Neustadt bei Coburg
Portrait

Kaum ein Winkel Neustadts ist Knochs Augen entgangen

Der Lehrer und Heimatmaler Horst Knoch war ein Neustadter "mit Leib und Seele".
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Blick ins "Alte Weidach-Viertel" Repro: Dieter Seyfarth
Blick ins "Alte Weidach-Viertel" Repro: Dieter Seyfarth
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Beliebter Pädagoge, Kultur-, Natur- und Tierfreund, heimatverwurzelt, Hobbykünstler und Familienmensch, aber auch weltoffen und vielgereist: All diese Eigenschaften machten den Menschen Horst Knoch aus, der viele Jahrzehnte im Haus seines Schwiegervaters, des Schreinermeisters Otto Volk, in der Bergstraße 20 gewohnt und gelebt hat. Geboren wurde er am 3. August 1928 in Neustadt. Nach seiner Schulausbildung besuchte er von 1943 bis 1945 die Lehrerbildungsanstalt in Eichstätt und danach von 1946 bis 1950 das Lehrerseminar in Coburg. Das erste Staatsexamen legte er 1950 in Coburg und das zweite 1953 in Coburg ab. Seine erste Lehrerstelle bekam er an der Volksschule in Fischbach bei Kronach zugeteilt und später an der Lucas-Cranach-Schule in Kronach. Da musste er schon eine "kleine Weltreise" unternehmen, eine beschwerliche noch dazu, um zu seiner Wirkungsstätte zu gelangen. Wer hatte schon damals ein Auto? Von öffentlichen Busverbindungen ganz zu schweigen!

Sehr gerne erinnerte er sich immer wieder an die Volksschule in Fischbach (Vogtendorf) und seine Schüler. Vor Jahren besuchte er diesen Ort, wo er als Junglehrer seine ersten beruflichen Erfahrungen sammeln konnte. Im dortigen Dorfwirtshaus traf er auf einen ehemaligen Schüler, der schon kurz vor der Rente stand. Da gab es eine angeregte und schöne Unterhaltung, wollte der frühere Dorflehrer doch wissen, was aus seinen ehemaligen Schülern geworden ist. Später wurde er an die Grundschule der Volksschule Heubischer Straße in Neustadt versetzt. Hier unterrichtete er Generationen von Schülern. Dass er streng, aber gerecht war, davon erzählen heute noch viele. Und das wissen auch seine beiden Töchter, die ebenso in seiner Klasse waren. Zuletzt bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1988 war er als Konrektor zugleich auch stellvertretender Leiter der Grundschule.

Begabung zeigt sich früh

Horst Knoch entdeckte schon frühzeitig seine Begabung fürs Zeichnen und Malen. So war es nicht verwunderlich, dass er als Volksschüler am "freiwilligen Zeichenunterricht" in der damaligen Gewerbeschule am Glockenberg (heutige Glockenbergschule) teilnahm. Seine Lehrer Max Heidler und Eduard Knauer erkannten sein Talent, vermittelten ihm weitere Fertigkeiten und spornten den jungen Hobbymaler an. So befasste sich der Junglehrer in seiner Freizeit sehr intensiv mit diesem Hobby und verbesserte im Selbststudium fortlaufend seine zeichnerischen und malerischen Fähigkeiten. Bei regelmäßigen Spaziergängen in der Stadt, Wanderungen im Muppberg, im Neustadter Kessel und im Coburger Land, meist begleitet von seiner Frau Eva und seinem Hund, suchte und fand er viele schöne und interessante Motive. Kaum ein Winkel des alten Neustadts ist seinen Augen entgangen. So sind neben vorwiegend Neustadter Landschaften im Spiegel der unterschiedlichen Jahreszeiten historische Gebäude (zum Beispiel die Stadtkirche St. Georg, Bergkirche Höhn, Bergmühle, Arnoldhütte, Prinzregententurm, altes Brauhaus, Putzen-Bräu, Rathaus, Stadtkrankenhaus, Gaskessel), alte Stadtviertel, Denkmäler und Platzanlagen in seinen akribischen Bleistiftzeichnungen, Aquarellen und Kreidezeichnungen festgehalten. Damit hat er auf seine eigene Art und Weise das "alte Stadtbild" für spätere Generationen und die Stadtgeschichte dokumentiert. Aber auch die alten Handwerksberufe der Neustadter Spielzeugindustrie hatten es ihm angetan. Diese fleißigen Spielzeugarbeiter, meist Heimarbeiterinnen, hielt er ebenso in feinen Federstrichzeichnungen fest. Einige davon hat er schon vor Jahren dem Museum der Deutschen Spielzeugindustrie zur Verfügung gestellt, wo sie dauerhaft zu bewundern sind. Ankäufe und Schenkungen seiner detailgetreuen Zeichnungen und Bilder sind im Besitz der Stadt Neustadt. Auch schmücken Knochs Werke zahlreiche Neustadter Wohnstuben aus. Und etliche seiner Motive finden sich auf Ansichtskarten.

Knochs Werke sind zahlreich

Seit vielen Jahren war Horst Knoch ein geschätztes Mitglied des Kunstvereins Coburg. An deren Jahresausstellungen war er wiederholt mit seinem Werken vertreten. Auch an zahlreichen Ausstellungen im Neustadter Rathaus war Horst Knoch mit seinen künstlerischen Arbeiten beteiligt. Einige davon hat er ausschließlich mit seinen Arbeiten gestaltet. Eine besondere Ausstellung mit Werken "heimischer Künstler" fand 1998 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Neustadt statt, bei der er sich besonders engagierte. Hervorzuheben ist auch eine vor Jahren im Rathaus gestaltete Ausstellung mit Werken des Neustadter Bildhauers Professor Edmund Moeller. Da ließ er es sich nicht nehmen, mit Vertretern des Kulturamtes nach Dresden zu reisen, um von der dortigen Städtischen Galerie Leihgaben für die Ausstellung mit nach Neustadt zu holen. Darüber hinaus hat er über viele Jahre hinweg die Vitrinen im Rathaus mit seinen Bildern ausgeschmückt und das städtische Kulturamt bei der Vorbereitung und Durchführung von Ausstellungen beraten und unterstützt.

Die Stadt Neustadt hat die Verdienste Horst Knochs um die "darstellende Kunst und die Heimatpflege in Neustadt" mit der Verleihung der Stadtmedaille in Silber am 22. Januar 1999 gewürdigt.

Auch die Sammler- und Briefmarkenfreunde haben in verschiedenster Weise bei ihren Ausstellungen und Grenzlandtauschtagen die Mithilfe von Horst Knoch gefunden. Oftmals waren seine Motive auf Einladungen und Ausstellungsführern zu sehen.

Horst Knoch war ein "Neustadter mit Leib und Seele". Zwar suchte er durch viele Urlaube in den Bergen und an der See sowie Reisen im In- und Ausland immer wieder einen Abstand zu gewinnen und neue Impulse zu finden, doch fand er es in seiner Heimatstadt im Kreis der Familie in seinem schmucken Heim immer am Schönsten.

Nun ist Horst Knoch am 22. April 2019 im gesegneten Alter von über 90 Jahren gestorben. Neben der Familie haben treue Freunde und Bekannte am 29. April 2019 in der Auferstehungskirche von ihm Abschied genommen.

Bleibt zu hoffen, dass Horst Knoch "als Heimatmaler und Bewahrer des Neustadter Erbes" nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Doch dafür dürften allein schon seine wunderschönen Werke mit Motiven vom "alten Neustadt" sorgen.

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