Coburg
Vorbeugung

Kunstsammlungen der Veste Coburg: viel in Brandschutz investiert

Wie sich die Kunstsammlungen der Veste Coburg mit umfassenden Vorsichtsmaßnahmen gegen mögliche Brände und ihre Folgen wappnen.
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Nur beleuchtet, nicht in Flammen: Coburgs Wahrzeichen - die gern als "Fränkische Krone" titulierte Veste.Foto: Jochen Berger
Nur beleuchtet, nicht in Flammen: Coburgs Wahrzeichen - die gern als "Fränkische Krone" titulierte Veste.Foto: Jochen Berger
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Am Tag nach dem verheerenden Brand von Notre-Dame in Paris klingt der Direktor der Coburger Kunstsammlungen auf der Veste sehr nachdenklich. "Das ist eine große Katastrophe, nicht nur für Paris. Bauwerke wie Notre-Dame in Paris - das sind nationale Denkmäler, wie der Tower in London, wie das Brandenburger Tor in Berlin. Nicht auszudenken, wenn es das Coburger Wahrzeichen beträfe, die Veste", sagt Sven Hauschke.

Schließlich residieren auch die Kunstsammlungen in einem historischen Bauwerke, das ganz eigenen Gesetzen gehorcht - auch beim Brandschutz.

Auch wenn offiziell die Brandursache noch nicht feststeht: Dass dieser Brand im Umfeld von Bauarbeiten ausgebrochen ist, überrascht Hauschke ganz und gar nicht: "Bauarbeiten an historischen Gebäuden sind immer kritische Phasen." Der potenziellen Brandgefahr bei Bauarbeiten könne man eigentlich nur mit reichlich Manpower wirklich verlässlich begegnen.

Nach dem Abschluss der grundlegenden Sanierung des Fürstenbaus sei man in den letzten Jahren auf der Veste zum Glück ohne große Baustelle geblieben." Bei der letzten größeren Baumaßnahme, dem Umbau der historischen Glassammlung, seien besonders gefahrenträchtige Tätigkeiten wie Schweißarbeiten nicht notwendig gewesen. Bei diesem Umbau sei "sehr, sehr viel in passiven Brandschutz investiert worden - zum Beispiel in Feuertüren und Rauchmelder." Dem seien massive und langwierige Analysen der Bausubstanz vorangegangen.

Historische Bausubstanz

Denn die historische Bausubstanz auf der Veste hat es in sich: "Wir haben sehr viele kleinteilige Bereiche." Das bringt einerseits manche Probleme mit sich, führe aber dazu, dass es verschiedene kleinere Brandzonen gebe, die man jeweils separat sichern könne.

Besonders heikel beim Thema Brandschutz sind Treppenhäuser. Von denen gibt es in den bisweilen verwinkelten Gebäuden auf der Veste eine ganze Anzahl. Beim Umbau der historischen Glassammlung im sogenannten Carl-Eduard-Bau war auch das ein Thema.

Denn vor dem Umbau gab es dort nur eine alte Holztür zum Treppenhaus. Sie wurde ersetzt durch eine Feuerschutztür aus Glas. "Dadurch gibt es jetzt eine Abriegelung zum Treppenhaus im Falle eines Falles", erklärt Hauschke.

Äxte in Alarmkisten

Systematisch und mit großem Aufwand habe man in den Brandschutz investiert: "Das kostet sehr viel Geld. Denn beim passiven Brandschutz gibt es sehr hohe Standards", erklärt der Direktor der Kunstsammlungen: "Das lässt sich die öffentliche Hand viel kosten, das treibt die Baukosten natürlich in die Höhe. Da steckt viel Geld drin, das man erst mal nicht sieht." Auch bei der Sanierung des Landestheaters werde das Thema Brandschutz finanziell massiv zu Buche schlagen, ist Hauschke überzeugt und wundert sich in diesem Zusammenhang, wie über die möglichen Kosten der Theatersanierung diskutiert werde.

Aber nicht nur beim passiven Brandschutz an den Gebäuden sieht Hauschke die Kunstsammlungen gut gerüstet. "Wir haben in allen Abteilungen eine Art Ranking aufgestellt, welche Objekte vorrangig zu retten sind." Unabhängig davon aber gilt grundsätzlich: "Menschenschutz vor Objektschutz". Zudem habe die Feuerwehr eine Liste, auf der wichtige Objekte nach unterschiedlichen Kriterien verzeichnet sind.

Dabei geht es nicht ausschließlich um möglichst wertvolle Objekte, vielmehr habe die Auswahl auch mit der Größe der Objekte zu tun. Große Bilder seien im Fall eines Brands kaum zu transportieren. Manches Objekt sei auch festgeschraubt und dadurch nicht einfach retten.

Beim passiven Brandschutz allein aber belassen es die Kunstsammlungen nicht. Zusätzlich gibt es, so Hauschke, auch noch wasserdichte große Alarmkisten aus Metall an neuralgischen Stellen. Darin befinden sich beispielsweise Brandschutzdecken oder Äxte, um im Notfall Vitrinen öffnen zu können.

Dazu gibt es Pläne für die Feuerwehr, wo welche zu rettenden Objekte stehen - Pläne, die regelmäßig aktualisiert werden. Auch die vorhandenen Brandschutzmittel werden nicht nur laufend gewartet, sondern bei Übungen auch eingesetzt - ein- bis zweimal im Jahr. Gleichwohl weiß auch Hauschke: "Nicht jedes Risiko ist hundertprozentig auszuschließen."



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