Coburg
Abschied

Kirchentausch in Coburg: St. Moriz zieht um

Coburgs größtes Gotteshaus muss umfangreich saniert werden - und das dauert. Für 18 Monate wird nun die kleine Salvatorkirche das Zuhause der Gemeinde St. Moriz sein. Der Um- und der Einzug wurde feierlich begangen.
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Angeführt von Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben zogen die Mitglieder der Gemeinde St. Moriz in die Salvatorkirche. Fotos: Oliver Schmidt
Angeführt von Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben zogen die Mitglieder der Gemeinde St. Moriz in die Salvatorkirche. Fotos: Oliver Schmidt
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Martin Luther hat in ihr gepredigt, Herzöge und Prinzen haben in ihr geheiratet, sie gab Raum für Trauer, sie spendete Trost, in ihr wurde Konzerten gelauscht und in ihr wurde auch einfach nur die Stille genossen. Die altehrwürdige Morizkirche hat in ihrer mehr als 600-jährigen Geschichte viel erlebt. Am Abend des Ostermontags kam eine Veranstaltung hinzu, die es in dieser Form noch nie gab: eine sogenannte Kir chenschließ-Andacht.

Da reicht kein Make-up

Die Morizkirche ist, wie es Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben schonungslos sagte, "in die Jahre gekommen". Und zwar so sehr, dass es nicht nur ein paar Falten seien, die vielleicht mit etwas Make-up verdeckt werden könnten. "Nein, jetzt hilft nur noch eine Schönheitsoperation!" Es ist die erste nach 45 Jahren - und wie damals dient die nur wenige hundert Meter entfernte Salvatorkirche als Ausweichquartier. "Wir gehen nicht fremd", versicherte Martina Schwarz-Wohlleben. Aber für die auf 18 lange Monate veranschlagte Bauzeit brauche es eben Ersatz. Nichts liegt da näher als die kleine Salvatorkirche, auch wenn sie so ganz anders ist als die große Morizkirche. "Das wird eine spannende Zeit", sagte Martina Schwarz-Wohlleben.

Die sehr gut besuchte Veranstaltung am Ostermontagabend begann natürlich in der Morizkirche. Bei Bachs Präludium in Es-Dur zeigte Stadtkantor Peter Stenglein noch einmal, was alles in der Orgel der Morizkirche steckt. Er zog alle Register! Anschließend erinnerte Martina Schwarz-Wohlleben an besondere Momente in Coburgs größtem Gotteshaus, verschwieg aber auch nicht die eine oder andere Enttäuschung, die "unsere Morizkirche" erlebt hat: "Manchen hat sie vermisst. Auf manchen hat sie vergeblich gewartet. Aber: Sie war immer offen."

Zum Abschluss: Bach!

Doch jetzt ist sie erst einmal zu: Während eines weiteren Orgelspiels von Peter Stenglein ging Martina Schwarz-Wohlleben und schloss von innen - bis auf eine - sämtliche Kirchentüren zu. Dann sammelte sich die Gemeinde, Lektor Sven Raitzig nahm die große Osterkerze und gemeinsam schritten alle hinaus. Nun wurde - von außen - auch die letzte Kirchentür zugeschlossen. Dann setzte sich eine regelrechte Prozession in Gang. Keine drei Minuten später war die Salvatorkirche erreicht. Sven Raitzig stellte die Osterkerze, deren Flamme während des Fußmarsches nicht erloschen war, auf den Altar und so langsam füllte sich das so lange kaum genutzte Gotteshaus mit Menschen und mit Leben.

Erster allgemeiner Eindruck: Kalt hier! Doch Martina Schwarz-Wohlleben konnte beruhigen. "Das ist die wärmste Kirche Coburgs!" Für die kurze Andacht habe man jedoch die Heizung nicht angeschaltet.

Teil der Ketschenvorstadt

Zweiter Eindruck: Wer in den vergangenen Jahren mal einen Blick in die dunkle Salvatorkirche geworfen hat, ist nun überrascht, wie hell sie geworden ist. "Ja, es wurde ordentlich Staub gewischt", berichtete Martina Schwarz-Wohlleben und erzählte noch von weiteren Maßnahmen, mit denen die 1662 geweihte Kirche "aufgehübscht" worden sei. "Sie will zeigen, was sie kann!" Vielleicht, so der Wunsch der Pfarrerin, kann die Salvatorkirche in den nächsten 18 Monaten so viele Sympathien sammeln, dass sich die Stadt anschließend den Ruck gibt für eine "richtige" Sanierung. "Die Salvatorkirche gehört immerhin zur Ketschenvorstadt", gab Schwarz-Wohlleben zu bedenken. Wohlwissend, dass die ganze Ketschenvorstadt derzeit auf Vordermann gebracht wird.
Der dritte Eindruck war und ist aber vielleicht der wichtigste: "In dieser Kirche werden wir enger zusammenrücken", sagte Martina Schwarz-Wohlleben und erklärte, die nächsten Monate deshalb auch als "Chance für die Gemeinde" zu sehen.

Schließlich war es an Peter Stenglein, diese besondere Andacht zu beenden. An der Walcker-Orgel der Salvatorkirche spielte er erneut Bach, und zwar die zum Präludium in Es-Dur gehörende Fuge.


Landesbischof kommt

Termine Der erste Gottesdienst in der Salvatorkirche ist am Mittwoch, 23. April, 20.30 Uhr, ein Wegzeichen-Gottesdienst. Am Sonntag, 27. April, beginnt um 10 Uhr ein Gottesdienst mit Taufe.

Symbole Die Wiedereröffnung der Morizkirche soll bei einem Gottesdienst mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gefeiert werden - symbolträchtigerweise am Reformationstag, 31. Oktober 2015. Dass der Umzug in die Salvatorkirche ausgerechnet am Ostermontag erfolgte, hat auch eine Bewandnis: Am Ostermontag begegneten die wandernden Emmaus-Jünger dem wiederauferstandenen Jesus. Und eine bildliche Darstellung genau dieser biblischen Szene ist auf dem Glasmosaik in der Salvatorkirche zu sehen. os


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