Coburg
Konzert

Klang wie damals auf nachgebauten Flügeln

Die Klangwelt von Mozart, Beethoven und Schubert erlebten die Coburger "Musikfreunde" beim Eröffnungskonzert zur neuen Saison auf historischen Flügeln nachgebauten Instrumenten. Es spielte die russische Pianistin Viviana Sofronitzkys.
Artikel drucken Artikel einbetten
Viviana Sofronitzky am Nachbau eines Hammerflügels von Conrad Graf (1819). Foto: Jochen Berger
Viviana Sofronitzky am Nachbau eines Hammerflügels von Conrad Graf (1819). Foto: Jochen Berger
+15 Bilder
Werke der Wiener Klassik und Romantik bot Viviana Sofronitzky am Montag im Kongresshaus, abwechselnd gespielt auf zwei von ihrem Mann Paul McNulty historischen originalen nachgebauten Flügeln, was von besonderem Reiz war und reichen Beifall bescherte.

Fast möchte man nach diesem Konzert die Klavierwerke von Mozart und Beethoven gar nicht mehr auf einem modernen Konzertflügel gespielt hören. Wie viel intimer und wärmer im Ton ist der Vorläufer jener Zeit, etwa der von Walter, einst Mozarts Lieblingsinstrument, hier zu hören in einem Nachbau eines Instrumentes ausdem Jahr 1792. Noch fast an den silbrigen Cembaloton erinnert der Klang des Flügels, dessen Pedalfunktionen als Kniehebel ausgelegt sind.


Statt der im Programm angekündigten großen c-Moll-Fantasie von Mozart begann Viviana Sofronitzky mit der kleineren in d-Moll, die sie recht frei im Rhythmus und mit viel Rubato im ersten Teil, dann frisch im raschen Schlussteil interpretierte. Es folgte das umfangreiche Rondo a-Moll KV 511 mit seinem melancholischen Hauptthema und den zahlreichen Zwischensätzen unterschiedlicher Stimmung, danach das heitere Rondo D-Dur KV 485, beide ausdrucksvoll und fingerfertig dargeboten.

Beethoven hätte schon einen etwas "kräftigeren" Flügel benötigt, aber für seine Sonata quasi una Fantasia op. 27 Nr. 2 cis-Moll, die "Mondscheinsonate", reichte er aus und bot gerade im ersten Satz den idealen Klang für seine kontemplative Stimmung. Nach dem Allegretto, der "Blume zwischen zwei Abgründen", meisterte Viviana Sofronitzky das Presto-Finale virtuos in einem Höllentempo.

Flügel- und Kostümwechsel war nach der Pause für die sympathische, fast schüchtern, ja bescheiden auftretende Künstlerin angesagt, die aber durch ihre lustigen Ansagen für eine familiäre Atmosphäre sorgte.

Etwas voluminöser im Ton und jetzt mit Pedalen ausgestattet hörte man das von Paul McNulty nachgebaute Graf-Instrument aus dem Jahre 1819. Franz Schubert hat sich persönlich nie ein solches Instrument leisten können, aber im Konzertsaal werden seine Werke so erklungen sein.

Der Klavierbauer erklärte

Viviana Sofronitzky begann mit dem Impromptu B-Dur op. 142 Nr.3, das fünf unterschiedliche Variationen über sein "Rosamunden"-Thema bringt, die sie ausdrucksvoll und technisch überlegen wiedergab. Melodiebetont mit flüssiger Begleitung erklang anschließend das bekannte Impromptu Ges-Dur op. 90 Nr. 3.

Höhepunkt und Abschluss des Konzerts bildete die monumentale "Wanderer-Fantasie" op.15, eine technisch anspruchsvolle Komposition von zwanzig Minuten Dauer. Hier gab es vorher noch einen Kostümwechsel, denn dieses Werk könne man unmöglich in Weiß spielen, meinte die Pianistin. Die Zwischenzeit überbrückte der weltweit geschätzte Klavierbauer Paul McNulty mit Ausführungen auf Englisch über das Besondere der damaligen Instrumente.

Viviana Sofronitzky brachte anschließend das anspruchsvolle Riesenwerk mit differenziertem, sensiblen Anschlag und überlegener Technik zu beeindruckender Wiedergabe, wofür sie lebhaften Beifall erhielt. Natürlich wollte man Zugaben, die zuerst von Scarlatti über Improvisationen bis Mendelssohn reichten - abwechselnd auf beiden Flügeln in fliegendem Wechsel dargeboten - und dann mit einem Walzer von Chopin endeten.

Montag, 20. Oktober
Aramis-Trio - Werke von Emmánuel Mooor, Maurice Ravel und Ludwig van Beethoven (Kongresshaus Rosengarten, Beginn: 20 Uhr)

Aramis-Trio
Das Aramis Trio, benannt nach einem der drei Musketiere, gründete sich im Jahr 2009 an der Karlsruhe Musikhochschule mit dem Motto: Alle für einen - einer für alle. Die Geige spielt Martin Emme rich, seit letztem Jahr 1. Konzertmeister im Philharmonischen Orchester Landestheater Coburg.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren