Coburg
Diskussion

Kein Einlass ohne deutschen Pass?

Der Abschluss des Coburger NightRuns sollte im "Feierwerk" im Steinweg gefeiert werden. Drei ausländische Studenten mussten aber draußen bleiben. Anweisung vom Chef oder Fehleinschätzung?
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Feiern in einem Nachtklub Symbolfoto: imago/image broker
Feiern in einem Nachtklub Symbolfoto: imago/image broker
Einen neuen Rekord durfte der 5. Coburger NightRun am 5. Mai verzeichnen: über 1700 Teilnehmer haben den nächtlichen Lauf durch die Innenstadt bestritten. Der Eintritt der anschließend stattfindenden Afterparty im Feierraum blieb für drei afrikanische Studenten aber verwehrt.
Sebastian Drobner, der an der Hochschule Coburg internationale Sozialarbeit und Entwicklung studiert, schildert die Situation auf seinem Blog wie folgt: Er will mit drei seiner Studentenfreunde afrikanischer Herkunft am Freitagabend im Steinweg feiern gehen. Dazu kommt es aber nicht, denn seiner Begleitung wird der Eintritt in den Feierraum vom Türsteher nicht gestattet. Grund: Bei der Party seien nur Gäste mit deutschem Pass erwünscht. Dabei werden die drei abseits stehenden Afrikaner aber nicht einmal nach Ausweisdokumenten gefragt, obwohl sie fließend Deutsch, teilweise sogar mit fränkischem Akzent, sprechen.
Doch laut Türsteher kommt die Anweisung vom Chef: Ausländische Partybesucher hätten schon mal für Probleme gesorgt. "Es kamen ja Ausländer rein, aber eben nicht solche, die ausländisch aussehen", beschreibt Drobner die Situation.
Auf die Party haben er und seine Freunde dann verzichtet. Sie wollen aber auf die Diskriminierung aufmerksam machen. Nicht zum ersten Mal sei er mit Rassismus in seinem Umfeld konfrontiert worden, sagt Drobner. Öfter schon wurden ausländische Freunde von ihm von Türstehern abgewiesen : "Heute nicht" und "Du kommst hier nicht rein".
"Oft können wir nur darauf schließen, dass hinter einem Satz wie ,heute nicht‘ blanker Rassismus steckt. Hier hat der Türsteher mir aber erklärt, meine Freunde kämen eh nicht rein, weil sie sowieso keinen deutschen Pass haben. Dabei hat er noch nicht einmal mit ihnen gesprochen", sagt Drobner.


Fehleinschätzungen

Stephan Guzik, Inhaber des Feierraums und Veranstalter der After Party des NightRuns, ist erst bereit, mit unserer Zeitung zu sprechen, sagt den Termin dann aber wieder ab, sondern bittet um Fragen per E-Mail. Daraufhin schickt er folgende Erklärung: "Eine Anordnung, dass nur Personen mit deutschem Pass Einlass haben, ist falsch". Der Feierraum verfüge über einen Sicherheitsdienst, der grundsätzlich auf professionelle Art und Weise und mit großem Erfahrungswissen die Eingangskontrollen vornehme und Probleme löse, erklärt Guzik.
Von Zutrittsverboten betroffen seien sowohl Deutsche als auch Gäste anderer Herkunft. In der Vergangenheit habe es Fälle gegeben, in denen Gäste aufgrund von Alkoholkonsum etc. eine hohe Gewaltbereitschaft aufwiesen oder ein falsches Outfit anhatten, und deswegen nicht eingelassen werden konnten.
"Gerade, wenn viele Gäste vor der Tür stehen und den Einlass begehren, müssen sich unsere Sicherheitskräfte innerhalb weniger Sekunden ein Bild von den Gästen machen. Wenn es hierbei eventuell zu Fehleinschätzungen kommt, bitten wir, dies zu entschuldigen."


Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Feierraum Diskriminierung vorgeworfen wird. Auf der Facebook-Seite des 2014 eröffneten Lokals findet man eine 1-Sterne-Bewertung: "Rassistische Willkür am Einlass. Wieder durfte ich rein, aber meine zwei Freunde nicht", beschwert sich ein User vor einem Jahr.
Auch Drobner hat seinen Unmut auf der Facebook-Seite des Nachtlokals kund getan. Daraufhin habe Guzik gedroht, ihn zu verklagen, erzählt Drobner. Das wiederum motiviere ihn nur noch mehr, wie er sagt: Mit seinen Freunden hat er bereits Kontakt mit der Antidiskriminierungsstelle aufgenommen und will Schadensersatz fordern.
"Trotzdem ist das Klagen ohne Anwalt ziemlich schwierig", erklärt Rachel Mukunzi, die nicht auf die Party eingelassen wurde, "und das Ordnungsamt konnte uns auch nicht helfen".
Dass sie wegen ihrer Herkunft nicht eingelassen wurde, war ein einschneidendes Erlebnis für die Studentin, die der Vorfall immer noch beschäftigt. "Da geht einem irgendwie das Vertrauen verloren. Zum Glück bin ich nur zum Studieren in Deutschland, danach möchte ich zurück in mein Land gehen."
Auch Drobner ist enttäuscht vom Vorgehen des Feierraum-Betreibers: "Eine zwingend notwendige und angebrachtere Reaktion wäre gewesen, sich zu entschuldigen und dafür Sorge zu tragen, dass es bei kommenden Veranstaltungen nicht zu Verstößen gegen das Antidiskriminierungsgesetz kommt", findet er.


Rechtlich gesehen

Seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches die Ansprüche und Rechtsfolgen von Diskriminierung regelt. Das Erklärungsvideo der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sagt eindeutig: "Diskriminierung ist falsch". Betroffene haben das Recht, auf Entschädigung und Schadensersatz zu klagen.
Dabei geht es den Studenten primär um etwas anderes: "Die Einsichtigkeit ist uns am wichtigsten", betont er. Der Türsteher könnte sich künftig mit ein paar Fragen ein Bild machen, wen er vor sich hat. "Dann merkt man auch, ob jemand aggressiv ist oder für Probleme auf der Party sorgen könnte". Anstatt des Personalausweises könne man sich den Studentenausweis zeigen lassen.
Die Ausrichter des NightRuns, die RunningBros Coburg, haben sich schon telefonisch bei den Betroffenen geäußert und eine deutliche Stellungnahme im Internet veröffentlicht. Darin heißt es: "Wir stehen schon seit Gründung unseres Vereins für Integration, Offenheit und Gleichbehandlung und lehnen jede Form von Diskriminierung und Rassismus konsequent ab".


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