Schottenstein
Ernte

Keltern: Saft aus dem eigenen Garten

Die Obstbäume hängen voll, die Früchte sind früher reif als sonst. Wohin damit? Eine Möglichkeit: Keltern.
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Foto: Jann Weckel
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Der Druck wird immer höher, um auch den letzten Rest Saft aus dem Fruchtfleisch zu pressen. In kleinen Sturzbächen quillt er hervor. Wiegen, zerkleinern, pressen, erhitzen, abfüllen - und dann wieder von vorne. In der Kelterei des Obst- und Gartenbauvereins Schottenstein herrscht Hochkonjunktur. Und das, obwohl die Saison normalerweise deutlich später beginnt.

"Wir fangen sonst eigentlich erst an, wenn die Schulzeit los geht", erklärt Gabi Kleist, Mitglied des Vereins. Doch der extreme Sommer mache sich im Obstbau bemerkbar: "Die Bäume hängen voll und die Früchte sind viel früher reif." Also reagierte der Verein und ließ die Saftherstellung jetzt anlaufen.

Die Nachfrage ist groß, denn jeder kann hier sein Obst weiterverarbeiten lassen. Mitglied im Verein zu sein, ist keine Voraussetzung. "Unser Tag ist durchgetaktet", erklärt Gabi Kleist und zeigt die Liste, wann welcher Saftliebhaber seinen Liefer- und Abholtermin hat. Für rund 200 Kilogramm Äpfel plant das Kelter-Team etwa eine Stunde ein, vom Wiegen bis zum Saft. "Problematisch wird es, wenn jemand mehr liefert als angegeben. Dann verschiebt sich alles."

Zuerst geht es für die Äpfel - es dürfen auch Birnen oder Quitten sein - auf die Waage. Mindestens einen Zentner müssen Hobby-Obstbauern mitbringen, um überhaupt einen Termin zu bekommen. Der Terminkalender werde so erstellt, dass möglichst effizient gearbeitet werden kann. Wie es im Ehrenamt eben so ist: "Die Leute fehlen." Wunschtermine könnten daher nicht berücksichtigt werden.

Qualität selbst prüfen

Nach dem Wiegen werden die Früchte gehäckselt, in Portionen in eine Form fallen gelassen und in Stoff eingeschlagen. Darauf kommt eine Kunststoffplatte, dann die nächste Ladung. Offensichtlich schlechte Äpfel werden vorher aussortiert: "Wenn da ein schimmliger Apfel dabei ist, dann hat man den Schimmel im Saft", sagt Gabi Kleist. Der letzte Kontrollblick sei aber keine Garantie für ein hochwertiges Ergebnis: "Wer schlechten Saft möchte, der bringt schlechte Äpfel mit", sagt Kleist und lacht. "Man sollte die Früchte maximal einen Tag vorher sammeln und auch nicht in Säcke oder Kisten stecken. Das ist dann wie Kompost."

Das zerkleinerte Obst kommt dann in die Presse, die wie eine Art Schraubstock funktioniert. Der Stapel aus Apfelschichten wird zusammengepresst, der Saft in ein Silo gepumpt. Übrig bleibt eine trockene Masse, die Jäger später als Futtermittel für Wild verwenden.

Welche Menge Saft am Ende herauskommt, das hängt laut Gabi Kleist von mehreren Faktoren ab: "Das ist zum Beispiel abhängig von der Sorte und auch vom Erntezeitpunkt." Grob rechne man mit etwa 26 Litern Saft aus 50 Kilo Äpfeln. Allerdings könnte der heiße und trockene Sommer für geringere Ausbeute sorgen: "Die Äpfel haben in diesem Sommer wenig Wasser bekommen. Ein überreifer Apfel hat sowieso weniger Saft." Am besten seien richtig knackige Äpfel. Außerdem werde der Saft auch trüber, je reifer die Früchte sind.

Derweil wird der Saft vom Silo in einen Erhitzer gepumpt und dort sterilisiert. Wenn der Saft im nächsten Schritt in Plastikbeutel abgefüllt wird, hat er eine Temperatur von 90 Grad. "So hält er dann ein Jahr", sagt Gabi Kleist. Nur die Fahrt nach Hause mit der potenziellen Jahresration Apfel-, Birnen oder Quittensaft könnte etwas unangenehm werden: "Mit den warmen Beuteln im Auto - das ist dann recht schnell wie in der Sauna."

Kelterfest am Sonntag

Wer sein Obst keltern lassen möchte, kann sich montags, mittwochs und donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr voranmelden (Telefon 01575/2714616). Wer nur das Ergebnis testen möchte: Am kommenden Sonntag veranstaltet der Verein ab 11.30 Uhr das Kelterfest am "Haus der Bäuerin".

Weitere Keltereien im Kreis Coburg

Neben dem Schottensteiner Obst- und Gartenbauverein bieten auch weitere Gartenbauvereine im Landkreis das Keltern an: Der OGV Obersiemau-Birkach am Forst, der GV Untersiemau, der GV Rossach, der OGV Grub am Forst, der OGV Mönchröden und der OGV Oberlauter.

Quelle: www.gartenbauvereine.org



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