von CrossFit. "Es ist ein ganzheitliches Training", sagt sie, "es werden alle Muskeln trainiert, und dadurch lerne ich meinen Körper besser kennen." Zum Spaß kommt noch die Gesundheit: "Ich war seit über einem Jahr nicht mehr krank und fühle mich auch insgesamt leistungsfähiger. Meine Körperhaltung halt sich ebenfalls verbessert."


Die Sache mit der Ernährung

Miriam Krug hat sich, wie sie erzählt, schon immer für gesunde Ernährung interessiert. Jetzt, da sie CrossFit betreibt, kommt der Ernährung noch einmal eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn um alle Muskeln im Körper zu stärken, trainiert die 25-Jährige nicht nur regelmäßig, sondern hält sich auch eisern an verschiedene Ernährungsregeln. Wie sieht so ein Tagesablauf bei der 1,65 Meter großen und 63 Kilogramm schweren Frau aus? Sie erzählt:

- "Ich trinke nur schwarzen Kaffee und Wasser."
- "Nach dem Aufstehen und vor dem ersten Training gibt's einen Protein-Shake mit Banane - ohne Milch!"
- "Nach dem Training mache ich mir ein Oatmeal; dazu werden Haferflocken und Chiasamen in Zimt und Wasser aufgekocht - dazu kommen Blaubeeren und Nüsse oder auch mal Erdnussbutter."
- "Mittags esse ich als Kohlenhydratquelle Reis, Bulgur, Buchweizen oder Süßkartoffeln sowie drei Handvoll Gemüse. Auch Lachs steht mal auf dem Speiseplan."
- "Als Snacks zwischendurch esse ich einen Apfel, eine Banane, Quinoa oder einen Kichererbsen-Salat."
- "Als Abendessen mache ich mir zum Beispiel eine Gemüsepfanne, in Öl angebraten mit zwei Eiklar und zwei Eiern mit Vollkornbrot. Wenn ich aber abends lieber Lust auf was Süßes habe, gibt es Magerquark mit ganz viel Obst, vier Stücke Zartbitterschokolade oder selbstgemachten Milchreis mit Blaubeeren und Zimt."

Grundsätzlich ist Miriam Krug der Meinung: "Kohlenhydrate sind nicht böse oder schlecht. Sie sind wichtig, und wir werden davon nicht einfach so dicker. Wir nehmen zu, wenn wir langfristig mehr Kalorien essen als wir verbrauchen. Dadurch können wir auch dick werden, wenn wir nur Low Carb oder den ganzen Tag Obst essen. Wenn wir immer mehr essen als der Körper verbraucht, erhöht sich unser Körperfett."
Und dann hat Miriam Krug noch einen Rat an jene, die mit aller Gewalt abnehmen wollen: "Finger weg von Fat-Burner-Pillen! Die bringen gar nichts."


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