Coburg
Arbeitnehmer

Kundgebung in Coburg am 1. Mai: aussterbende Gattung Tarifvertrag

Um europaweite Standards für gute Arbeitsbedingungen geht es den Verantwortlichen der 1.-Mai-Kundgebung auf dem Coburger Albertsplatz.
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Der oberfränkische DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt, Jürgen Apfel und Nicole Ehrsam von der IG Metall und der Coburger DGB-Kreisvorsitzende Stefan Bühling (von links) haben alles für die Kundgebung am 1. Mai vorbereitet. Foto: Martin Koch
Der oberfränkische DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt, Jürgen Apfel und Nicole Ehrsam von der IG Metall und der Coburger DGB-Kreisvorsitzende Stefan Bühling (von links) haben alles für die Kundgebung am 1. Mai vorbereitet. Foto: Martin Koch

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lädt am "Tag der Arbeit", Mittwoch, 1. Mai, zu seiner zentralen Kundgebung auf dem Coburger Albertsplatz ein. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Europa, jetzt aber richtig". Redner ist Prof. Klaus Kost. Kost ist als Berater für Betriebsräte und Gewerkschaften tätig. Los geht's um 10 Uhr. Für den passenden Rahmen sorgt der international aufgestellte Chor "Die Brücke".

Mit dem gewählten Motto verbindet der Gewerkschaftsbund die Forderung, Europa auch sozialer zu gestalten. Mathias Eckardt, Geschäftsführer des DGB in Oberfranken, bedauerte, dass in der Gestaltung Europas oft die Marktinteressen im Vordergrund stünden. "Dem Bekenntnis, Europa sozialer zu machen, müssen jetzt auch Taten folgen", sagte Eckardt. "Europa jetzt aber richtig" bedeute, europaweite Standards für gute Arbeitsbedingungen anstelle eines Dumpingwettbewerbs innerhalb der EU. "Wir brauchen mehr Tarifbindung in ganz Europa und armutsfeste Mindestlöhne in jedem EU-Mitgliedsstaat."

Warum Gewerkschaften wichtig sind

Auch in Deutschland hapere es noch bei der Tarifbindung. Nicole Ehrsam und Jürgen Apfel von der IG Metall stellten fest, dass nur 29 Prozent aller Betriebe in Deutschland an einen Tarifvertrag gebunden seien. 44 Prozent der Beschäftigten hätten keinen gültigen Tarifvertrag.

Oft fehle es auch an einem organisierten Betriebsrat. "Ohne Gewerkschaft kriegt man die Augenhöhe zwischen Belegschaft und Unternehmer nicht hin", sagte der Coburger DGB-Vorsitzende Stefan Bühling. Mathias Eckardt wies auch auf die internationale Vernetzung hin. In grenzüberschreitenden Unternehmen gebe es einen unternehmensinternen Standortwettbewerb. "Wir müssen die Arbeitnehmer auf dem gemeinsamen Weg mitnehmen", betonte Oberfrankens DGB-Regionsgeschäftsführer.

Der DGB feiert bei seiner Maikundgebung am Mittwoch Premiere auf dem Albertsplatz. Ausschlaggebend für die Ortswahl war auch die städtebauliche Ästhetik der Location. Dass sich ausgerechnet im vermuteten Brexitjahr der DGB auf dem Albertsplatz trifft, stand aber sicher nicht im Drehbuch der Gewerkschaft. Aber Prinz Albert war ja auch ein überzeugter Europäer. Die Dynastie der Coburger regiert bis heute in Großbritannien und Belgien, früher auch in Bulgarien und Portugal und über die weibliche Linie in Schweden. Prinz Albert engagierte sich in sozialen Fragen in Großbritannien. Dabei ging es im frühindustriellen Inselreich auch um den sozialen Wohnungsbau für die Arbeiterklasse. Die Arbeiterwohnungen sollten nach seinem Entwurf mit fließendem Wasser und ordentlichen Toiletten ausgestattet sein. Dass man sich solche ordentlichen Wohnungen leisten kann, das ist ja auch ein wichtiges Thema bei den Maikundgebungen 2019.

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