Coburg
Auswahl

Landestheater Coburg Bewerber-Trio für Kluttig-Nachfolge

Drei Kandidaten haben es in die engere Wahl geschafft bei der GMD-Suche am Landestheater Coburg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg braucht zum Herbst 2020 einen neuen Chefdirigenten, weil Generalmusikdirektor Roland Kluttig im Sommer nach Graz wechselt. Drei Kandidaten werden sich im Herbst bei Probedirigaten vorstellen.Foto: Sebastian Buff
Das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg braucht zum Herbst 2020 einen neuen Chefdirigenten, weil Generalmusikdirektor Roland Kluttig im Sommer nach Graz wechselt. Drei Kandidaten werden sich im Herbst bei Probedirigaten vorstellen.Foto: Sebastian Buff
+1 Bild

Der Start in seine zweite Saison als Intendant am Landestheater wird für Bernhard F. Loges zum Herbst der Entscheidung - der Entscheidung über den künftigen Coburger Generalmusikdirektor.

Insgesamt drei Kandidaten haben es in die engere Wahl geschafft und bekommen die Chance, sich dem Coburger Publikum als Dirigenten vorzustellen - in der Oper ("Carmen") wie im Konzert. Der Fahrplan zur Entscheidung ist für Loges klar: Nach den Dirigaten der Sinfoniekonzerte im Oktober, November und Dezember soll zum Jahreswechsel endgültig klar sein, wer die Nachfolge Roland Kluttig im Herbst 2020 in Coburg antreten wird.

Sorgfältige Vorauswahl

Sehr angetan zeigt sich Loges vom hohen Niveau und von der Zahl der Bewerber. Die Namen werden allerdings erst dann öffentlich genannt, wenn genau fest steht, welcher Kandidat welches Sinfoniekonzert dirigieren wird.

Wer wird Nachfolger von Roland Kluttig? Diese Frage beschäftigt Loges seit Ende April besonders intensiv. Denn bis zum Ende der Bewerbungsfrist hatten sich insgesamt 96 Aspiranten gemeldet, um das künstlerische Erbe Kluttigs anzutreten, der nach seinem Abschied von Coburg im Sommer nächsten Jahres neuer musikalischer Chef in Graz wird.

Allein in den letzten drei Tagen der Ausschreibungsfrist traf fast die Hälfte der Bewerbungen ein. Erstaunt ist Loges darüber, dass sich in dieser großen Schar keine einzige Frau befand.

Erstaunt aber auch, dass eine ganze Reihe etablierter Generalmusikdirektoren zu den Bewerbern zählten. Nach sorgfältiger Vorauswahl auch in Abstimmung mit dem Orchestervorstand wurden schließlich acht Kandidaten zwischen Juni und Anfang Juli zu einer 50-minütigen Probe mit dem Orchester eingeladen. Im Finale des 1. Aktes von Puccinis "La Bohème" sowie jeweils bei einem Satz aus Mozarts "Jupiter-Sinfonie" und der 3. Sinfonie von Brahms mussten sich die Aspiranten als Opern- wie als Konzertdirigent beweisen.

Das von Loges so nicht erwartete Resultat: Dem erwählten Trio, das sich im Herbst auch dem Publikum vorstellen wird, gehört kein GMD an. "Das war für mich überraschend, dass das Orchester nicht für einen erfahrenen GMD votiert hat", sagt Loges und lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Orchestervorstand.

Das Orchester prägen

Letztlich sei die gemeinsame Wahl auf drei jüngere Kandidaten gefallen, die jeweils bereits eine Reihe interessanter künstlerischer Stationen vorzuweisen haben. Loges lässt freilich keinen Zweifel daran, dass sich der Kluttig-Nachfolger jenseits der in der Ausschreibung aufgeführten Residenz-Pflicht sehr intensiv auf Coburg einlassen müsse. "Wir suchen jemanden, der nicht nach zwei Jahren wieder geht. Ich wünsche mir jemanden, der sagt: Ich will das Orchester prägen." Mindestens fünf Jahre, so die Vorstellung des Intendanten, soll der Kluttig-Nachfolger in Coburg bleiben.

Drei Produktionen pro Saison

Die Rahmenbedingungen habe er den Bewerbern von Anfang an klar gemacht, betont Loges - auch die finanziellen Beschränkungen. Für den künftigen GMD bedeutet das in den ersten Jahren drei Musiktheater-Produktionen pro Saison, darunter selbstverständlich auch die Eröffnungspremiere.

Den Auswahlprozess bei der GMD-Suche hat Loges nach eigenem Bekunden nicht vorrangig als viel Arbeit, sondern als spannende und "unglaublich bereichernde Erfahrung" erlebt. "Ich habe viele Einblicke in die aktuelle Dirigentenszene bekommen", sagt Loges: "Es ist interessant zu sehen, welche Namen immer wieder auftauchen. Spannend aus seiner Sicht auch zu sehen, welche Rolle der Faktor Charisma bei der Vorauswahl spielte. "80 Prozent sich Charisma, 20 Prozent sind reine Musikalität", ist Loges nach den acht internen Probedirigaten überzeugt: "Denn sehr gute Musiker waren alle Kandidaten."

Rund um die GMD-Suche in Coburg

Probe-Dirigat-Termine Sinfoniekonzert: 1. Sinfoniekonzert 13., 14. Oktober, Concertino 12. Oktober; 2. Sinfoniekonzert 17., 18. Oktober, Concertino 16. Oktober; 3. Sinfoniekonzert, 15., 16. Dezember, Concertino 14. Dezember Erwartungen Ein ausgeprägtes Engagement im Bereich der Musikvermittlung sowie die Fortführung und Weiterentwicklung der Neuen Musik sowie attraktiver Konzertformate und -inhalte werden erwartet. Anforderungen "Gesucht wird eine profilierte Persönlichkeit, die über weitreichende Erfahrungen im Konzertbereich und Musiktheater verfügt. Dabei sind soziale Kompetenzen wie Verhandlungs- und Vermittlungsgeschick, Informations- und Kommunikationsstärke und Integrationskraft von Bedeutung." (aus dem Ausschreibungstext zur Coburger GMD-Suche) Kluttigs Vorgänger seit Mitte der 70er Jahre am Landestheater waren Reinhard Petersen (1976 bis 1980), Paul Theissen (1980 bis 1988), Christian Fröhlich (1988 bis 1995), Hiroshi Kodama (1996 bis 2001), Alois Seidlmeier (2002 bis 2010).red

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren