Coburg
Wirtschaft

Keine rosigen Aussichten für den Blumenhandel in Coburg

Immer mehr Blumenfachgeschäfte geben den Kampf gegen Billigangebote auf. Kritik gibt's am Kaufverhalten der Kunden, aber auch an der Stadt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei "Natürlich Blumen" in der Ketschendorfer Straße läuft der Ausverkauf.Foto: Ulrike Nauer
Bei "Natürlich Blumen" in der Ketschendorfer Straße läuft der Ausverkauf.Foto: Ulrike Nauer

Beim Wocheneinkauf im Supermarkt schnell einen Bund Rosen mit aufs Band? Kein Problem - so gut wie alle Einkaufsmärkte haben heute auch Schnittblumen im Angebot. Für Blumenfans sicher bequem, doch den zum Teil alteingesessenen Coburger Blumenfachgeschäften nimmt dieses Angebot die Kunden weg. Viele der früher zahlreichen Blumenläden in der Innenstadt sind bereits Geschichte. Und nun verliert Coburg in relativ kurzer Zeit gleich noch drei weitere: "Wildwuchs" in der Herrngasse ist schon länger zu, die "Blumeninsel" in der Großen Johannisgasse ist nach dem Tod der Inhaberin ebenfalls geschlossen und Ende November folgt "Natürlich Blumen" in der Ketschendorfer Straße.

"Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich geändert. Heute gibt's überall Blumen, im Discounter, in den Baumärkten", bestätigt Bernd Holm, dessen Frau das Geschäft "Natürlich Blumen" führt. Mit diesem Problem hätten alle Blumenfachgeschäfte zu kämpfen. Das bestätigt auch Ramona, Inhaberin des Blumenladens "Zauberhaft" in der Mohrenstraße. Die Menschen legten offenbar keinen Wert mehr auf gebundene Sträuße und würden sich lieber einzelne Stängel in die Vase stellen, wie sie festgestellt hat.

Aber das ist längst nicht alles. "Bei uns kommen viele Faktoren zusammen", sagt Bernd Holm. Seit zehn Jahren war das Geschäft seiner Frau in der Ketschendorfer Straße beheimatet, vorher lange Zeit im Ketschentor. Nun sei der Mietvertrag für die Räume ausgelaufen. "Wir hätten einen anderen Laden suchen müssen und es ist schwer, in Coburg eine gute Lage zu finden", erklärt Holm. Gute Lage bedeute in diesem Fall verkehrsgünstig und vor allem mit Parkplätzen vor der Tür. "Die Kunden gehen nicht vorbei und nehmen eine Pflanze oder einen schweren Keramiktopf mit", weiß Bernd Holm. "Die wollen vor der Tür parken." Und natürlich müsse auch der oft aufwendige Blumenschmuck für Trauerfeiern, Hochzeiten und ähnliches mit dem Auto transportiert werden.

Schnell ein Strauß für die Frau

;

Welchen negativen Einfluss in diesem Zusammenhang schon eine Baustelle vor dem Geschäft haben kann, mussten die Holms gerade erst durch die Bauarbeiten in der Ketschendorfer Straße erfahren. Die Folgen der langen Sperrung: weniger Kunden und Umsatzeinbußen.

Ähnlich erging es der Inhaberin des "Zauberhaft" in der Mohrenstraße. Unter ihren Kunden seien viele Männer, die auf dem Nachhauseweg von der Arbeit schnell bei ihr hereinschauten und einen Strauß für ihre Frauen bestellen wollten, berichtet Ramona. Diese Kunden fehlen ihr momentan, weil niemand lange Umwege wegen der Baustelle in Kauf nehmen will. Fehlende Parkplätze seien für sie übrigens kein Problem. Ihre Kunden halten oft schnell vor dem Geschäft, bestellen und fahren weiter.

Weit mehr ärgert sich die Floristin über das Verhalten der Stadt Coburg. "Die Stadt macht die Geschäfte kaputt - vor allem durch die verkaufsoffenen Sonntage", schimpft sie. "Die Leute gehen doch nur spazieren. Der Laden ist voll, aber alle gucken nur, keiner kauft was."

Markt: Bamberger bevorzugt?

;

Auch schlecht für das Geschäft der Blumenläden: der Wochenmarkt - vor allem, wenn man selbst gerne dort verkaufen würde, aber gar nicht erst die Chance erhalte. "Wir versuchen seit 20 Jahren, auf den Coburger Wochenmarkt zu kommen", kritisiert die Blumenfachfrau. Aber Fehlanzeige! "Da sind nur Bamberger, für die Coburger ist kein Platz! Warum werden die Bamberger so gefördert?" Als sie einmal versucht habe, ihre Adventskränze auf dem Bamberger Wochenmarkt zu verkaufen, sei sie mit der Begründung abgewiesen worden, dass dort die Bamberger Händler Vorrang hätten. Immerhin, wenn in Coburg der Markt am Samstagmittag beendet sei, werde der Kundenzulauf auch in der Mohrenstraße wieder etwas besser.

Während Ramona ihr Geschäft weitgehend als Einzelkämpferin betreibt, bekamen die Holms im "Natürlich Blumen" zunehmend die Folgen des Fachkräftemangels zu spüren. Das Personal wurde weniger, Nachwuchs sei kaum noch zu finden, sagt Bernd Holm. "Das betrifft die gesamte Branche." Kaum ein Jugendlicher will heute noch Florist werden. "Früher waren es im Ausbildungsjahr um die 20 Azubis, heute sind es vielleicht sieben." Oft muss am Wochenende gearbeitet werden, bei niedrigem Verdienst - "deswegen wollen das viele nicht mehr machen", so Holm.

Rosige Aussichten sind das alles nicht und trotzdem geht's im "Zauberhaft" weiter, wie Ramona versichert. Von den Gerüchten, sie wolle ihren Laden aufgeben, hat sie gehört, doch die seien falsch. "Ich mache weiter!" - trotz rückläufigen Geschäfts und "unverschämter" Mieten. Motivation? Die braucht sie nicht! "Ich liebe meinen Job, aber man muss ihn mit Herzblut machen - ohne geht das nicht!"

Rohm: Regionale Betriebe fördern und unterstützen

Martin Rohm ist vielen Coburgern noch als ehemaliger Citymanager (1999 bis 2008) im Gedächtnis. Dass er sich für den heimischen Blumenfachhandel engagiert und das ehrenamtlich, dürfte kaum bekannt sein.

Während seiner Zeit als Citymanager hatte er den Familienbetrieb Reinhardt kennengelernt - als Spender von Blumen für die "Coburger Brunnenstraße" und Unterstützer von anderen Citymarketing-Projekten. Im Gegenzug half Rohm der Gärtnerei in Sachen Marketing und Werbung.

Die Gärtnerei Reinhardt, die heute in vierter und fünfter Generation geführt werde, könne wegen ihrer räumlichen Abgelegenheit im Postgrund nicht auf Laufkundschaft oder Spontankäufe zählen, so Rohm. Er helfe aus Überzeugung, "dass man dem gnadenlosen Wettbewerb beziehungsweise der Übermacht der Baumärkte und Discounter etwas entgegen setzten sollte, um letztlich dazu beizutragen, dass es solche Betriebe auch in Zukunft geben wird."

Als Regionalgärtnerei leiste der Coburger Betrieb einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, indem er Pflanzen aus eigenem Anbau verkaufe, was kurze Wege und Verbrauchernähe bedeute, indem er Arbeits- und Ausbildungsplätze biete und indem er durch die Haltung von Bienen und Ziegen auch einen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz leiste.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren