Coburg
Kunstmesse Coburg

Kunstmesse Coburg voller Witz und Ironie

Der Umschlagplatz Coburg 2019 litt zwar unter der Hitze, nicht aber unter mangelnder Vielfalt und künstlerischem Spaß.
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Den "Art Coburg" erhielt in diesem Jahr der Suhler Maler Frank Melech für seine fein gemalten Fantasy-Welten. Carolin Herrmann
Den "Art Coburg" erhielt in diesem Jahr der Suhler Maler Frank Melech für seine fein gemalten Fantasy-Welten. Carolin Herrmann
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Werden die Künstler immer schräger? Immer witziger, immer ironischer? Ist es der Wahnsinn der Welt, dem nur noch mit Gelächter beizukommen ist? - Könnte man meinen nach dieser nun schon vierten Coburger Kunstmesse, die am Wochenende über 60 Künstler in die alten Pakethallen am ehemaligen Güterbahnhof zog.

Was immer wieder auffiel, waren Humor, Witz und Fantasie, vor allem eigenwillige Fantasy, die sich in vielen Kojen Bahn gebrochen hatten. Selbstverständlich nicht nur, selbstverständlich ist solch eine Verkaufsmesse bunt in jeder Hinsicht, vom durchaus unterschiedlichen künstlerischen Niveau bis zu den Themenfindungen. Das macht doch aber eben den Entdeckerspaß dieser von dem Coburger Veranstalter Heiko Bayerlieb aus Lust und Laune und aus dem Nichts gestemmten Messe.

Vor Frank Hummels originellen grafischen Schimpfereien hatte sich auch noch (s)ein Hund platt hingeschmissen. - Sagt doch alles, und zwar nicht nur über die quälenden Temperaturen am Samstag und Sonntag, die leider so manchem vom Besuch der Messe abgehalten haben.

Peter Schnellhardt aus Bad Rodach ist einer der regelmäßig hier den Schmunzelauftrag erfüllenden Lokalen. Ob die Häfners aus Nürnberg mit ihren verrosteten Comic-Scherenschnitten, Horst Wendlands (lebt in der Nähe von Memmingen) zerfressene Metallfiguren, geradezu teuflisch. Stefan Neidhardt (Suhl) hat es mit dem Märchenhaften, das aber ausgesprochen lachhaft modelliert. Und kommt er dann auch noch mit Frank Melech, ebenfalls Suhl, zusammen, bricht dessen überbordende, aber sehr präzise gemalte Fantasy ins Dreidimensionale.

Frank Melech ist Preisträger

Melech übrigens, der hatte ein Bild dabei, in dem sich der Thüringer Wald arg verdichtet hat, vorne in rötlichen Adern abstürzend und hinten ins Nebulöse ziehend. Ein irgendwie schrecklicher Turm mittendrin bietet auch keinen Trost.

Spannend an dieser Messe war es gerade, neben Berlinern und Münchnern und anderen so vielen technisch hervorragenden Künstlern mit inspirierenden Bild(er)findungen hier aus der weiteren Region zu begegnen, diesen Thüringern etwa. Und gerade auch einer Reihe von Coburgern, die es (noch) nicht - wie unsere durchaus vorhandenen lokalen Kunstheroen - aufs nationale Parkett oder gar darüber hinaus geschafft haben, die aber sehr beachtenswert sind:

Bettina Mautner mit ihren extra zum Albert- und Victoria-Jahr geschaffenen Alu Dibond-Drucken. Mario Wolf (Rödental) und seine intensiven Porträts. Oder auch der Rödentaler Helmut Langbein, der ganz normaler Handwerksmaler war und mittlerweile wahlweise Fantastisches oder stimmungsvolle Waldwege malt.

Begegnen konnte man auch dem 23 Jahre jungen Coburger Florian Bär, der in München eine Bildhauerlehre macht; der hatte schon drei bemerkenswerte Holzmenschen dabei. Stark vertreten war diesmal überhaupt die Bildhauerei, etwa mit den kleinen, geradezu klassisch eleganten Menschenfiguren und Paarungen von Patrick Niesel aus Nürnberg: Baby auf der Fußspitze seiner Mutter in den Himmel gehoben - oder im Himmel gehalten. Sehr schön. Na, und die pikiert oder hämisch in die Welt spießenden Bronzefiguren von Claudia Katrin Leyh - die muss man auch unmittelbar vor sich gesehen haben.

Ob man mittlerweile vertraute Künstler aus Nah und Fern oder neue - mehr als die Hälfte - erlebte, diese einfach so hier geschaffene Kunstmesse war auch diesmal ein Erlebnis der eigenen Art in besonderem Ambiente.

Gemischte Bilanz

Veranstalter Heiko Bayerlieb ist unermüdlich, will auf jeden Fall weitermachen, denn: "Den Künstlern gefällt es hier sehr gut. Den Besuchern, die sich aufgerafft haben, gefiel es auch sehr gut." Selbstverständlich schmerzt es, dass wohl infolge der großen Hitze die Besucherzahlen des letzten Jahres - etwa 2000 - nicht gehalten werden konnten. Fragt sich jetzt nur, ob die Pakethallen von der Stadt zwecks größerer Praktikabilität als "Location" für alles Mögliche bis nächstes Jahr fertig bearbeitet sind, begonnen wird im Herbst. Unter Umständen müsste die Kunstmesse ein Jahr aussetzen. Aber nicht mehr, sagt Bayerlieb.

D er "Art Coburg", der von Poll-Immobilien gestiftete Kunstpreis zum Umschlagplatz Coburg, dotiert mit 2000 Euro, geht in diesem Jahr an Susanne Casper-Zielonka aus Wasungen für ihre aufwändigen Fotografi en in spezieller Technik, die eine Art Umkehreffekt erzielt, sozusagen die Schatten zum Leuchten bringt.

Den Sonderpreis (1000 Euro) erhielt Frank Melech aus Suhl, siehe Bild oben. Die Künstler erhielten zudem die von Goebel extra geschaffene Sieger-Skulptur zum "Art Coburg".

Entschieden hat eine Fachjury, bestehend aus Joachim Goslar, Gerd Kanz, Thorsten Ruß und dem Gewinner des letzten Jahres, Jo Seitfudem.

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