Neustadt bei Coburg
Prozess

Kriminalbeamter sagt über Machenschaften der blutjungen Neustadter Dealer aus

Jugendliche Drogendealer aus Neustadt stehen vor dem Landgericht Coburg. Sie sollen eine regelrechte Drogenhandelfirma geführt haben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die nachgestellte Szene zeigt Drogenhändler. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa
Die nachgestellte Szene zeigt Drogenhändler. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa
Das Ausmaß habe selbst erfahrene Beamte überrascht, sagte am Mittwoch ein Kriminalbeamter vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichtes Coburg. Dort sitzen auf der Anlagebank sechs junge Neustadter, weil sie Drogen bandenmäßig und im großem Stil vertickt haben sollen. Bei der Fortsetzung der Hauptverhandlung am Mittwoch ging es Richter Klaus Halves auch darum, inwieweit die Beteiligten in die Geschäfte verstrickt waren und welchen Profit sie aus den Drogen-Geschäften gezogen haben.

Als erschreckend bezeichnete der Kriminalbeamte die sichergestellten Mengen an Rauschgift, das professionelle Vorgehen und vor allem aber das sehr junge Alter der mutmaßlichen Dealer. Zum Tatzeitpunkt waren die Beschuldigten zwischen 16 und 18 Jahren alt. Die fünf jungen Männer und die junge Frau, die auf der Anklagebank sitzen, wirken wie die freundlichen jungen Leute von nebenan. Sie besuchten zum Tatzeitpunkt die Schule, büffelten für Prüfungen oder waren in der Ausbildung. Im "Nebengewerbe" dealten sie ab Februar 2017 lukrativ mit Betäubungsmitteln, bis bei einer Rauschgiftübergabe im Oktober des vergangenen Jahres auf einem Parkplatz eines Fastfood- Restaurants in Neustadt die Handschellen klickten.


Sie gingen in die Falle

Wie der Beamte ausführte, hatte die Polizei die mutmaßlichen Dealer durch ein Scheingeschäft in die Falle gelockt. "Wir waren überrascht, dass das Täteraufkommen erheblich höher war, als ursprünglich zu vermuten war", so der Beamte. Es sei nicht üblich, dass so viele Leute so intensiv zusammenarbeiteten. Wie der Zeuge weiter ausführte, handelte die jugendliche Bande professionell und gut durchdacht. Der Initiator war demnach ein 18-Jähriger, der Kontakte zu einem holländischen Rauschgifthändler pflegte. Der 18-Jährige soll der "Firmenchef” und somit die treibende Kraft gewesen sein. Seine Freundin, eine 16-jährige Neustadterin, soll die Telefonate geführt, die Termine vereinbart, Ware abgepackt und mit ausgeliefert haben. Drei weitere junge Männer halfen unter anderem beim Verpacken oder standen Schmiere. Ein 17-jähriger Schüler wurde als "IT-Spezialist" angeheuert, um einem Zugang zum Darknet einzurichten, wo die Geschäfte anfangs abgewickelt wurden. "Er gehörte wohl zu den Besserverdienenden", so der Beamte.

Weiterhin soll nach Angaben des Kripo-Beamten ein 15-jähriger Junge in die Sache verwickelt sein. Er bewahrte demnach Arbeitsmaterialien des Chefs auf, dafür soll er einen Euro pro Tag erhalten haben. "Es wurde unter der Regie des 18-Jährigen Hand in Hand gearbeitet", so der Beamte. Demnach seien Arbeitsstationen aufgebaut worden, es gab zum Beispiel Einpacker, Verschweißer und Etikettierer. Das Hauptgeschäft sei zwar mit Marihuana abgewickelt worden, aber auch mit Ecstasy und Speed sollen die jungen Leute gehandelt haben. Außerdem seien erhebliche Mengen an Kokain in sehr guter Qualität sichergestellt worden, so der Beamte.

" Es ist kein Pappenstiel, sondern eine der größten Kokainmengen, die hier gelandet sind." Als "Rauschgiftbunker" sollen die mutmaßlichen Täter eine Garage angemietet und eine große Kiste im Dickicht versteckt haben. Um das "Unternehmen" überhaupt aufzubauen, soll ein Bekannter eine Anschubfinanzierung gewährt haben und in Folge bei guter Verzinsung immer wieder Geld verliehen haben. Bei den Hausdurchsuchungen seien mehrere Handys, Sim-Karten und sogar eine Geldzählmaschine sichergestellt worden, sagte der Zeuge und berichtete weiter, nach der Festnahme hätten sich alle sechs Angeklagten kooperativ gezeigt und umfangreich ausgesagt. Dadurch sei dem Bundeskriminalamt der holländische Rauschgifthändler ins Netz gegangen. "Ohne die Angaben wäre es schwer gewesen, den Holländer zu fassen", so der Kripobeamte.

Die Verhandlung wird am 19. Juni um 9 Uhr fortgesetzt.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren