Coburg
Podiumsdiskussion

Kultur für alle? Hochschule macht Coburg zum Experimentierfeld

An der Hochschule Coburg läuft ein zweijähriges Forschungsprojekt, das nach Schnittstellen zwischen Hoch-Kultur und kultureller Bildung sucht.
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Blick auf Coburg von der Hochschule ausFoto: Archiv/Jochen Berger
Blick auf Coburg von der Hochschule ausFoto: Archiv/Jochen Berger

Kultur ist das Aktivitätsfeld einer Gesellschaft, das ihre Zukunftsfähigkeit bestimmt. In ihr werden - oder sollten - die Grundfragen des Zusammenlebens und Daseins verhandelt und Perspektiven entwickelt werden. Das funktioniert umso wirkungsvoller, je mehr Menschen daran teilhaben.

Unter der Frage "Elfenbeinturm oder Kultur für alle" hatte die Hochschule Coburg am Montag eine Podiumsdiskussion mit Coburger (Hoch-)Kulturvertretern organisiert. Sie fand im Rahmen der Auftakttagung eines zweijährigen Forschungsprojektes statt, das nach "Schnittstellen zwischen Hoch-Kultur und kultureller Bildung" suchen will. Die Moderation führten der Leiter des Projektes, Julius Heinicke, Professor für angewandte Kulturwissenschaften, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Katrin Lohbeck.

Ausgerichtet vor allem auf angewandte Wissenschaft, geht es der Hochschule Coburg bei diesem Forschungsprojekt darum, die Problematik auszuloten, vor allem aber auch konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, sogenannte "Formate" zu entwickeln, wie das derzeit überall heißt. Studierende haben in den letzten Monaten bereits Vorschläge entwickelt, etwa eine Kultur- und Erlebnis-App für Coburg.

Die Diskussion und die Berichte von Gastreferenten dieser Tagung aus verschiedenen Teilen Deutschlands belegten, dass die Stadt Coburg als Experimentierfeld dafür geeignet ist wie kaum eine sonst. Weil sie weiter ist als viele andere. Es war Norbert Tessmer, der vor seiner Zeit als Oberbürgermeister zwölf Jahre lang als Kultur- und Sozialreferent zwischen den Kulturinstitutionen und den Bildungseinrichtungen vermittelnde Strukturen wie den Kultur- und Schulservice KS:Cob und das Bildungsbüro geschaffen hat, dabei lange nicht auf Gegenliebe stoßend, wenn er darauf beharrte, dass jeder für Kultur ausgegebene Euro später nicht für Soziales gebraucht werde.

Die Kultureinrichtungen wie Landestheater und Kunstsammlungen auf der Veste ihrerseits sind im eigenen Interesse längst dabei, vielfältige Angebote in die kulturelle Bildung einzuspeisen.

Kommunikationsprobleme

Bevor die Diskussion in der Hochschul-Aula in Selbstbestätigung versinken konnte, wurde die grundsätzliche Problematik deutlich. Die Übermittlung, die Kommunikation, die Verknüpfung bleibt schwierig, auch wenn sich in Coburg viel getan hat und viel genutzt wird. Die "organisierte Sprachlosigkeit" ist keineswegs überwunden. Weshalb dieses Forschungsprojekt ja so zu begrüßen ist.

"Die Schulen und das Landestheater, das sind zwei riesige Tanker, die schwer auf parallele Fahrt zu bringen sind", dämpfte etwa Oberschul-Lehrerin Marina Krauß aus langjährigem Bemühen die Euphorie. Intendant Bernhard F. Loges zeigte die Bestrebungen des Landestheaters im Bereich Kinder- und Jugendtheater auf, sagte aber auch: "Irgendwann kommen wir alle, Sie ja auch, an die Grenzen unserer Kräfte. Wir haben zwar viele Ideen und Angebote von Seiten unserer Musiker und Künstler, aber nur eine Theaterpädagogin, die vermittelt".

Auf dem Podium selbst war kein schulischer Vertreter präsent. Der hätte wohl die Klage vieler Lehrerinnen und Lehrer gebracht: Die herrschenden Strukturen stehen flexiblerer Kulturbildung entgegen, alles eine Zeitfrage. Oberbürgermeister Norbert Tessmer verwies allerdings auf Antworten, die er selbst immer wieder im Kultusministerium erhalten habe: Es gebe genügend Freiraum und Flexibilität für die Schulen, die Lehrkräfte müssten sie nur nutzen.

Ein weiter Weg

Cornelia Stegner, auf der Veste für Bildung und Kommunikation zuständig, merkte süffisant an, dass sie manchmal den Eindruck habe, der Weg durch den Hofgarten hoch zur Veste sei schier unüberwindlich. Wobei sie allerdings betonte, dass sie alles in allem sehr positive Erfahrungen mit den Schulen verzeichne; es sei aber alles sehr personenabhängig.

Es sind die thematisch genau abgegrenzten Angebote, die zu tiefgreifenderen Erfahrungen und Begeisterung bei Schülern führen können. "Am verregneten Wandertag die Schüler ins Museum zu stecken mit dem Hinweis, wir treffen uns um 12 wieder am Eingang, das fällt halt nicht unter wirkungsvoller Kulturvermittlung", blickte OB Tessmer auf frühere (und durchaus auch heute noch gepflegte) unpädagogische Verfahrensweisen.

Im Verlauf der Diskussion mit dem Publikum wurde eine Reihe von Anknüpfungspunkten genannt, so Schultheatertage auf bisher nicht erreichte Schulebenen ausdehnen. Oder: Im Kultur- und Kommunikationswandel, der sich gegenwärtig vollzieht, eine Stelle schaffen, welche die Angebote und Informationen der damit personell überforderten Kulturinstitutionen über Internet und neue soziale Medien verbreitet.

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