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Landwirtschaft

Landfrauentag Coburg steht im Zeichen des "Dialogs"

Die Bauernschaft sieht sich in der Krise, mit Kommunikation soll diese enden, das war das Signal des diesjährigen Landfrauentags Coburg.
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Auf der Bühne wird noch einmal das 30-jährige Bestehen des Landfrauenchores in den Fokus gerückt. Foto: Gabi Bertram
Auf der Bühne wird noch einmal das 30-jährige Bestehen des Landfrauenchores in den Fokus gerückt. Foto: Gabi Bertram
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Satirischer Auftakt: Eine 93-jährige Milchviehhalterin und ein 79-jähriger Schweinehalter nehmen die Landfrauen in satirischer Form mit auf eine Zeitreise ins Jahr 2055. Sie erinnern sich in der BR-Reihe "Die letzten ihres Standes" - moderiert von Kreisobmann Martin Flohrschütz, an das Jahr 2019, als Klima- und Tierschützer der Landwirtschaft den Garaus machten und der Eber noch auf die Sau sprang. Bäuerliche Betriebe gibt es nach dem Bauernmobbing nicht mehr, Fleisch wird im Reagenzglas gezüchtet. Und das alles trotz Tierwohlställen mit Schweinespielzeug oder Blühwiesen und der ganzen Rackerei der Bauern für hochwertige Lebensmittel und Kulturlandschaft. Ein freilich überzogenes Szenario der Landwirtschaft, das Diana Schramm und Timo Forkel in einem Sketch auf der Bühne darboten.

Nicht ohne Grund stellte Kreisbäuerin Heidi Bauersachs diesen Sketch gleich hinter ihre Begrüßung zum diesjährigen Landfrauentag am Aschermittwoch. Hier geben sich Landes-, Landkreis- und Kommunalpolitiker alljährlich die Klinke in die Hand, vor allem, um das Engagement der Landfrauen zu würdigen. Unter den Gästen waren als Festrednerin Barbara Stamm, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags, sowie der Landtagsabgeordnete Martin Mittag (CSU), Jürgen W. Heike, Staatssekretär a.D., Landrat Sebastian Straubel, die Landesbäuerin Anneliese Göller, Bürgermeister des Landkreises und Vertreter zahlreicher Verbundpartner.

Bauernschaft in der Krise

Die Landfrauen zeigten sich betroffen über Einschätzung bäuerlicher Arbeit, es fehle an Wertschätzung. Seien sie es doch, die mit vielfältigen Aktionen im Dialog sind, zum Beispiel Landfrauen machen Schule, Tag des offenen Hofes, Kindertage auf dem Bauernhof oder Erntegespräche, sagte Bauersachs. Weiter betonte sie: "Die Bauern haben stets die Herausforderungen der Zeit angenommen, von der Mechanisierung über die Spezialisierung, Bürokratisierung, Digitalisierung bis hin zur Ökologisierung." Damit werde die beste und sicherste Qualität an Lebensmitteln zu günstigen Preisen produziert. Doch die Versorgungssicherheit auf hohem Niveau müsse auch in der Öffentlichkeit Anerkennung finden, forderte die Kreisbäuerin. Das vermisse man, im Gegenteil: Die Bauern müssten für die Folgen der modernen Gesellschaft herhalten und dafür auch noch bezahlen. Trotz allem, machte Bauersachs den Landfrauen Mut, sei das Glas halb voll, und beim nötigen Sachverstand der Politik und im Dialog mit der Gesellschaft würde die Bauernschaft auch diese Krise überstehen.

Mut und Optimismus trotz aller Sorgen spiegelten sich auch in der Rede von Barbara Stamm wider. Sie forderte, mit der ganzen Gesellschaft im Dialog zu bleiben, was vor allem Wertschätzung bedeute, aber auch mit den Landwirten zu reden und nicht über sie. Diesen Dialog, meinte Stamm, müsse die Gesellschaft wieder lernen, fair, sachlich und in einer konstruktiven Streitkultur. Aufeinander zugehen würde auch Kompromisse einschließen. Es gehe nur dann allen gut, wenn die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdrifte. Für Klima- und Umweltschutz könne jeder etwas tun, auch die Schüler, die ihre Stimme bei freitäglichen Demos erheben. Für die Zukunft einzutreten, heiße aber auch, persönlich dafür Verantwortung zu übernehmen. Im Dialog zu bleiben, sei eine Herausforderung für alle. Für diesen Dialog bereit zu sein, das hätten die Landfrauen mehr als deutlich bewiesen. Stamm sieht die Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten durch die sozialen Medien gefährdet.

Auf der Bühne prosteten sich dann noch die Damen des Landfrauenchores zu, der in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen feiert und natürlich den Landfrauentag wieder mit seinen Liedern begleitete. Dankesworte für drei Jahrzehnte Landfrauenchor kamen von der Chorbeauftragten des Landesverbandes, Karin Wolfrum. Sie ehrte alle, insbesondere aber die Frauen, die von Anfang an dabei sind: Hilde Scheler, die Leiterin und Ehrenbezirksbäuerin, Ursula Schreiner, Doris Ehrlicher, Ingrid Schunk, Gunda Baumgärtner, Leni Baumgärtner, Helga Rauschert, Annemarie Backert, Gerda Bauersachs und Traudel Lindlein.

Mit Grußworten und noch vielen Plaudereien ging der Landfrauentag zu Ende, im Bewusstsein, dies erst der Anfang im Ringen um einen fairen Dialog ist.

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