Fechheim
Widerstand

Kraiberg-Windpark bei Neustadt schon wieder vor Gericht

Die Anwohner rund um den Kraiberg bleiben dabei: Die fünf Windräder sind zu laut. Deshalb läuft eine Klage gegen die Betriebserlaubnis.
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Gar nicht putzig: Die Windkraftanlagen am Kraiberg  scheinen zwar das Damwild nicht zu stören - wohl aber die Anwohner. Die wollen nun eine Gegenmessung auf den Weg bringen, um ein Überschreiten der Lärm-Grenzwerte nachzuweisen. - Archivbild: Berthold Köhler
Gar nicht putzig: Die Windkraftanlagen am Kraiberg scheinen zwar das Damwild nicht zu stören - wohl aber die Anwohner. Die wollen nun eine Gegenmessung auf den Weg bringen, um ein Überschreiten der Lärm-Grenzwerte nachzuweisen. - Archivbild: Berthold Köhler

Der Streit um die Lärmbelastung durch den Windpark am Kraiberg an der Gemarkungsgrenze zwischen Neustadt und Sonnefeld geht weiter. Beim Bürgergespräch des Windparkbetreibers "Naturstrom" ist am Mittwochabend im Gemeindehaus bekannt geworden, dass erneut Klage gegen die Betriebsgenehmigung durch das Coburger Landratsamt eingereicht wurde. Jetzt liegt die Sache beim Bayreuther Verwaltungsgericht, das vermutlich die derzeit gültigen Gutachten zur Schallemission überprüfen wird.

Für die rund 30 Nachbarn des Windparks, die zum Bürgergespräch gekommen waren, ist ohnehin klar: Nur mit einem "Gefälligkeitsgutachten" ist es möglich gewesen, die für den ungedrosselten Betrieb notwendigen Messwerte dem Landratsamt gegenüber nachzuweisen. Denn noch immer vernehmen viele Familien rund um den Kraiberg einen Brummton, wenn die Windräder laufen. Das mag sein, räumte Georg Sonneborn (bei "Naturstrom" Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Windparks) ein: "Dass die Anlagen Geräusche machen, weiß ich auch." Aber der Brummton liege eben nun mal unter den Grenzwerten, die von der Lärmschutzverordnung vorgegeben werden.

Im Zentrum der Kritik der Beschwerdeführer steht der Typ der Windräder. "Die Anlagen dürften hier gar nicht stehen", sagte Hubert Mehringer. Man müsse im Internet nicht lange suchen, um Belege dafür zu finden, dass die am Kraiberg gebauten Windräder für deutsche Verhältnisse völlig ungeeignet seien. "Bei allen Windparks, die diese Typen haben, gibt es Ärger", sagte Mehringer.

Henner Fohrbeck, der sich offensichtlich gut in die Materie eingelesen hat, bombardierte die "Naturstrom"-Vertreter geradezu mit Informationen, Messprotokollen, Internetrecherchen und auch Vorwürfen, die ihn am Ende zu einem doch einfachen Fazit kommen ließen: "Diese Dinger sind Schrott." Zudem habe er den Eindruck, dass vom Anlagenhersteller schon mehrfach der Betriebsmodus verändert wurde und damit die Windräder längst nicht mehr so laufen, wie sie vom Landratsamt genehmigt wurden.

Naturstrom kommt entgegen

Die Details in Fohrbecks Ausführungen überraschten sogar Georg Sonneborn. Der Windpark-Geschäftsführer sicherte zu, die ihm vorliegenden Werte noch einmal genau nach etwaigen Veränderungen zu untersuchen. Allerdings musste Sonneborn dabei auch einräumen, dass seinem Unternehmen kein voller Einblick in die technischen Daten der Windräder möglich ist: Diese lassen sich die Hersteller in ihren Verträgen über einen Zeitraum von 15 Jahren exklusiv zusichern.

Die Familien, die über den Lärm durch den Windpark klagen, zeigten sich am Mittwochabend wild entschlossen. "Entweder werden die Anlagen so gedrosselt, dass sie menschlich erträglich sind oder es gibt hier eine Bürgerinitiative und kräftig Gegenwind", sagte Hermann Engel. Konkret im Raum steht zudem eine von Daniela Mehringer ins Gespräch gebrachte Gegenmessung, die alle Betroffenen gemeinsam finanzieren wollen. Auf die Frage, ob denn die Betreibergesellschaft bei so einer Messung wenigstens darauf verzichten würde, den Bürgern den Ausfall der Anlagen - von einer Stunde war für eine Messung die Rede - nicht auch noch in Rechnung zu stellen, gab es zumindest keine kategorische Ablehnung. Man könnte da sicher "entgegen kommen", deutete Bau-Projektleiter Sebastian Schäfer an. Aber er sagte auch: "Wir vertrauen dem aktuellen Gutachten."

Immer wieder zu hören war die Bitte der Windpark-Nachbarn, das Team von "Naturstrom" möge doch einfach mal kommen und sich die Situation nächtens anhören. Gastwirtin Heidrun Mücke versprach sogar, in diesem Fall die Bewirtung zu übernehmen. Noch lieber wäre ihr aber eine Langzeitmessung, sagte Mücke mit Blick zu Georg Sonneborn: "Danach werdet Ihr uns verstehen."

Die Diskussion verfolgte auch eine ganze Reihe Behördenvertreter - von einer fünfköpfigen Delegation des Landratsamtes bis hin zu Neustadts Bauamtsleiter Richard Peschel. Landratsamts-Pressesprecher Dieter Pillmann bestätigte auf Tageblatt-Anfrage, dass die Klage gegen Bescheid zur Aufhebung der Betriebsbeschränkung der Windkraftanlagen vorliegt. So lange es aber ein nicht widerlegtes Gutachten gebe, seien dem Landratsamt "die Hände gebunden", erklärte Pillmann.

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