Seßlach
Wahlkampf

Kultusminister besucht Seßlach: Bildung zahlt sich aus

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) suchte in Seßlach das Gespräch mit Lehrern aus der Stadt und dem Landkreis Coburg.
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Um die Digitalisierung der Schulen und die berufliche Ausbildung ging es bei einem Besuch des bayerischen Kultusministers Michael Piazolo (links) in Seßlach. Eingeladen hatten den FW-Politiker Landratskandidat Christian Gunsenheimer (rechts) und Bürgermeisterkandidat Maximilian Neeb.Bettina Knauth
Um die Digitalisierung der Schulen und die berufliche Ausbildung ging es bei einem Besuch des bayerischen Kultusministers Michael Piazolo (links) in Seßlach. Eingeladen hatten den FW-Politiker Landratskandidat Christian Gunsenheimer (rechts) und Bürgermeisterkandidat Maximilian Neeb.Bettina Knauth

Eine "Bildungslücke" musste Bayerns neuer Kultusminister gleich zu Beginn einräumen. "Ich war noch nie in Seßlach", gestand Professor Michael Piazolo (Freie Wähler) bei seinem Besuch am Freitagnachmittag. Auf Einladung der beiden Kandidaten Christian Gunsenheimer (Landratswahl) und Maximilian Neeb (Bürgermeisterwahl) war der 59-Jährige ins Coburger Land gekommen, um seine Vorstellungen zur Digitalisierung und Entwicklung der bayerischen Schulen darzulegen.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land, das sei ein wichtiges Stichwort für die Freien Wähler, machte Piazolo im "Altstadthof" deutlich: "Die ländlichen Räume zu stärken und zu entwickeln ist für die Zukunft Bayerns unerlässlich."

Der Schlüssel zum Erfolg

Den Schlüssel zum Erfolg sieht der Kultusminister in der beruflichen Bildung. Diese müsse den gleichen Wert wie die akademische haben. "Nur wenn wir junge Leute gut ausbilden, werden wir den Fachkräftemangel bekämpfen können", sagte der Jurist und Politikwissenschaftler. Angesichts von 18 000 Studiengängen und 330 Ausbildungsberufen in Deutschland komme den Schulen die wichtige Aufgabe der "Berufswahl-Kompetenz" zu, zu der sie sich Partner ins Boot holen müssten. Schüler müssten praktische Erfahren machen und sich auf Ausbildungsmessen informieren können. Doch auch die Eltern spielten eine entscheidende Rolle.

Bei der Digitalisierung müsse die Pädagogik im Vordergrund stehen, forderte der Minister. "Nur weil ich über ein Whiteboard verfüge, ist nicht mein Unterricht besser", so Piazolo. Als entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Digitalisierung nannte er einen Glasfaseranschluss sowie WLAN und IT-Systembetreuer an jeder Schule, digitale Klassenzimmer, eine moderne technische Ausstattung, Lehrerfortbildung und einen "pädagogischen Mehrwert".

Im Mittelpunkt stehe aber der Mensch: "Das Ziel lautet, die Schüler zu selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Menschen zu machen!" Gerade in Zeiten von Populismus und Fake News gelte es, den Jungen und Mädchen "unser Verständnis von Demokratie zu vermitteln". Der Minister schloss mit den Worten: "Jeden Euro, den wir in Bildung stecken, sparen wir uns fünf- bis siebenfach in der Sozialpolitik."

Oberstufe wird neu konzipiert

Anschließend stand Piazolo den zahlreichen Vertretern einheimischer Schulen Rede und Antwort. Schulleiter Burkhard Spachmann (Casimirianum) forderte ein Einbeziehen von WLAN und Systemadministratoren in den Digitalpakt Bayern II und fragte nach noch fehlenden Lehrplänen für die Oberstufe sowie einer Definition des Abiturs. "Die Oberstufe wird neu konzipiert", informierte der Minister, erst sei die "Überholspur" auf den Weg gebracht worden. Beim Abitur gelte es, Schnelligkeit und Sorgfältigkeit gegeneinander abzuwägen. "Auf die Lehrkräfte kommen immer wieder neue Aufgaben zu", gestand Piazolo.

Mehrere Lehrkräfte wie Seßlachs Schulleiter Wolfgang Hoydem beklagten "Schnellschüsse" aus München, die sie dann an der Basis solide umsetzen müssten. Als Beispiel nannte Hoydem die Einführung von Kombiklassen, von der er in seinem ersten Seßlacher Jahr erst kurz vor dem Sommerferien erfahren habe. Derzeit bereiteten vielen Lehrkräften das auf den 30. Juni vorzuziehende Einschulungsdatum Kopfzerbrechen.

1000 neue Lehrerstellen pro Jahr sieht der Koalitionsvertrag zwischen CSU und FW vor. Doch wo gehen sie hin? Maximilian Neeb sprach das Problem der arbeitslosen Pädagogen an. Philipp Schott, Fachlehrer für Werken, habe derzeit keine Anstellung, weil er keinen befristeten Vertrag unterschreiben wollte. Jetzt falle an seiner ehemaligen Schule der Werkunterricht aus, berichtete der Seßlacher. Die rund 6000 Befristungen seien durchaus ein Thema, gab der Gast ihm recht, bat aber zu bedenken, dass bei Entfristungen und Verbeamtungen eventuell andere Bewerber eher am Zuge seien. "Wir werden auf jeden Fall an der schulartspezifischen Lehrerbildung festhalten", betonte Piazolo, auch wenn er insbesondere im Bereich der Grund- und Mittelschulen Defizite sehe. Die Anforderungen seien einfach zu unterschiedlich.

Für ein Software-Grundpaket

Auch die gleiche Ausstattung der Schulen wurde gefordert. Weiterer Wunsch: ein Software-Grundpaket für alle Lehranstalten. Piazolo berichtete von einem "großen Kampf mit den Lizenzen", den sein Ministerium derzeit wegen der Umstellung vom Schulbuch auf digitale Medien führe.

"Maximilian und ich sind die ersten Freie-Wähler-Kandidaten, die Staatsminister aus den eigenen Reihen im Wahlkampf einbinden können", freute sich Landratsstellvertreter Gunsenheimer. Piazolo komme eine Schlüsselposition zu, weil sich viele Probleme durch mehr Bildung lösen ließen. Dies gelte insbesondere für die Kernthemen Fachkräftemangel, Pflege und ärztliche Versorgung.

"Wir müssen mehr an der Bildung arbeiten, dann stehen uns mehr Möglichkeiten offen", so Gunsenheimer. Dies bedinge eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen.

"Bildung an sich ist zwar Ländersache, doch wir Kommunalpolitiker hier vor Ort müssen mit Schulen, Lehrern, Eltern und Schülern sprechen, um zeitnah Probleme auf höhere Ebenen zu tragen und Verbesserungen einzufordern", sagte Stadtrat Neeb. Bei der Bildung, dem "goldenen Zahnrad in unserer Gesellschaft", dürften die finanziellen Mittel nicht im Vordergrund stehen.

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