Coburg
Aufregung

"Kondome und Ersatz-Schlüpfer": Michael Stoschek entrüstet über Hotelkette in Coburg

Beim Regionentalk attackierte der Unternehmer Michael Stoschek den Inhaber der Dormero Hotelkette, Marcus Wöhrl. Auslöser der großen Aufregung waren kleine Aufkleber. Die sind durchaus unkonventionell - haben aber einen ernsten und traurigen Hintergrund.
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Das Hotel "Goldene Traube" in Coburg gehört seit Anfang 2019 zur Dormero-Kette, die dem Nürnberger Marcus Wöhrl gehört. Foto: Oliver Schmidt
Das Hotel "Goldene Traube" in Coburg gehört seit Anfang 2019 zur Dormero-Kette, die dem Nürnberger Marcus Wöhrl gehört. Foto: Oliver Schmidt
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Dieser Satz von Michael Stoschek durfte als echte Breitseite vor allem gegen die "Goldene Traube" verstanden werden: "In Coburg fehlt ein seriös geführtes Vier-Sterne-Hotel", sagte der Unternehmer (Brose) am Montagabend beim gemeinsamen Regionentalk von Sparkasse Coburg - Lichtenfels, Coburger Tageblatt, Radio Eins und iTVCoburg. Zum Hintergrund: Die traditionsreiche "Goldene Traube", die Anfang 2019 von der Hotelkette Dormero übernommen wurde, ist eines von zwei offiziellen Vier-Sterne-Hotels in Coburg.

"Ich finde es nicht fair, uns die Seriösität abzusprechen", entgegnete Dormero-Inhaber Marcus Wöhrl.

Doch Michael Stoschek legte nach und versuchte seinen Vorwurf zu begründen. Zunächst zeigte er sich "erstaunt" darüber, dass Dormero alle seine Mitarbeiter in roten Schuhen herumlaufen lasse. Was ihn aber wirklich störe, seien die Aufkleber, die innen an jeder Zimmertür angebracht sind. Diese würden den Hotelgast daran erinnern, beim Verlassen des Zimmers "Ersatzschlüpfer und Kondome" nicht zu vergessen. "Das ist doch unmöglich", echauffierte sich Stoschek. Außerdem würden in Dormero-Hotels Kondome in den Aufzügen hängen. "Das ist schlüpfrig", sagte Stoschek und meinte: "Kondome passen vielleicht zu einer Jugendherberge."

"Ersatz-Schlüpfer" und "Kondom": Bitte nicht vergessen

Davon abgesehen, dass in der "Goldenen Traube" keine Kondome im Aufzug hängen: Marcus Wöhrl verteidigte die ominösen Aufkleber, auf denen sich allerdings noch sehr viel mehr Hinweise befinden. So wird unter dem Titel "Alles dabei?" gleich an mehrere Gegenstände erinnert, die man beim Verlassen des Hotelzimmers bitte nicht vergessen möge: außer Lippenstift, Brille, Handy, Geld und Schlüssel werden auch "Ersatz-Schlüpfer", "Pille" und "Kondom" aufgeführt.

"Wir sind sehr liberal", erklärte Marcus Wöhrl, und außerdem "frei und tolerant". Das zeige sich im Übrigen auch im Umgang mit dem eigenen Personal so: "Wir knechten unsere Mitarbeiter nicht!" An dieser Stelle raunte Stoschek dem Hotel-Inhaber auf dem Podium etwas zu. Wöhrl fragte nach: " Haben Sie jetzt gerade gesagt, dass ich nicht alle Tassen im Schrank habe?" Stoschek bejahte das.

Doch Marcus Wöhrl ließ sich nicht beirren und machte weitere Ausführungen. Zunächst war es ihm wichtig, zu betonen, dass er "Respekt" vor Michael Stoschek habe. Gleichzeitig stehe er aber zu seinen eigenen Ideen. Diese beschrieb Marcus Wöhrl mit den Worten: "Wir durchbrechen Denkmuster!" Außerdem erklärte er, dass er das Leben gerne auch "mit ein bisschen Humor" nehme.

AIDS: Ein spezielles Thema für Familie Wöhrl

Was Marcus Wöhrl während der Diskussion nicht sagte, später aber im kleinen Kreis erklärte: Es gibt auch einen sehr ernsten und traurigen Hintergrund, warum der gesamten Familie Wöhrl das Thema Kondome und damit verbunden auch das Thema AIDS sehr am Herzen liegt.

Im Juli 2001 starb Marcus Wöhrls Bruder Emanuel im Alter von zwölf Jahren bei einem tragischen Unfall. Seine Eltern - Dagmar und Hans Rudolf Wöhrl - beschlossen, eine Stiftung zu gründen und nach ihm zu benennen. Auf der Internetseite www.emanuel-woehrl-stiftung.de heißt es dazu: "Wir können Emanuel nicht mehr zurückholen, aber wir wollen mit der Stiftung, die seinen Namen trägt, anderen Kindern und Jugendlichen im In-und Ausland helfen."

Die Emanuel-Wöhrl-Stiftung setzt sich weltweit für Kinder ein, und zwar ganz speziell in Entwicklungsländern. "Mein Bruder hat Afrika geliebt", erzählte Marcus Wöhrl am Montagabend dem Coburger Tageblatt. So gelte ein Augenmerk der Stiftungsarbeit auch der AIDS-Prävention in Afrika. Ein Projekt läuft etwa in der Stadt Thika in Kenia. Dort leiden nach Angaben der Stiftung rund 30 Prozent der 17- bis 45-Jährigen an der tödlichen Krankheit AIDS.

Marcus Wöhrl war nach der Diskussionsveranstaltung sichtlich aufgewühlt ob der Kondom-Kritik von Stoschek: "Mir ist das sehr nahe gegangen, weil ich sofort an meinen Bruder denken musste."

Übrigens: Zur Dormero-Philosophie gehört es auch, dass in jedem Badezimmer eine kleine Servicebox kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Darin befinden sich außer einer Zahnbürste und anderen Hygieneartikeln auch ein Tampon und ein Kondom. In der "Goldenen Traube" steht dieser Service bislang noch nicht zur Verfügung, wohl aber ab Anfang 2020.

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