Lautertal
Sitzung

Klimaschutz beschäftigt die Lautertaler Gemeinderäte

Eine Freiflächenphotovoltaikanlage wird wohl gebaut werden, einen Klima-Masterplan für Lautertal wird es eher nicht geben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Gemeinderat von Lautertal diskutierte über die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage ähnlich dieser auf dem Foto im Bereich Neukirchen/Tremersdorf.  Foto: Archiv/Philipp Bauernschubert
Der Gemeinderat von Lautertal diskutierte über die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage ähnlich dieser auf dem Foto im Bereich Neukirchen/Tremersdorf. Foto: Archiv/Philipp Bauernschubert
+1 Bild

Offen zeigt sich der Gemeinderat Lautertal gegenüber der Gewinnung von günstigem und umweltfreundlichem Solarstrom. Das wurde in der Sitzung am Donnerstag während der Erläuterungen durch Heinz Werner Kohles von der Südwerk Energie Projektgesellschaft mit Sitz in Burgkunstadt deutlich. Die Firma will auf Flurstücken im Bereich Neukirchen/Tremersdorf Photovoltaikanlagen auf Flächen von rund 47 Hektar bauen.

Es bestehe für Industrie und Gewerbe ein hoher Bedarf an sehr kostengünstigen Strom, der vor Ort produziert und auch verbraucht wird. "Dabei hat gerade die Photovoltaik eine große Zukunft", versicherte Kohles. Er verwies auch auf die Nachhaltigkeit, wobei Grünland und Ackerflächen beim Solarpark für rund 20 Jahre stillgelegt und ökologisch aufgewertet würden. Es entstünden zugleich Rückzugsgebiete und Lebensraum für Insekten und Niederwild, da die Zäune erst 20 Zentimeter über dem Boden begännen. Die Konstruktion gewährleiste außerdem einen kompletten Rückbau am Ende der Nutzung. Wichtig sei dem Unternehmen bei solchen Projekten die Akzeptanz unter der Bevölkerung. Das betreffe unter anderem den Ausschluss von Blendungen, komplette Eingrünungen durch Hecken, Nichteinsehbarkeit der Anlage durch umgebenden Wald und vieles mehr. Die Gewerbesteuer werde zu 70 Prozent auf Lautertal geschlüsselt. Das Investitionsvolumen umfasse etwa 28 Millionen Euro. Umweltfreundlicher, preiswerter Strom werde produziert, mit dem im Vergleich 13100 Einwohner pro Jahr versorgt werden könnten. Verhandlungen mit Grundstückseigentümern liefen und die Vertragsgestaltung erfolge mit Unterstützung des Bayerischen Bauernverbandes, erklärte der Vertreter der Projektgesellschaft.

Die Dimension von 47 Hektar bezeichnete Bürgermeister Karl Kolb als beachtlich, angesichts des dort in der Nähe befindlichen Freizeit- und Wintersportgebietes. "Wir müssen sicher auch mal einen Spagat machen, wenn regenerative Ressourcen genutzt werden können, ohne dass Vögel gehäckselt werden. Auch aus Jagd- und Naturschutzgründen sehe ich darin die akzeptabelste Lösung", betonte Gemeinderat Norbert Seitz.

Es gehe ein erheblicher Natureindruck durch die so groß dimensionierte Photovoltaikanlage verloren, gab Markus Süße zu verstehen. Andererseits brauche man natürlich den umweltfreundlichen Strom. "Klar ist es ein Eingriff in die Naturlandschaft, und wir haben es erstmals mit Planungen für einen Solarpark dieser Größe zu tun. ... Andererseits geht es auch um die sinnvolle Nutzung von landwirtschaftlichen Arealen. Es handelt sich dabei um Grenzertragsstandorte mit geringerer Bodenqualität, auf denen man auf diese Art eine Wertschöpfung für die Landwirte zulassen sollte", erklärte Gemeinderat Martin Flohrschütz.

Mehrheitlich abgelehnt wurde ein Antrag der CSU-Fraktion, mittels einer Plattform für Bürger eine Klima- und Zukunftsoffensive zu starten sowie einen Klima-Masterplan zu erstellen. Der Inhalt des Antrages wurde von Udo Bühling zuvor nochmals begründet. Bedenken äußerste zunächst Bürgermeister Karl Kolb: "Wir haben einen Arbeitskreis umwelt- und klimafreundliches Lautertal ins Leben gerufen, der sich erstmals getroffen hat. Der Gemeinderat war sich einig, dass zu diesen Themen gebündelt und somit effektiv gearbeitet werden soll." Er warnte davor, sich nun durch die Schaffung mehrerer Ebenen zu verzetteln. Es sei wichtig, die Bürger mitzunehmen, sagte Dritter Bürgermeister Hans Rauscher. Der Arbeitskreis sei gut gestartet und es sei sicher nicht sinnvoll, noch ein weiteres Forum zu bilden. Gemeinderätin Renate Kotschenreuther wies darauf hin, dass die Sitzungen des Arbeitskreises öffentlich seien. Zweiter Bürgermeister Martin Rebhan sagte: "Ich verstehe nicht, was dieser Antrag der CSU-Fraktion soll. Es war doch von Anfang an klar, dass alle Bürger die Möglichkeit haben, sich über verschiedenste Ebenen aktiv zu beteiligen und Anregungen einzubringen." "Verwaltung und Gemeinderat sind doch immer offen für jede Art von Vorschlägen", sagte auch Manfred Menzel.

Als neu ernannte Schulleiterin der Mittelschule Am Lauterberg stellte sich Ulrike Neidiger-Pohl vor. "Ich bin schon seit 1994 an der Schule und habe die Entwicklung miterlebt", sagte sie. Außer ihrem Stellvertreter Jürgen Heidenbluth sei das Kollegium komplett neu, ebenso der Hausmeister. Man stelle sich engagiert den Aufgaben. Sie freue sich auf eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Die Gemeinde hat einen Auftrag für Internet-Anschluss mit Glasfaserkabel vergeben. Udo Bühling bemängelte, dass sich seit vier Monaten diesbezüglich nichts tue, und bat die Verwaltung, sich des Themas anzunehmen. Er kritisierte außerdem die seit diesem Sommer fehlende Information über öffentliche Beschlüsse im Gemeindeblatt. Dies werde zukünftig wieder erfolgen, sicherte der Bürgermeister zu. Erneut kritisierte Norbert Seitz den schlechten Handyempfang in Lautertal und forderte die Verwaltung auf, bei der Telekom Druck zu machen.

Der Gemeinderat hat - vorbehaltlich einer Zuwendung durch die Regierung von Oberfranken von mindestens 60 Prozent - den Bau eines Gehweges entlang der CO 27 zwischen der Kreuzstein-Apotheke und dem Verkehrskreisel südlich von Unterlauter beschlossen. Die Verwaltung wurde mit dem weiteren Verfahren beauftragt.

Lautertal sagt Straubel Danke und Adieu

Landrat Sebastian Straubel war von Mai 2014 bis Februar 2019 Bürgermeister der Gemeinde Lautertal. In der Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag bedankte sich die Kommune für Straubels Engagement und verabschiedete ihn offiziell als Oberhaupt der Gemeinde.

"Wer hätte das vor einem Jahr gedacht, dass du Landrat wirst und ich Bürgermeister?", sagte Karl Kolb eingans der Laudatio. Er führte eine lange Liste von Aktivitäten und Erfolgen auf, die von Straubel entscheidend mit auf den Weg gebracht wurden. Die reichen unter anderem von der Stadtbusverbindung bis Oberlauter über den Mehrgenerationenspielplatz, den Bau des Waldkindergartens, die "Ponygruppe" im Kindergarten Klecks, die Erschließung von weiteren Baugebieten bis hin zum neuen Gemeindelogo. Kolb würdigte auch Straubels markante Eigenschaften, die ihn bei der Bevölkerung so sehr beliebt gemacht hätten: "Du hast frischen Wind nach Lautertal gebracht. Freundlich, herzlich und bürgernah hast du es verstanden, bei allen Entscheidungen eine breite Beteiligung der Bürgerschaft zu sichern." Straubel sei ein Bürgermeister für Jung und Alt gewesen, sachlich und immer offen für Veränderungen zum Wohle der Bürger und der Gemeinde. Kolb dankte ihm auch im Namen des Gemeinderates, wünschte ihm als Landrat wie auch im Privaten alles Gute und übergab ihm als Präsent ein Bild vom Lautertaler Rathaus, gemalt von Klaus Böhm.

"Ich denke sehr gerne an die schöne Zeit zurück. Es war manchmal auch hart, hat aber immer Spaß gemacht, etwas zu bewegen", erklärte der ehemalige Bürgermeister und heutige Landrat. Alle Erfolge, Projekte und Entscheidungen für ein lebens- und liebenswerteres Lautertal seien aber keine One-Man-Show gewesen, sondern hätten auf engagierter Arbeit und Vorbereitung durch Gemeinderat und Verwaltung sowie der Mitarbeit der Bürger beruht, sagte Straubel. In Diskussionen sei es immer um die Sache gegangen. "Ich danke euch für das angenehme Miteinander, liebe Kolleginnen und Kollegen", rutschte es ihm heraus. Er werde als Lautertaler der Gemeinde auch zukünftig eng verbunden bleiben, versicherte er. "Es ist meine Heimat", sagte Sebastian Straubel.

Am 22. November wird es noch einmal ganz offiziell, denn dann findet der Antrittsbesuch von Landrat Sebastina Straubel in der Gemeinde Lautertal statt. ah

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren