Tambach
Auftritt

Klangzauber in einer Tambacher Vollmond-Nacht

Wie Hans-Jürgen Buchner und Haindling ihr Konzert beim Tambacher Sommer zum ebenso gelungenen wie nachdenklich stimmenden Abend werden lassen.
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Hans-Jürgen Buchner begeisterte mit Haindling 1500 Fans im ausverkauften Tambacher Schlosshof. Foto: Jochen Berger
Hans-Jürgen Buchner begeisterte mit Haindling 1500 Fans im ausverkauften Tambacher Schlosshof. Foto: Jochen Berger
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Malerisch steht der Mond an diesem Abend über dem Wildpark. Wie von Caspar David Friedrich auf die Leinwand gebannt.
Doch auf der Bühne im Schlosshof Tambach stimmt Hans-Jürgen Buchner nachdenkliche Töne an. "Was schaut denn der Mond heute so traurig", singt Buchner. Nachdenklich aber wirkt Buchner nicht nur bei diesem Lied an den Mond. Liegt das vielleicht daran, dass Buchner mit seiner Band an diesem Abend das 35-jährige Bühnenjubiläum feiert und dieses Jubiläum ein wenig zur melancholisch gefärbten Rückschau einlädt?


Moralist und Multi-Instrumentalist

Bei diesem Auftritt im Rahmen des "Tambacher Sommers" jedenfalls teilt der singende Multi-Instrumentalist Hans-Jürgen Buchner das Podium mit dem sinnierenden Moralisten Hans-Jürgen Buchner. In der mondhellen Tambacher Sommernacht lässt Buchner seine 1500 Fans im ausverkauften Schlosshof teilhaben an den Themen, die ihn bewegen.

Immer wieder geht es Buchner um das eigenartige Wesen namens Mensch, das viele Talente besitzt und doch nur allzu gern zu seltsamen Verhaltensweisen neigt, die höchst ungesund für ihn selber wie für die Umwelt sind. Warum der Mensch, der in hundertausenden von Jahren mühsam den aufrechten Gang erworben hat, sich beim Starren auf das Handy-Display dazu verleiten lässt, diesen aufrechten Gang langsam aber sicher wieder aufzugeben - das will Buchner einfach nicht in den Kopf.


Müll und Reise zum Mars

Und warum der Mensch einerseits von der Reise zum Mars träumt, andererseits aber das Hier und Jetzt auf der Erde mit vielfältigen brutalen Umweltsünden völlig aus dem Blick verliert - auch das will Buchner ebenfalls nicht in den Kopf. Doch Buchner belässt es nicht beim Jammern, sondern führt musikalisch vor Ohren, dass sich sogar mit Plastikmüll Musik machen lässt - mit einer virtuosen Schlagzeug-Einlage, die das "Haindling-Plastik-Müllsack-Orchester" zur Verblüffung der Zuhörer zelebriert.


Vielzahl an Instrumenten

Bei allen Mahnungen des Moralisten Buchner - bevor der Abend in allzu melancholische Regionen gerät, greift der Musiker Buchner mit seiner Band zu einer kaum noch zu beziffernden Vielzahl von Instrumenten. Trompete und Gitarre, Saxofon und Tenorhorn, Tuba und Alphorn, Klanghölzer und Keyboards - bei Bedarf kann Buchners Sextett orchestral aufgefächerte Klänge herbei zaubern.


Weltmusik aus Bayern


Wenn von Haindling die Rede ist, wird gerne die Formel Weltmusik aus Bayern gebraucht. Doch die Musik von Haindling ist noch vielfältiger - schließt immer wieder auch weit aufgefächerte Klangbilder ein wie gleich zu Beginn, wenn sich der Klang in immer neuen Schichten immer dichter auftürmt. In der bunten Stilvielfalt Haindlings haben bisweilen sogar - ein unerwartetes Geschenk für alle Opernfreunde - witzig herbei zitierte Rossini-Klänge Platz.


Tassilo aus Sachsen

Das ausdauernd applausfreudige Publikum mit vielen treuen Fans feiert Haindling und seine eigenen Erinnerungen an eine Band, die auch nach 35 Bühnenjahren noch unverbraucht frisch klingt. Und vorne in der ersten Reihe sitzt der vielleicht treueste der treuen Haindling-Fans und wird von Hans-Jürgen Buchner ganz persönlich begrüßt: Tassilo aus Sachsen erlebt bei seinem 56. Haindling-Konzert einen ganz besonders stimmungsvollen Abend.
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