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Landestheater Coburg: Spielzeit mit Hindernissen

Eine abgebrochene Premiere war nicht das einzige Handicap in der bisherigen Spielzeit. Trotzdem zieht Direktor Fritz Frömming ein positives Zwischenfazit.
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Das Stück "Rusalka" stellte die Mitarbeiter des Landestheaters nicht nur einmal vor Probleme: Bei der Premiere erkrankte Tenor Milen Bozhkov (hier in einer Szene mit Judith Kuhn), dann stieg Rauch aus der Drehbühne auf - defekt!Foto: Sebastian Buff / Bearbeitung: Klaus Heim
Das Stück "Rusalka" stellte die Mitarbeiter des Landestheaters nicht nur einmal vor Probleme: Bei der Premiere erkrankte Tenor Milen Bozhkov (hier in einer Szene mit Judith Kuhn), dann stieg Rauch aus der Drehbühne auf - defekt!Foto: Sebastian Buff / Bearbeitung: Klaus Heim
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Wenn an der Sixtinischen Kapelle im Vatikan weißer Rauch aufsteigt, ist das immer ein Grund zur Freude, denn es bedeutet, dass ein neuer Papst gewählt ist. Wenn das gleiche im Großen Haus des Coburger Landestheaters passiert, verheißt das dagegen eher nichts Gutes. Heute kann Fritz Frömming darüber schmunzeln, aber als die Technik der Drehbühne im Frühjahr drohte, ihren Geist aufzugeben, war dem kaufmännischen Direktor des Landestheaters nicht zum Lachen zumute. Die Öffentlichkeit habe damals von dem Desaster glücklicherweise nichts mitbekommen, doch nun - mit etwas Abstand - konnte es Frömming in seinem launigen Halbjahresbericht in der jüngsten Stadtratssitzung erzählen.
Der Antrieb für die Drehbühne sei defekt gewesen, so Frömming. Mittels eines Notaggregats sei es immerhin gelungen, die Bühne in Position zu drehen, das Stück so umzuschreiben, dass es auch ohne die technische Unterstützung der Drehbühne funktionierte und so die "Rusalka"-Vorstellung zu retten.


Tenor erleidet Allergie-Attacke

Doch das war bei weitem nicht die einzige Katastrophe bei "Rusalka": Schon die Premiere am 22. April war schief gegangen. "Damals war gerade starker Pollenflug und unseren Hauptdarsteller Milen Bozhkov hat es so gerissen, dass er keine Stimme mehr hatte", erinnerte Frömming. Der Theaterleitung blieb nichts anderes übrig, als die Premiere in der Pause abzubrechen. "Ich glaube, das gab's das letzte Mal in den 70er Jahren", so Frömming. Zwar konnte die Premiere eine Woche später "mit einem guten Ersatz" nachgeholt werden, dennoch habe es im April einen leichten Einbruch bei den Zahlen gegeben, so der kaufmännische Direktor.
Allerdings gab es in Sachen Einnahmeentwicklung im Großen Haus auch Erfreuliches zu vermelden: Im Vergleich mit den vorherigen drei Spielzeiten sticht der vergangene Dezember mit rund 110 000 Euro Mehreinnahmen deutlich heraus. "Wir haben gesagt, da, wo wir die meisten Tickets verkaufen, müssen wir spielen, nicht proben", erklärte Frömming. "Wenn wir proben, können wir keine Tickets verkaufen." Also sei den ganzen Dezember durchgespielt worden. Auch in der neuen Saison solle das wieder so gehandhabt werden, so Frömming.


Exportschlager Spider Murphy

Unterm Strich verzeichne das Theater bei den Einnahmen bis zum Mai 2018 im Vergleich zur Spielzeit 2016/17 bereits ein Plus von 195 000 Euro, berichtete der kaufmännische Direktor.
Positiv entwickelten sich, insbesondere dank des "Exportschlagers" A Spider Murphy Story, auch die Gastspiele. "Unsere Künstler gehen am 17. Juli in Urlaub, unterbrechen ihn aber gleich wieder, weil wir sechsmal ,A Spider Murphy Story‘ im Prinzregententheater München spielen."
Für die Besucher des Landestheaters hatten die Verantwortlichen "eine Idee ausgebrütet", so Frömming. "Die Leute kennen unser Theater, was sie nicht kennen, ist unsere Werkstatt in Cortendorf." So wurde der Kostümfundus ausgemustert und ein Frühsommerfest veranstaltet, bei dem Requisiten versteigert wurden und Lkw-Fahrten für Kinder angeboten wurden. "Das hat allen eine Menge Spaß gemacht, und nebenbei haben wir 6000 Euro eingenommen."
Eine weitere "kleine Einnahmequelle" sei die Vermietung des Großen Hauses und der Reithalle für Veranstaltungen. Unternehmen, Fraktionen und Service-Clubs hätten entsprechende Anfragen gestellt, so Frömming. Seine Bitte allerdings: "Geben Sie uns genügend Vorlauf!" Eine Woche reiche dafür nicht aus, schließlich müssten solche Termine mit dem Theaterbetrieb abgestimmt werden.
Apropos Abstimmung: "Das ist einer der entscheidenden Punkte fürs nächste Jahr", appellierte Fritz Frömming an die Coburger Stadträte. "Wir brauchen Zeitpläne - wann können wir welche Spielstätte nutzen, wann ziehen wir um und so weiter. Da müssen wir uns unbedingt abstimmen!"
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